Feiern Das Zwiebelfest ist Geschichte

Unter die Festbesucher mischen sich auch Politiker. Vor drei Jahren wurde Guido Wolf (CDU) in Zwiebeln aufgewogen.
Unter die Festbesucher mischen sich auch Politiker. Vor drei Jahren wurde Guido Wolf (CDU) in Zwiebeln aufgewogen. © Foto: Horst Rudel, Imago
Von Uwe Roth 14.01.2019

Das zuletzt von sieben Gastronomen organisierte Esslinger Zwiebelfest ist Vergangenheit. 32 Jahre haben Wirte den Marktplatz im August für zehn Tage in eine florierende Freiluftgastronomie verwandelt. Von 2021 an wird die Stadt versuchen, in Eigenregie eine ähnliche Veranstaltung auszurichten. Der Name Zwiebelfest und die von den Wirten dafür gegründete GmbH werden allerdings Geschichte sein.

Mit neuem Namen und Konzept möchte die Esslinger Stadtmarketing und Tourismusgesellschaft (EST) ein Kapitel schließen, das nicht nur von Kulinarik und sommerlicher Feierlaune geprägt war. Bei Wirten, die nicht zum exklusiven Kreis der Zwiebelfest-Organisatoren gehörten, sich aber gerne beteiligt hätten, sei der Unmut stetig gewachsen, berichtet EST-Chef Michael Metzler. Denn dort kochen und Getränke ausschenken zu dürfen, war nicht bloß eine zusätzliche Einnahmequelle für Wirte. Bei bis zu 100 000 Besuchern aus der Stadt und der Region sowie einer breiten Berichterstattung war das Zwiebelfest zudem eine Werbeplattform fürs eigene Restaurant.

Mit der Exklusivität soll es vorbei sein. Künftig wird nicht mehr die Zwiebelfest GmbH bestimmen, wer sich an der Veranstaltung beteiligen darf. „Die Stadt wird die Flächen für die Lauben 2020 erstmals öffentlich ausschreiben“, kündigt Metzler an. Es werde ein ähnliches Verfahren wie beim Weihnachtsmarkt geben. Die Bewerber um einen Standplatz müssten Kriterien erfüllen. Ein neutrales Punktesystem und nicht gute Beziehungen zum Veranstalter sollen die Grundlage der Bewertung interessierter Wirte sein.

Metzler erläutert: „In den vergangenen Jahren haben sich bei der Stadt Wirte gemeldet, die zeitgleich zum Zwiebelfest auf dem Marktplatz ebenfalls einen Stand aufstellen wollten.“ Rechtlich könne die Stadt wenig gegen solche Anträge einwenden. Der Marktplatz sei ein öffentlicher Raum, auf den niemand ein ausschließliches Zugriffsrecht habe, betont der EST-Chef. Die Neuorganisation hat für ihn daher in erster Linie wettbewerbsrechtliche Gründe. Die bisherigen Wirte könnten sich bewerben.

Davon ist bei Frank Jehle derzeit nicht auszugehen. Er ist Wirt des Restaurants Palmscher Bau in der Altstadt und der Geschäftsführer der Esslinger Zwiebelfest GmbH. Obwohl sich das Ende bereits seit Oktober abzeichnet, als der Gemeinderat mit großer Mehrheit und über Fraktionsgrenzen hinweg eine Neuausrichtung beschlossen hat, ist der Ärger darüber bei ihm immer noch frisch. „Die Stadt hat die GmbH kaputt gemacht“, behauptet er.

Die EST benötigt zwei Jahre zur Vorbereitung der Nachfolgeveranstaltung. 2019 und 2020 hätten die Organisatoren wie bisher weitermachen können. Jehle und sein Mitstreiter Gerd Trautwein, dessen Vater das Zwiebelfest einst mit geschaffen hat, lehnten empört ab. Sie seien keine Lückenbüßer. Für die Gastronomen ist das Zwiebelfest nicht nur gestorben. „Es ist schon beerdigt“, bekräftigt Jehle. Aus seiner Sicht haben Stadt und Gemeinderat ein gut funktionierendes Veranstaltungskonzept unter die Erde gebracht, die Esslingen einiges Prestige eingebracht habe.

Zudem seien dem städtischen Haushalt keine Kosten entstanden. „Wir fühlen uns von der Stadt falsch behandelt“, fasst er die Stimmung zusammen. Den Konflikt mit Wirten, die sich benachteiligt fühlen, wehrt er ab: „Neider hat es immer gegeben.“

Das Aus für das Fest hat in sozialen Medien einige Reaktion freigesetzt. Doch die Kommentare waren größtenteils nicht so, wie es sich Jehle und seine Kollegen gewünscht hätten. „Also mal ehrlich. Bis auf ein paar geschmelzte Maultaschen konnte ich meinem Kind gar nichts anbieten. Zu teuer und zu wenig günstige Angebote“, schreibt jemand auf Facebook. Eine Besucherin postet: „Den Wirten ging es doch nicht um das Fest im eigentlichen Sinne. Einzige Intension eine 0-8-15-Küche zu horrenden Preisen.“

Ein Zwiebelfest-Wirt möchte in der Übergangszeit allein weitermachen. Der Wirt des Roten Hirsch in der Alten Zimmerei, Christian List, hat im Dezember im Rathaus einen Antrag eingereicht, bestätigt Metzler. List sei überzeugt, ausreichend Gastronomen gewinnen zu können, die ebenfalls mitmachen. Aus formalen Gründen könne eine Entscheidung erst Ende März bekanntgegeben werden.

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Eine Sage aus dem Mittelalter 

Der Name Zwiebelfest beruht auf einer Sage, nach der im Mittelalter eine Esslinger Marktfrau den Teufel aus der Stadt vertrieben hat. Er hatte nach einem Apfel verlangt. Die Marktfrau erkannte ihn am Pferdefuß trotz seiner Verkleidung. Sie gab ihm anstatt des Apfels eine Zwiebel.

Der Teufel biss in die Knolle und schrie: „Das sollen eure Äpfel sein? Spott über euch Esslinger! Zwiebel sind es, scharfe Zwiebel. Deshalb sollt ihr künftig nicht mehr Esslinger heißen, sondern Zwiebeln.“ So kamen die Bewohner zu ihrem Necknamen „Zwiebeln“ oder „Zwieblinger“. uro

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