Umbau Die Fluxus-Passage ist jetzt passé

Ein letztes Mal bummeln hieß es am Samstag.
Ein letztes Mal bummeln hieß es am Samstag. © Foto: Uwe Roth
Stuttgart / Uwe Roth 02.07.2018

Die Ladeninhaber der Fluxus-Passage (früher: Calwer-Passage) haben am Samstag Abschied gefeiert. Doch die Stimmung ist bestens. Das liegt nicht nur am Wetter und den vielen Passanten, die sich für die Alles-muss-raus-Angebote interessieren und ein letztes Mal für richtig guten Umsatz sorgen. Die jungen Händler feiern mit ihren Stammkunden, dass sie zwar viel gearbeitet haben und dennoch etwas mehr als dreieinhalb Jahre eine ziemlich gute Zeit hatten. Es geht zu wie bei einem Stadtteilfest. Musiker spielen. Fußballfans schauen auf einer Großleinwand das Spiel Frankreich gegen Argentinien.

„Ich bin absolut gerne hier gewesen und wäre auch gerne hier geblieben“, sagt Florian Kentner von der „Holzmöblerei“. Im Laden stehen kaum noch Möbel, im hinteren Teil stapeln sich Umzugskartons. Alle Händler hätten von Beginn an gewusst, dass die in die Jahre gekommene Passage, die einst zu den Wahrzeichen der Stadt gehörte, keine Dauerbleibe sein wird. „Aber es war immer gut hier.“ Im Kopf ist der junge Möbelhändler schon bei seiner nächsten Location in der Kleinen Königstraße, gegenüber dem Alten Schauspielhaus. Dort müsse einiges renoviert werden. Vor November könne er nicht wiedereröffnen.

Egal in welchem Laden man nach der Stimmung beim Abschiedsfest fragt, niemand hat schlechte Laune. Auch Patrick Fettan und Johannes Mössmer nicht. Die jungen Geschäftsleute vertrieben in der Passage Schuhe des eigenen Labels. „Die Frequenz hier war immer gut“, sagt Fettan. Jetzt ziehen sie mit ihren hippen Designerschuhen einige hundert Meter weiter in die Eberhardstraße beim Tagblattturm – wie es so einige weitere Ladennachbarn ebenfalls machen. Dort könnte so etwas wie ein Mini-Fluxus entstehen.

Timo Saier hat hingegen noch keine offizielle Folgeadresse. Saier ist Chef des Weinguts Stuttgart. Erstmal will er sich mit seinem kleinen Team aufs Weindorf konzentrieren. Zum Jahresende will er wieder in einen Laden in der Innenstadt ziehen. „Wir haben jetzt den Beweis, dass ein Laden mit Weinen aus der Region in einer solchen zentralen Lage funktioniert“, stellt Saier zufrieden fest.

Die Ferdinand Piëch Holding will die Passage nun grundlegend sanieren. Dabei muss sie sich an die Spielregeln des Denkmalschutzes halten. „Die Flächen sollen auch in Zukunft dem inhabergeführten, kleinteiligen Einzelhandel Chancen in bester Innenstadtlage bieten“, verspricht der Investor. Mit rund 20 Ladengeschäften soll sich das Areal „klar vom allgemeinen Filialistentum und vom großflächigen Einzelhandel der Einkaufszentren und der Haupteinkaufsstraßen abheben“ – so zumindest lautet das geplante Konzept.

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