Straßenbau Der Lärmschutz als Knackpunkt

Die A 81 schlängelt sich zwischen Sindelfingen (links) und Böblingen hindurch. Sie wird auf sechs Spuren verbreitert.
Die A 81 schlängelt sich zwischen Sindelfingen (links) und Böblingen hindurch. Sie wird auf sechs Spuren verbreitert. © Foto: Manfred Grohe
Böblingen / Raimund Weible 21.07.2017

Kühl war es am Donnerstag im Württemberg-Saal der Kongresshalle Böblingen. Die Klimaanlage fächelte kalte Luft in die Sitzreihen, mancher schob den Kragen hoch, um einen steifen Hals zu vermeiden. Die Vorträge und die Diskussion plätscherten so vor sich hin. Es schien, als ob unter diesen Verhältnissen niemand die Betriebstemperatur erreichen könnte. Erst als der Tagesordnungspunkt Lärm aufgerufen wurde, liefen einige Anwesende warm, kam Leidenschaft auf.

So waren nicht die Luftschadstoffe wie in Stuttgart, sondern der Lärmschutz das heiße Thema beim gestrigen Erörterungstermin zum geplanten sechsspurigen Ausbau der A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen. Viel ist bereits durchgesetzt und Grundlage des vom Regierungspräsidium (RP) Stuttgart geführten Planfeststellungsverfahrens für eines der aufwändigsten Straßenbauprojekte in der Region: Bis zu zwölf Meter hohe Lärmschutzwände und vor allem ein 850 Meter langer Tunnel, der den Verkehr in den Untergrund verlagert.

Wink mit dem Zaunpfahl

Der Bürgerinitiative „Leise A 81“ reicht das nicht. Sie verlangt den Flüsterasphalt OPA 0/11, der um zwei Dezibel weniger Lärm verursacht als der Belag „SMA LA“. Die Verwendung von „OPA“ erlaubt aber der Bund als Bauherr nicht. Der Belag ist teurer und besitzt einige schlechte Eigenschaften. „Das Hauptproblem ist die fehlende Standfestigkeit“, erläuterte Jürgen Holzwarth, Abteilungsdirektor Straßenbau im RP. Schon nach fünf, sechs Jahren müsse „OPA“ erneuert werden. Holzwarth: „Deswegen versuchen wir alles, diesen Belag zu vermeiden.“

Überzeugen konnte er damit die Mitglieder der Bürgerinitiative nicht. Die Straße gehe mitten durch Böblingen und Sindelfingen, „das ist eine Stadtautobahn“, dafür müsse man außergewöhnliche Lösungen finden, verlangte eine aufgebrachte Frau.

Dass die Initiative Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss einreichen würde, eine solche Erklärung gab es am Donnerstag nicht. Thorsten Breitfeld, einer der BI-Aktivisten, winkte jedoch mit dem Zaunpfahl. Ohne „OPA“-Asphalt sei die Rechtssicherheit der Planung gefährdet, lautet seine Überzeugung.

Um die gesetzlichen Vorschriften des Lärmschutzes ohne „OPA“ und noch höheren Lärmschutzwänden zu erreichen, sollen nach den Plänen des RP 175 Wohneinheiten Lärmschutzfenster erhalten. Das kommt den Bund insgesamt billiger. Holzwarth machte deutlich, dass bei den Kosten die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden müsse.

Martin Reichert vom Ingenieurbüro Modus Consult, das den Lärmschutz organisierte, bat die Bürgerinitiativler, nicht außer acht zu lassen, das die jetzige Planung eine Halbierung des gegenwärtigen Lärms nach sich ziehe. Und zu der Befürchtung, der Wert der Häuser an der Autobahn werde gemindert, meinte Holzwarth, genau das Gegenteil sei der Fall.

Nach der Auslegung der Pläne gingen beim RP 30 Einwendungen von privater Seite ein. Die meisten davon galten der Luftverschmutzung, berichtete Oberregierungsrätin Caroline Schempp vom RP-Planfeststellungs-Referat. Thorsten Stock vom Ingenieurbüro Siebenplan sagte, eine Überschreitung der Grenzwerte beim Feinstaub und den Stickoxiden sei in der Nachbarschaft der Autobahn nach dem Ausbau ausgeschlossen.

Vier bis fünf Jahre Bauzeit

Während des Tunnelbaus führt das RP vier Fahrspuren auf Sindelfinger Seite um die Baustelle herum. Deswegen rechnet Holzwarths Vize Hans-Dieter Hein mit keinen größeren Beeinträchtigungen während des Baus. Das RP rechnet mit vier bis fünf Jahren Bauzeit. Frühestens 2020 geht es los.

Infokasten
Kommunen setzen Deckel durch

Die vierspurige Straße zwischen Böblingen und Sindelfingen besteht bereits seit 1972. 1973 wurde die damalige B 14 zur A 831, der späteren A 81, aufgestuft. Pläne für den Ausbau auf sechs Spuren gibt es schon seit 1985. Die stauanfällige Strecke passieren täglich bis zu 137 000 Fahrzeuge.

Die beiden Städte verlangten außerdem eine Überdeckelung. Seine Zusage gab der Bund 2009 nur unter der Bedingung, dass das Land, der Landkreis und die beiden Städte die Hälfte der Kosten übernehmen. Insgesamt kostet der Ausbau des  7,1 Kilometer langen Abschnitts zwischen Sindelfingen-Ost und Böblingen-Hulb  226 Millionen Euro. web