Geschichte Die Gruft wirkt wie ein Lagerraum

Unter der prachtvollen Schlosskapelle liegt die Fürstengruft. Die frühere Grablege des Hauses Württemberg ist weit weniger ausgeschmückt.
Unter der prachtvollen Schlosskapelle liegt die Fürstengruft. Die frühere Grablege des Hauses Württemberg ist weit weniger ausgeschmückt. © Foto: Staatliche Schlösser und Gärten BW
Ludwigsburg / Von Uwe Roth 12.06.2018

Auf Besuch ist die Fürstengruft nicht vorbereitet. Die Teilnehmer haben hohe Erwartungen. Mit gebührendem Respekt steigen sie die steile Kellertreppe hinunter. Die befindet sich im Ostflügel des Barockschlosses gleich neben der Sakristei der Schlosskirche. Es ist ein seltenes Privileg, den toten Adel besuchen zu dürfen. „Die Herzogsfamilie gibt keine Erlaubnis für Besuchergruppen“, erläutert Schlossführer Herbert Rommel. In der Gruft haben die Nachfahren der württembergischen Könige das Hausrecht. Alles, was darüber liegt, die gesamte Schloss- und Gartenanlage, gehört dagegen dem Land.

Nach dem Ende der Monarchie 1918 haben das Land Württemberg mit dem ehemaligen Herrscherhaus 1927 eine  Vereinbarung getroffen, berichtet  Frank Thomas Lang, Pressesprecher des Landesbetriebs Staatliche Schlösser und Gärten. Demnach behielten die Württemberger das Nutzungs- und Verfügungsrecht über Gruft und Särge. Allenfalls zu Forschungszwecken genehmige die ehemalige Herrscherfamilie den Zutritt.

Doch anlässlich der Feiern zu den 300 Jahren Ludwigsburger Stadtrecht hat das Haus Württemberg eine Ausnahme gemacht. Die Sonderschlossführung ist sein Beitrag zum Jubiläum, das der Vorfahre Eberhard Ludwig mit der Vergabe des Stadtrechts im Jahr 1718 begründet hat. Die acht Führungen waren in kürzester Zeit voll, berichtet Lang. Ob und wann es wieder eine Gelegenheit gibt, die Gruft zu besichtigen, sei völlig offen.

Im Untergrund durchquert die Gruppe einen schmucklosen Vorraum. Rechter Hand hängen die Reste der Schleifen von Trauerkränzen, erklärt der Schlossführer, ansonsten sind die Wände kahl. Links ist der Eingang zur letzten Ruhestätte der Württemberger. Durch sie drängen die Besucher. „Darauf waren wir schon seit Tagen gespannt“, sagt ein Mann, seine Frau nickt. Nun stehen beide zwischen den Sarkophagen und wissen nicht so recht, ob das Gesamtbild ihrer Erwartung entspricht. Dicht aneinandergereiht ruhen die mächtigen Särge auf Sandsteinblöcken. So ungefähr 40 Stück. Mit wenigen Ausnahmen sind sie schwarz, alle mit Staub bedeckt. Spinnen haben Netze gespannt.

Auf einigen Särgen sind Etiketten befestigt. Doch die Schrift ist verwittert. Die Ruhestatt von König Friedrich ist leicht zu entdecken: Wegen seiner Größe von über zwei Metern und Fettleibigkeit ist sein Sarkophag ein wahres Monstrum. Eine weitere Totenkiste fällt auf, weil sie ein faustgroßes Loch hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe ein französischer Soldat da reingeschossen, weil er wohl Schmuck darin vermutet habe, erläutert Rommel den Besuchern.

Die Gruft hat nichts Fürstliches. Sie ist ein gewöhnlicher Gewölbekeller, in dem weißer Putz von den Mauern blättert und ein halbrundes Fenster Tageslicht gibt. Hinter einem bröckelnden Bretterverschlag ist ein ehemaliger Treppenabgang zu erkennen. Ganz offensichtlich kümmert sie seit vielen Jahren niemand um diese Grabstätte. „Es sieht aus wie in einem Lagerraum“, meint jemand leicht enttäuscht. Alles wirke durcheinander. Selbstverständlich gebe es eine Ordnung, versichert der Schlossführer. Im vorderen Teil liegen zeitlich geordnet die evangelischen, im hinteren die katholischen Angehörigen. Der Kellerboden ist sozusagen ein Stammbaum aus Sarkophagen. Den Anfang hatte Erbprinzip Friedrich Ludwig gemacht, der 1731 mit nur 32 Jahren starb. Die letzte Adelige, die im Dezember 1930 dort ihre Ruhestätte fand, war Hermine von Schaumburg-Lippe.

Neue Grablege in Altshausen

In den Reihen der katholischen Toten gibt es eine große Lücke. Der Platz war für weitere Nachfahren der Familie reserviert. Doch deren Grablege ist inzwischen im Schloss Altshausen. Dort wurde auch der kürzlich tödlich  verunglückte Friedrich von Württemberg bestattet.

Der Zustand der Ludwigsburger Gruft lässt auf einen anderen Zeitgeist schließen: Die Trauerfeiern waren pompös. Aber sobald der Sarg durch ein Loch im Boden der Schlosskirche verschwunden war, ging das höfische Leben oben weiter. Besonders lieblos ging man mit den Überresten der Katharina von Württemberg um. Die Ehefrau von Jérôme Bonaparte, jüngster Bruder des französischen Kaisers, starb 1835 in Lausanne. Ihr Sarg wurde auf dem Postweg nach Ludwigsburg geschickt. Dort steht er noch heute wie gerade abgeliefert – mit Lederriemen befestigt auf einer Holzpallette.

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