Stuttgart Das umweltfreundliche Kondom

Beim Forschen: Waldemar Zeiler und Philip Siefer.
Beim Forschen: Waldemar Zeiler und Philip Siefer. © Foto: "einhorn condoms"
Stuttgart / MONIKA ETSPÜLER 30.01.2016
Waldemar Zeiler und Philip Siefer wollen umweltfreundliche Kondome vertreiben. Bei Experten der Uni Hohenheim rannten sie offene Türe ein.

Kondome umweltfreundlich produziert - so lautet die Geschäftsidee von Waldemar Zeiler und Philip Siefer. Wie das gehen kann, wollen die Gründer des Berliner Start-up-Unternehmens "einhorn condoms" nun von den Schwaben lernen: An der Universität Hohenheim tummeln sich Deutschlands Kautschuk-Experten. Und die sollen den Männern nahebringen, wie ökologischer Anbau von Naturkautschuk funktioniert. Ein offizieller Kooperationsvertrag wurde geschlossen.

Die beiden Jungunternehmer finden, dass es an der Zeit ist, Kondome, die ihr Dasein oft im hintersten Ladenregal zwischen Windeln und Damenbinden fristen, aus der Schmuddelecke herauszuholen. Die laut Zeiler miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen von Kautschukbauern und Arbeitern in asiatischen Ländern sollen zudem gleich mitverbessert werden.

Die Nachfrage nach Latex, dem Milchsaft der Pflanze, aus dem Gummi hergestellt wird, ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Der Kautschukanbau in den asiatischen Ländern wurde deshalb ausgeweitet. Es entstanden großflächige Monokulturen, deren Ertrag mithilfe von Pflanzenschutz- und Düngemittel noch weiter in die Höhe getrieben wurde.

Die Folgen dieser Bewirtschaftung untersuchen die Hohenheimer Forscher seit 2012 im Rahmen eines deutsch-chinesischen Projektes im Südwesten Chinas. Das Ergebnis ist der Universität zufolge erschreckend: Die Artenvielfalt verringerte sich in kurzer Zeit. Der Einsatz von Pestiziden erhöhte den Erosionsprozess, Bäche verschlammten, Böden vertrockneten und Pflanzenkrankheiten breiteten sich aus.

Zeiler und Siefer starteten ein Pilotprojekt in Malaysia, das von der Uni unterstützt wird: Ein Farmer willigte ein, den Zustand seiner Plantage unter ökologischen Gesichtspunkten untersuchen zu lassen und Demonstrationsflächen für alternative Anbaumethoden zur Verfügung zu stellen. "Die Vegetation hat schon stark unter dem hohen Eintrag an Pflanzenschutzmitteln gelitten", so das erste Urteil von Gerhard Langenberger, einem Experten für Agrarökologie der Tropen und Subtropen der Uni Hohenheim. Nun will der Wissenschaftler dort mit einer Umweltanalyse starten, aus der sich standortspezifische Verbesserungsvorschläge ableiten lassen.

Vom Ansatz des Berliner Start-ups ist Langenberger überzeugt, wie er sagt. 500.000 Präservative haben die Berliner im vergangenen Jahr bereits verkauft. Nur ihren Anspruch von Fairness und Nachhaltigkeit erfüllen die Männer erst zu zehn Prozent. Doch in fünf Jahren wollen sie bei 80 Prozent angelangt sein.

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