Nahverkehr Die meisten Fahrkarten werden billiger

Die Tickets für Busse und Bahnen im VVS werden tendenziell billiger. In Stuttgart gibt es bald nur noch eine Zone.
Die Tickets für Busse und Bahnen im VVS werden tendenziell billiger. In Stuttgart gibt es bald nur noch eine Zone. © Foto: Bernd Weissbrod, dpa
Von Uwe Roth 08.06.2018

Bisher gleicht der Tarifzonenplan des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) einem Flickenteppich aus 52 Zonen. Im April sollen die Sektorengrenzen wegfallen. Außerdem werden die beiden äußeren Ringe zusammengefasst. Die beiden Innenstadtzonen von Stuttgart werden zu einer aufgelöst. Der Tarifzonenplan besteht dann aus fünf Tarifringen. Für Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sind diese Veränderungen, wie er am Donnerstag bei der Vorstellung im Stuttgarter Rathaus sagte, „mehr als eine Tarifreform. Es ist ein Neuanfang beim VVS“. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sagte, wenn Stuttgart zu einer Zone werde, bekomme die Stadt mit 2,50 Euro den „günstigsten Einzelticketpreis unter den zehn größten deutschen Städten“.  In München liegt dieser bei 2,90 Euro.

Davon profitieren auch die Stuttgart-Pendler, die künftig eine Zone weniger zu zahlen haben. Kuhn betonte, dass mit der Reform die Fahrten im Verbund bis zu 30 Prozent günstiger würden. Vorgabe sei gewesen, keinen der jährlich 380 Millionen Fahrgäste schlechter zu stellen. Für Fahrgäste, die sich bisher hauptsächlich zwischen den mittleren Ringen bewegen, ohne Sektorengrenzen zu überqueren, ändert sich am Fahrpreis allerdings nichts. Sie profitieren aber davon, dass der VVS 2018 auf die übliche jährliche Tariferhöhung verzichten wird.

Aufgabenträger des VVS sind neben dem Land, die Landeshauptstadt, die Kreise Ludwigsburg, Böblingen, Esslingen und Rems-Murr sowie der Verband Region Stuttgart (VRS). Auf die Beteiligten kommen mit der Reform Mehrkosten von jährlich bis zu 42 Millionen Euro zu. Diese entstehen, um die Mindereinnahmen der Verkehrsunternehmen auszugleichen. Das Land beteiligt sich mit einmalig 42 Millionen Euro, verteilt auf die kommenden sechs Jahre. Danach müssen die Kommunen die Zusatzkosten alleine tragen. Umgekehrt rechnet der VVS mit dem Verkauf von zusätzlich elf Millionen Fahrten im Jahr.

Die Stadt Stuttgart kostet die Reform nach Angaben von Kuhn knapp 15 Millionen Euro im Jahr. Das entspricht ungefähr 45 Prozent des Mehraufwands. Der Esslinger Landrat Heinz Eininger schätzte die Mehrkosten für die Kommunen in seinem Kreis auf 3,7 Millionen Euro jährlich. Nach dem Jahr 2025, wenn der Anteil des Landes weggefallen ist, stiegen diese auf 6,6 Millionen Euro, so Eininger.  Bevor die Reform in ungefähr zehn Monaten starten kann, müssen der Stuttgarter Gemeinderat, die vier Kreistage sowie die Regionalversammlung ihr zustimmen. Im Pressegespräch zeigten sich die Landräte zuversichtlich, dass die notwendigen Mehrheiten zustande kommen.

Der Ludwigsburger Landrat Rainer Haas sagte, dass mit der Tarifreform der ÖPNV in der Region für viele Bürger zwar günstiger werde, aber nicht besser. „Uns kostet die Reform kräftig Geld. Aber mit dem Geld fährt nicht eine S-Bahn oder ein Bus mehr.“ Haas forderte: „Wir brauchen dringend auch Investitionen in substanzielle Verbesserungen – damit meine ich nicht nur Taktverdichtungen.“

Eine Reform des VVS war viele Jahre im Gespräch. „Vielleicht war die Zeit bisher dafür nicht reif“, überlegte VRS-Vorsitzender Thomas Bopp. Die Ankündigung der Stadt Stuttgart, mit der Zusammenlegung der Zonen mehr Bürger zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen zu wollen, um drohende Fahrverbote zu vermeiden, hat in der Region ein Umdenken ausgelöst: „Den Bürgern wäre nicht zu erklären gewesen, wenn Stuttgart zu einer Zone geworden wäre und der Landkreis Esslingen seine 15 Zonen behalten hätte“, sagte Landrat Eininger.

Infokasten
Jahreskarte wird bis zu 565 Euro billiger

Pendler zwischen Holzgerlingen und Leonberg (beide Kreis Böblingen) können sich freuen: Ab April 2019 durchfahren sie statt fünf nur zwei Zonen.  Damit reduziert sich der Preis nach Angaben des VVS um 48 Prozent. Eine Jahreskarte kostet statt 1670 nur noch 805 Euro. Bei einem Einzelticket liegt sinkt der Preis von 6,50 auf 2,90 Euro.

Die Fahrt von Böblingen nach Waiblingen kostet künftig nicht mehr 6,50 sondern nur noch 4,20 Euro. Das entspricht einer Ersparnis von 35 Prozent. Gleiches gilt für die Tangentialverbindung Ludwigsburg-Esslingen:  Statt 5,30 sind nur noch 2,90 Euro fällig. Eine Jahreskarte wird in dem Fall um 565 Euro billiger. uro

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