Medien Stadtgeschichte ohne Grenzen

Jürgern Lotterer und Katharina Beiergrößlein zeigen, wie sich alte Stadtpläne im digitalen Lexikon finden lassen.
Jürgern Lotterer und Katharina Beiergrößlein zeigen, wie sich alte Stadtpläne im digitalen Lexikon finden lassen. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Von Daniel Grupp 26.06.2018

Die historischen Karten sind der Clou. Man kann sie wie Schichten aufeinander legen und vergleichen. Zu finden sind diese Perlen der Stadtgeschichte im digitalen Stadtlexikon, das seit 20. April online ist. 144 Artikel informieren derzeit über Personen, Plätze, Gebäude und Ereignisse in der Geschichte der Landeshauptstadt. Das sei aber erst der Anfang, erklärt Jürgen Lotterer vom Stadtarchiv Stuttgart. Neue Artikel werden den Umfang erweitern. Im Gegensatz zu gedruckten Lexika sind in der digitalen Welt keine offensichtlichen Grenzen zu erkennen: „Das Medium ist auf Wachstum ausgelegt“, sagt Lotterer. Neue Erkenntnisse würden eingearbeitet.

Lotterer hat sich zusammen mit Katharina Ernst, stellvertretende Leiterin des Archivs um das vor zwei Jahren gestartete Projekt gekümmert. Er konzentrierte sich mehr auf die inhaltliche, sie etwas mehr auf die technische Seite. Partner des Archivs ist das städtische Vermessungsamt. Während das Archiv und dessen Mitarbeiter die Artikel sowie Bilder, Zeichnungen, Urkunden und Fotos zu den Themen zusammenstellten, kommen vom Vermessungsamt Pläne und Geodaten für die interaktive Karte. Das ist ganz entscheidend. Denn das Stadtlexikon basiert auf dem Stadtplan der Landeshauptstadt. Während sich gedruckte Lexika am Alphabet ausrichten, ist in Stuttgart die geografische Orientierung entscheidend.  „Der Stadtplan ist das Ordnungsprinzip“, sagt Ernst und führt am Laptop die verschiedenen technischen Möglichkeiten des Programms vor.

Aus Sicht von Lotterer und Ernst hat die Landeshauptstadt, die bisher nicht einmal ein gedrucktes Werk dieser Art hatte, jetzt womöglich das modernste Stadtlexikon weltweit. „Wir kennen nichts Vergleichbares“, betonen beide.  Zwar stünden auch andere Stadtlexika online zur Verfügung, aber das  seien in der Regel Bücher, die digitalisiert wurden. Das Stuttgarter Werk arbeitet hingegen mit verschiedenen Ebenen und Schichten.

Das wird an den rund 40 historischen Karten deutlich. Die älteste zeigt das Rittergut Mühlhausen und stammt aus dem Jahr 1728. Obgleich der Plan nicht nach modernem Standard erstellt wurde, weist sie eine erstaunliche Qualität auf.  Das lässt sich gut im Vergleich mit dem aktuellen Stadtplan feststellen, der die unterste Ebene bildet.

Wer prüfen möchte, wie sich Feuerbach seit 1915 verändert hat, legt die alte Karte auf die aktuelle. Der Transparenzschieber zeigt mal den alten, mal den neuen Plan. Ein Vergleich der Karten von 1841 und 1860 zeigt, wie der Bau des alten Bahnhofs an der heutigen Bolzstraße das Stadtbild veränderte. Gut lasse sich auf diese Weise verfolgen, wie sich neue Anforderungen an Verkehrswege aufs Stadtbild auswirkten, erläutert Lotterer.

Wer sich mehr für Personen und deren Wirken interessiert, wird ebenfalls fündig. Katharina Ernst gibt in den Rechner Wilhelm Hauff ein und klickt auf den Artikel über den Schriftsteller. Sofort tauchen gelbe Punkte auf dem Stadtplan auf. Das sind alles Orte, die mit dem Dichter in Verbindung stehen.

Ein Artikel hat bis zu 10 000 Zeichen. Am Beginn steht eine Zusammenfassung, am Ende folgen Autor, Quellen und weiterführende Literatur. „Es ist ein wissenschaftliches Werk. Es ist zitierbar“, stellt Ernst fest. Die Autoren wurden nach Kennerschaft ausgewählt. An diesem Tag ist zufällig Helmut Doka im Archiv. Der Historiker und frühere SPD-Stadtrat hat fürs Lexikon über den Degerlocher Wasserturm geschrieben.  Die Autoren erhalten laut Lotterer allenfalls eine Aufwandsentschädigung.

Der Aufwand, das frei zugängliche Lexikon zu erstellen, habe sich in Zeiten von Fake-News auf jeden Fall gelohnt, findet Ernst: „Authentische und geprüfte Informationen zu liefern, halte ich heute für wichtiger denn je.“

Bilder dürfen frei verwendet werden

Das digitale Stadtlexikon kann unter www.stadtlexikon-stuttgart.de  aufgerufen werden. Die verwendeten Artikel können zitiert werden. Bilder, Stiche und Illustrationen dürfen die Nutzer unter der Angabe der Quelle „Stadtlexikon Stuttgart“ frei verwenden, wenn die Rechte beim Archiv liegen.

Zur Erstellung des Lexikons stand ein Budget von 76 000 Euro zur Verfügung. Freie Mitarbeiter werden über den normalen Etat des Archivs finanziert. Die Beschäftigten des Archivs wirken im Rahmen ihrer Arbeit mit. dgr

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