Über den Verkauf des alten IHK-Gebäudes am Rande der Stuttgarter Innenstadt haben die Kammer und die Deutsche Bahn monatelang gerungen: Für 7,2 Millionen Euro wurde die Deutsche Bahn schließlich Eigentümerin, um den Bau abreißen zu können.

Der Altbau in der Jägerstraße aus dem Jahr 1956 steht nämlich dem Großprojekt Stuttgart 21 im Wege - genauer gesagt einem Tunnelbauwerk. Zwar hätte man die Röhren unter dem sieben Stockwerke umfassenden Bau verlegen können.

Doch das lohnt sich nicht, weil die Sicherungsarbeiten zu aufwendig gewesen wären: Zwischen der Tunneldecke und dem Kellerboden hätte der Abstand gerade einmal riskante zwei Meter betragen. Nun rückte vor ein paar Tagen ein riesiger Abrissbagger an: 140 Tonnen schwer und mit einer Auslegerreichweite von 40 Metern Höhe. Voraussichtlich im Mai soll dann die rund 50 Meter breite und am dahinter liegenden Weinberg etwa 20 Meter hohe Baugrube fertiggestellt sein. Von dort aus wird das Verzweigungsbauwerk für die Fernbahntunnel nach Bad-Cannstatt und Feuerbach hergestellt.

Die eigentliche Arbeit an den Tunnelröhren wird aber durch Zugangsstollen vom Nordbahnhof und dem Pragtunnel aus gemacht. In Zukunft sollen hier vier Gleise unter der Erde liegen. Und wenn Stuttgart 21, der Umbau des oberirdischen Kopfbahnhofs in eine unterirdische Durchgangsstation, einmal in Betrieb ist, kann das Grundstück wieder bebaut werden. Die IHK Region ist im vergangenen Jahr in einen Neubau nur wenige Meter entfernt vom alten Gebäude gezogen.

Schweres Gerät ist auch wenige 100 Meter weiter zwischen Lautenschlager- und Friedrichstraße im Einsatz. Dort wird das Filmhaus abgerissen, dessen Ende schon 2013 beschlossen worden ist. In dem Gebäude war bis Anfang 2014 auch der Club Rocker 33 untergebracht. Er musste nach dem Auszug aufgeben. Und die Mieter des Filmhauses, vor allem Existenzgründer aus der Kreativwirtschaft, mussten sich eine neue Bleibe suchen.

Seit Mitte Februar wird das Filmhaus dem Erdboden gleich gemacht. Auf dem Gelände will die LBBW Immobilien GmbH ein Büro- und Wohnquartier errichten, wie eine Sprecherin berichtete. Die Höhe der Investitionen wollte sie nicht nennen. Neben den Neubauten werden auch denkmalgeschützte Gebäude saniert. Das neue Stadtquartier soll bis Anfang 2017 fertig sein. Im Erdgeschoss entstehen Einzelhandelsflächen, in den Obergeschossen Büroflächen und Wohnungen.