"Diese Sparpolitik kann nicht so weitergehen. Die Jugendlichen in Griechenland brauchen eine Zukunft", sagt Stavrula Tsartartzi. Die kaufmännische Angestellte aus Esslingen war eine von zirka 200 Demonstranten, die sich am Wochenende zur Kundgebung unter dem Motto "Schluss mit dem Kaputtsparen Griechenlands - für ein solidarisches Europa" auf dem Schillerplatz einfanden. Die Veranstalter waren Attac Stuttgart, die Anstifter und die Initiative "Neue hellenische Gemeinde Stuttgart".

Dima und Efi Vasilikoula schwenkten Plakate. Sie sind in Stuttgart aufgewachsen und haben hier das griechische Abitur gemacht. "Freunde haben uns berichtet, dass viele Familien in Griechenland von der Rente der Großeltern leben. Ältere sterben an Krankheiten wie Diabetes, weil die Medikamente nicht bezahlt werden", sagt eine der beiden. Sie haben dennoch vor, in Griechenland zu studieren.

Auch der Daimler-Mitarbeiter Efstathios Kotasidis ist in Stuttgart aufgewachsen. Er half einem Freund bei der Einwanderung, organisierte den Deutsch-Kurs und unterstützte ihn bei Behördengängen. "Mir geht es gut hier", sagt er.

Doch auch für ihn ist die Rückkehr in die Heimat eine Option: "Je nachdem, was die Zukunft bringt." Den Wunsch, zurückzukehren ins Land der Hellenen, haben viele, bestätigt Anna Labrinakou, Mitarbeiterin im Forum der Kulturen. "Viele pendeln zwischen Stuttgart und ihrer griechischen Heimat", sagt sie.

13 811 Griechen leben derzeit in der Landeshauptstadt. Zählt man die zirka 3000 deutschen Staatsangehörigen mit griechischen Wurzeln hinzu, so wächst die Community auf fast 17 000 Einwohner an. Nur in Offenbach ist der Anteil der Griechen an der Stadtbevölkerung größer. Die griechische Zuwanderung nach Stuttgart begann mit dem Anwerbeabkommen im Jahr 1960. Die attraktiven Arbeitsplätze in der Region gaben den Ausschlag für die starke Zuwanderung.

Wegen der Krise ziehen seit 2010 wieder vermehrt Griechen in die Region. Die Anwältin und Übersetzerin Anna Ioannidou bekommt das hautnah mit. "Sämtliche Familienurkunden und Diplome müssen ins Deutsche übersetzt werden", sagt das sogenannte Sachkundige Mitglied im Internationalen Ausschuss des Gemeinderats. Mit ihrer Initiative zur Gründung der Neuen hellenischen Gemeinde Stuttgart möchte sie Projekte mit der Stadt und dem Welcome-Center vorantreiben. Anlaufstellen für die Griechen sind laut Ioannidou auch die beiden Griechisch-Orthodoxen Kirchen und der Verein Initiative Kalimera Deutschland.