27 junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren leben seit Anfang Februar in Baracken in einem Gewerbegebiet in Deizisau (Landkreis Esslingen). Die Kreisverwaltung hat die überwiegend aus Nordafrika kommenden Männer aus verschiedenen Flüchtlingsunterkünften eingesammelt, weil sie dort regelmäßig als Störenfriede auffielen, und in eine Entlastungsunterkunft gebracht. Das ist die offizielle Bezeichnung für die in die Jahre gekommenen eingeschossigen Behelfshäuser an der Sirnauer Straße.

Kaum bezogen, werden diese demnächst aber abgerissen, um Platz für neue Unterkünfte zu gewinnen. Landratsamtssprecher Peter Keck erläutert, warum die Entlastungsunterkunft umziehen muss: Die Gemeinde Deizisau habe ihre Quote zur Aufnahme von Flüchtlingen lange nicht erfüllt. Das derzeit von den 27 auffälligen Flüchtlingen belegte Areal biete Platz für Neubauten, in denen insgesamt 130 Menschen unterkommen könnten.

„Der Landkreis hat ein akutes Unterbringungsproblem“, sagt Keck. Esslingen sei einer der bundesweit am dichtesten besiedelten Kreise, und jeder zweite Quadratmeter Grünfläche stehe unter Naturschutz. Es sei deshalb schwierig, Flächen für zusätzliche Flüchtlingsunterkünfte zu finden. Von August an müssten aber 350 Flüchtlinge im Monat aufgenommen werden. Deswegen könne der Kreis auf das Potenzial in Deizisau nicht verzichten.

Die Barackenunterkunft für Problemflüchtlinge war von Anfang an ein Provisorium. Schon im Herbst hatten sich Gemeinde und Landkreis darauf verständigt, dass auf diesem Gelände Neubauten für Flüchtlinge entstehen sollen. Zwischenzeitlich ist das Baugesuch der Kreisverwaltung bei der Stadt eingereicht und vom Technischen Ausschuss bereits genehmigt worden. Den Bauarbeiten steht nichts mehr im Weg.

Wo die auffälligen Flüchtlinge unterkommen sollen, ist aber noch völlig offen. „Wir haben ja noch ein paar Wochen Zeit, einen neuen Standort zu finden“, sagt Peter Keck. An der Lösung, im Landkreis auffällig gewordene Flüchtlinge zentral unterzubringen, will man grundsätzlich festhalten. Sie von den normalen Sammelunterkünften fernzuhalten, habe sich bewährt, heißt es bei Verwaltung und Polizei. Dadurch sei mehr Ruhe in den Gemeinschaftsunterkünften eingekehrt.

Langeweile, Aggressionen und zu viel Alkohol, gepaart mit der Aussicht, irgendwann ausgewiesen zu werden, sind die Hauptprobleme der jungen Männer, die noch in den Baracken leben. Ein Wachmann vor dem Eingang sorgt für Ruhe und ruft die Polizei, wenn sich die Bewohner zoffen. Obwohl die Männer im Ort bisher nicht unangenehm auffielen, scheint das Verhältnis zu den Bürgern von Deizisau nicht besonders gut zu sein. Ein hoher Bretterzaun war um die Baracken herum errichtet worden – „zum Schutz der Unterkunft“, so das Landratsamt.

Beim Einzug der Flüchtlinge hatte es noch die freie Zugänglichkeit des Geländes betont. Dann jedoch habe es „Unzufriedenheiten auf mehreren Seiten“ gegeben, so Sprecher Keck. In der Zwischenzeit ist der Zaun wieder entfernt worden. Auch Bürgermeister Thomas Matrohs hatte sich dafür eingesetzt. „Aus meiner Sicht war der Bau des Zaunes überhaupt nicht notwendig“, sagt er.

Matrohs hat sich von Anfang an für die Entlastungsunterkunft eingesetzt, bei den Bürgern um Verständnis geworben und sogar individuelle Bürgersprechstunden angeboten. Mittlerweile zieht er eine nüchterne Bilanz: Neben einem Sicherheitskonzept „wäre auch ein erweitertes Betreuungskonzept gut“, übt er Kritik an der Kreisverwaltung.

Asylbewerber im Stuttgarter Reitstadion

Auffällige Flüchtlinge Oft sind es junge Männer aus Nordafrika, die in Sammelunterkünften auffällig werden. Da sie jedoch meist keine relevanten Straftaten begehen, kommen sie nicht in U-Haft.

Unterkunft Neben der Gemeinde Deizisau hat auch das Land in der Zeltstadt im Stuttgarter Reitstadion eine Entlastungsunterkunft eingerichtet.

Untergetaucht 75 Flüchtlinge waren anfangs darin gut überwacht untergebracht. Mittlerweile ist die Hälfte verschwunden. Vor allem diejenigen, deren Asylanträge abgelehnt wurden, haben sich wohl ins Ausland abgesetzt.

Provisorium Die Unterkunft im Reitstadion läuft Ende Juni aus, hat das Land mitgeteilt. uro

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