Kultur Erst Umbau, dann Abriss: Wichtige Fakten zum Opern-Interim

Stuttgart / Dominique Leibbrand 06.12.2017

Einst galt das Stuttgarter Paketpostamt in der Ehmannstraße als modern­stes Europas. Später zog die Paketabfertigung nach Köngen im Kreis Esslingen, ab 2015 sollten Flüchtlinge in dem Bau beherbergt werden. In einigen Jahren nun will die Hochkultur dort unterkommen: Das Postamt ist als Ausweichquartier für die sanierungsbedürftige Oper am Eckensee geplant. Nach einem zähen Suchlauf hat sich der Verwaltungsrat der Staatstheater, wie berichtet, dafür ausgesprochen. Die wichtigsten Fakten zum Gebäude und zu den weiteren Planungen.

Wo liegt das Postamt und wie kommt man hin? Das Gebäude befindet sich nördlich des Hauptbahnhofs direkt an den Gleisen. Schlossgarten und Rosensteinpark treffen an der Stelle aufeinander. Naturkundemuseum und Wilhelma sind nicht weit. Vom Hauptbahnhof erreicht man das Gebäude mit dem Auto über die  B 27 (Heilbronner Straße). Bei guter Verkehrslage schafft man die 3,6 Kilometer in zehn Minuten. Vor Ort gibt es 500 Parkplätze. Die Stadtbahnhaltestelle Mineralbäder befindet sich in Sichtweite etwa 500 Meter entfernt. Der Fußweg durch den Park müsste jedoch verbessert werden. Die zweite Option, die Haltestelle Löwentor, ist etwa 1,2 Kilometer entfernt. Hier wird womöglich ein Shuttle-Service eingerichtet.

Wem gehört das Gebäude? Eigentümer ist nach wie vor die Post, die Stadt Stuttgart will das Gebäude aber kaufen. Verhandlungen sollen jedoch erst aufgenommen werden, wenn der endgültige Beschluss gefallen ist, dass das Gebäude zum Opern-Interim wird. Der Verwaltungsrat der Staatstheater will dafür voraussichtlich im Mai zusammenkommen. Danach müssen noch Gemeinderat und Landtag entscheiden.

Wovon hängt der endgültige Beschluss ab? Von den Kosten für den Umbau des Postamts zum Interim. Belastbare Zahlen liegen bislang nicht vor. Eine grobe Schätzung geht von rund 55 Millionen Euro aus. Ausschlaggebend wird auch ein Gutachten sein, bei dem unter anderem der Platzbedarf des Kunstbetriebs ermittelt werden soll. Je nach Ergebnis wird entschieden, ob Oper, Ballett und Postbetrieb parallel betrieben werden können. Sowohl die Stadt als auch die Post könnten sich das vorstellen.

Was ist in dem Gebäude derzeit untergebracht? Die Paketabfertigung für den Großraum Stuttgart läuft zwar seit Mitte der 90er Jahre über das Postzentrum in Köngen, dennoch wird der zirka 45 000 Quadratmeter große Bau weiterhin für den Postbetrieb genutzt. Dort befinden sich einem Sprecher zufolge Postfächer für Stuttgarter Firmen und Behörden, der Rentenservice der Post ist dort angesiedelt, außerdem fungiert der Bau als Zustellstützpunkt und Paket-Zustellbasis für die Stuttgarter Innenstadt. Entstanden ist der Komplex zwischen den Jahren 1952 und 1982. Der Gebäudeteil, in dem der Kunstbetrieb unterkommen soll, wurde zuletzt gebaut.

Warum haben Land und Stadt Räume im Postzentrum gemietet? Das Land wollte auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 eine Erstaufnahmestelle im Paketzentrum einrichten. Als die Zugangszahlen dann aber sanken, wurde der Plan verworfen, es zogen nie Flüchtlinge ein. Der Mietvertrag für knapp 10 000 Quadratmeter läuft derweil weiter. Zwischendurch stellte das Regierungspräsidium die Räume für eine Messe, Modenschauen und Arbeiten des Landesamts für Denkmalpflege zur Verfügung. In den von der Stadt gemieteten Räumen probt die freie Kunst- und Kulturszene.

Wann könnte der Opernbetrieb im Postamt starten? Nach den aktuellen Planungen sollen die Bauarbeiten für das Ausweichquartier frühestens 2021 beginnen, zwei Jahre später könnte dann der Umzug vom Zentrum in den Norden stattfinden.  Die eigentliche Sanierung der Oper wiederum würde Ende 2023 starten. Die Gesamtkosten belaufen sich Schätzungen zufolge auf rund 400 Millionen Euro.

Wie sehen die langfristigen Pläne für die Ehmannstraße aus? Da das Gebäude auf dem Gelände des künftigen Rosensteinquartiers liegt, soll es abgerissen werden, wenn S 21 fertig ist. An der Stelle ist eine Erweiterung der Parkflächen geplant. Weil das Gebäude umgebaut werden, später aber weichen soll, hat der Standort auch viele Kritiker.

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