Sommerserie Wilhelma Der Herr der Farne

Mit prächtigen Blüten kann Zierpflanzengärtner Oliver Frank nicht protzen, dennoch versucht er, seine Farne so ansprechend wie möglich zu präsentieren.
Mit prächtigen Blüten kann Zierpflanzengärtner Oliver Frank nicht protzen, dennoch versucht er, seine Farne so ansprechend wie möglich zu präsentieren. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Tilman Baur 15.08.2018

Nicht jeder kann von sich behaupten, in der ehemaligen Sommerresidenz König Wilhelms I. zu arbeiten. Oliver Frank kann es. Der 36-Jährige ist seit elf Jahren als Zierpflanzengärtner bei der Wilhelma angestellt. Seit sechs Jahren ist er für die Farne zuständig. Die sind im Maurischen Landhaus untergebracht, das einst als Residenz und Gewächshaus angelegt wurde.

30 Gärtner in sechs Gruppen beschäftigten sich im Stuttgarter Zoo mit Zierpflanzen. Alle sind spezialisiert. Fachwissen ist entscheidend. Denn viele Arten, die Besucher hier zu sehen bekommen, gibt es nur in den Tropen, nicht im Handel. „Wer Orchideen macht, hat mit Kakteen nichts am Hut“, erklärt Oliver Frank. In seiner Gruppe kümmern sich die Gärtner um Bromelien, Gesnerien, Tillandsien, saisonale Topf- und Beetpflanzen und Farne.

Gewächse aus freier Wildbahn

150 Farnarten stehen im Landhaus. Züchtungen sind nicht darunter – alle ausgestellten Arten gibt es in der freien Wildbahn. Die sogenannten Aufsitzerpflanzen wachsen im Unterholz der Regenwälder und brauchen eine Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit. Prächtige Blüten sucht man vergeblich, was es zur Herausforderung macht, die Räume ansprechend zu gestalten.

„Wir versuchen deshalb, eine interessante Mischung aus Blattformen und Blattfarben auszustellen“, sagt Oliver Frank. Einen optischen Reiz sollten die Farne haben. Natürlich müssen sie auch verfügbar sein. Das ist keine Selbstverständlichkeit, eben weil es im Handel nur wenige gibt. „Wir stehen im Austausch mit Botanischen Gärten auf der ganzen Welt und können uns Saatgut bestimmter Pflanzen schicken lassen.“

Oliver Franks Arbeitstag beginnt um sieben Uhr. „Morgens laufen die Hauptarbeiten, weil noch wenige Besucher da sind“, sagt der Esslinger, der insgesamt 220 Arten betreut. Beim täglichen Rundgang achtet er auf braune, abgestorbene Teile und schneidet sie ab. Er „stellt frei“, das heißt, er schneidet die Pflanzen so zu, dass sie nicht ineinander wachsen. Er jätet Unkraut, räumt den Müll weg, den Besucher am Vortag hinterlassen haben. Nicht zuletzt gießt er die Farne. Dabei ist Artenkenntnis gefragt. „Ein Baumfarn braucht täglich zehn bis 20 Liter Wasser, kleinere Farne muss man nur alle drei Tage gießen“, so Oliver Frank.

Den größten Teil des Arbeitstags verbringt der Gärtner hinter den Kulissen der Wilhelma, in den Gewächshäusern, die im Betriebshof stehen. Das Gros der Pflanzen befindet sich hier, nicht auf der für Besucher zugänglichen Ausstellungsfläche. 1600 Arten wasserspeichernder Pflanzen, darunter Kakteen, breiten sich über mehrere Tische aus, fleischfressende Kannenpflanzen hängen bedrohlich in Kopfhöhe. In einer Ecke steht die legendäre Titanwurz. Vor wenigen Wochen hat sie für einige Stunden prächtig geblüht, jetzt bietet sie einen jämmerlich schlappen Anblick.

Neben der sogenannten Anzucht stehen hinter den Kulissen Pflanzen, die im Regenwald vom Aussterben bedroht sind und deshalb in Botanischen Gärten konserviert werden. Den größten Teil aber machen Pflanzen aus, die noch nicht oder nicht mehr blühen.

„Bei den Orchideen haben wir zum Beispiel vier Anzuchtsgewächshäuser, aber nur fünf Quadratmeter Ausstellungsfläche“, erklärt Oliver Frank. Manche Orchideen blühen nur wenige Tage – dann kommen sie in die Ausstellung, damit die Besucher sie bewundern können.

Zierpflanzengärtner sind auch an der Gestaltung von Tiergehegen beteiligt. „Zuletzt habe ich im Amazonashaus das Gehege der Anacondas mitgestaltet“, erzählt der 36-Jährige. Mithilfe von Farnen und Bromelien imitierte er die südamerikanischen Tropen, das natürliche Habitat der Schlangen.

Im kommenden Jahr wird Frank sein Farnreich für einige Zeit verlassen, um bei der Bundesgartenschau in Heilbronn mitzuwirken. Zusammen mit einigen anderen Wilhelma-Gärtnern zeigt er dort sein Können. „Es gibt dort eine Australien-Landschaft, auf der Eukalyptus gezeigt wird.“

In der Wilhelma hat Oliver Frank für sich eine Art Traumjob gefunden. „Man bewegt sich viel, sieht Tiere, hat jeden Tag die tolle Atmosphäre im Park, die Pfaue rufen jeden Morgen, und man bekommt viele positive Rückmeldungen von den Besuchern“, so der Fachmann, der an der Uni Hohenheim studiert und einen Meisterbrief als Zierpflanzengärtner gemacht hat. Vor allem sagt ihm zu, Pflanzen über einen längeren Zeitraum in ihrer Entwicklung beobachten zu können, gleichzeitig aber darin einzugreifen und gestalten zu können. „Mir war schon mit 14 oder 15 Jahren klar, dass ich das mal machen will.“

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Gärtner in sechs Gruppen beschäftigten sich im Stuttgarter Zoo mit Zierpflanzen. Alle sind spezialisiert. Fachwissen ist entscheidend, denn die Pflanzen gibt’s nicht im Handel.

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