Stuttgart Der Westen zieht WG-Bewohner an

Brigitte (links) und Yuliya fühlen sich wohl in ihrer WG im Heusteigviertel. Auch weil das Quartier zum Ausgehen einlädt.
Brigitte (links) und Yuliya fühlen sich wohl in ihrer WG im Heusteigviertel. Auch weil das Quartier zum Ausgehen einlädt. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / RAIMUND WEIBLE 06.09.2016
Wohngemeinschaften bevorzugen in Stuttgart Quartiere im Westen und im Heusteigviertel. Das ergab die Untersuchung eines Berliner Instituts.

Das Viertel ist gut mit der Bahn erreichbar, die Universität und die City sind nicht weit, in der Umgebung gibt es viele Lokale zum Ausgehen und das Wohnen ist nicht ganz so teuer, für Stuttgarter Verhältnisse: Das sind die Gründe, warum viele junge Leute mit schmalem Budget im Stuttgarter Westen eine Wohngemeinschaft bilden.

Der Hölderlinplatz, die Bebel- und die Bismarckstraße, die Schwab- und die Rotebühlstraße oder der Leipziger Platz sind solche Adressen, die bei den Studenten, Auszubildenden oder Berufsstartern besonders beliebt sind. Das ergab eine Untersuchung des Moses-Mendelsohn-Instituts  (MMI) in Berlin und des Immobilienportals WG-Gesucht.de. Die Wissenschaftler haben in sieben Metropolen Deutschlands die Wohnpräferenzen der jungen Bevölkerung ermittelt.

Heraus kam, dass in der baden-württembergischen Landeshauptstadt außer dem Westen bei jungen Leuten auch Viertel im Osten und im Süden begehrt sind. Im Osten ist es der Bereich um die Wagenburgstraße und die Gablenberger Hauptstraße, im Süden der Wilhelms- und der Weißenburgplatz im Heusteigviertel. Und weil dort so viele junge Erwachsene wohnen, prägen sie auch die Viertel.

MMI-Direktor Stefan Brauckmann: „Zum Teil stärkt der Zuzug ohnehin gefragte ,Szene-Standorte´. Parallel dazu können sich in der gleichen Stadt und sogar im gleichen Stadtteil auch ganz neue Zentren für die junge Bevölkerung entwickeln.“

Die Quartiere, auf die die jungen Leute „abfahren“, haben in allen Städten eine ähnliche Struktur. Sie liegen relativ zentral, nahe an ÖPNV-Knotenpunkten, das Wohnumfeld ist urban geprägt. Neben gut erreichbaren Nahversorgungs-, Freizeit- und Kulturangeboten wird auch auf viel Gastronomie im Umfeld Wert gelegt. Brauckmann: Junge Leute wollen nach dem Ende des Arbeitstags direkt ihre freie Zeit selbst gestalten. Zeit- und Organisationsaufwand sowie lange Anfahrtswege sollen vermieden werden.“

Als Geheimtipp gelten laut Brauckmann „WG-Lagen“ in Stadträumen, die nach üblichen Kriterien bisher noch nicht als besonders attraktiv gelten – und es dann werden.