Urlaub in der Region Stuttgart Das kleine Abenteuer für zwischendurch

Schlafen in Bäumen.
Schlafen in Bäumen. © Foto: Abenteuerreich
Stuttgart / Caroline Holowiecki 19.07.2018

Wer bei Martina Theurer übernachtet, sollte nicht zimperlich sein. Die Morgendusche ist eiskalt, ab und zu schaut ein Esel durchs Fenster, und wer einen leichten Schlaf hat, für den könnte die Nachtruhe um 4 Uhr durch den Hahn jäh beendet werden. Im Heuhotel Murrquelle geht’s ursprünglich zu. Auf dem landwirtschaftlichen Anwesen im Rems-Murr-Kreis übernachten die Gäste in Schlafsäcken im Heu. Ab etwa 20 Euro pro Person gibt’s ein Plätzchen im Vier-Mann-Schlafraum oder in der 30-Personen-Tenne – Frühstück inklusive.

Vor zehn Jahren hat sich die Altenpflegerin (52) mit ihrem Mann den Traum vom Bauernleben erfüllt, neben dem Heuhotel betreibt sie ein Ausflugslokal und einen Gnadenhof. Etwa 100 Tiere – Schweine, Schafe, Kaninchen, Hühner und mehr – tummeln sich auf dem Gelände.

Gebucht wird das Vergnügen im Heu in erster Linie von Städtern, die einmal Landluft schnuppern wollen, stellt Martina Theurer klar. Vor allem bei Kindern – ob Geburtstagsgruppe oder Schulklasse – komme das gut an, „aber manche sind sehr aufgeregt“. Das liege daran, dass viele den Umgang mit Tieren oder das Feuermachen nicht mehr gewohnt seien. Die meisten Gäste aber, sagt Martina Theurer, kämen am nächsten Morgen glücklich aus dem Heu. Wenngleich sie bekennt: Ausgelastet ist ihr Hotel nicht. Sie mache kaum Werbung – das Geld brauche sie für die Versorgung der Tiere.

In einer anderen Liga spielt Tripsdrill. Mit 750 000 Besuchern 2017 ist der Freizeitpark im Kreis Heilbronn eine Top-Attraktion. Urig übernachten kann man in 20 Schäferwagen oder in 28 Baumhäusern. Das Angebot wird laut Sprecher Achim Wachter stetig ausgebaut, und „aufgrund wachsender Nachfrage nehmen die Übernachtungsangebote bei der Vermarktung einen hohen Stellenwert ein“. Die aktuell 222 Landleben-Betten werden bestens gebucht, von Familien, Paaren und vereinzelt auch Gruppen aus dem In- sowie dem nahen Ausland. Die Auslastung habe im Sommer 2017 bei 89 Prozent gelegen, und das, obwohl die Übernachtung im günstigen Schäferwagen bei 89 Euro für zwei Personen pro Nacht losgeht. Dafür kriegt man aber auch etwas. Die Baumhäuser etwa sind mit Fußbodenheizung, Flachbildschirmen und Wlan ausgestattet.

So viel Luxus gibt’s bei Jan Reich keinesfalls. Er bietet mit seiner Winterbacher Firma Abenteuerreich Erlebnistouren an, seit etwa zwei Jahren zudem Übernachtungen im Zwei- oder Drei-Mann-Baumzelt. Bis zu 18 Personen können sich so schwebend betten. Zuvor müssen sie aber hinlangen. Zum Konzept gehört das selbstständige Aufbauen, außerdem das Feuermachen. Ein Guide hilft. Jan Reich verspricht dafür ein Erlebnis für echte Naturburschen. „Fledermäuse oder Glühwürmchen können je nach Jahreszeit beobachtet werden, und wer Interesse an Bienen hat, kann mit dem Guide einen Blick in ein Bienenvolk hineinwerfen“, erklärt er.

Ab 45 Euro pro erwachsenem Gast ist das Baumzelt-Erlebnis buchbar. Das Gros der Kunden – Familien, Paare, Freundes- oder Firmengruppen aus ganz Süddeutschland – treibe der Nervenkitzel an. „Meist ist es die Neugier, wie es sich wohl anfühlt, zwischen den Bäumen zu hängen, den Wald in der Nacht zu erleben“, weiß der 35-Jährige. Außerdem suchten viele ein ausgefallenes Geschenk für den Partner oder einen Verwandten. „Viele wollen etwas Cooles machen, aber nicht so weit fahren“, erklärt Jan Reich, stellt aber klar: „Das ist bei uns sehr rustikal, das muss jedem bewusst sein.“ Wasser gibt’s aus dem Kanister, sich erleichtern kann man nur im Plumpsklo. Echte Abenteurer schrecke das nicht, „alle Leute, die da waren, waren happy“. Viele kämen wieder.

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Dehoga: Kontrast zum Alltag ist vielen wichtig

Ausgefallen Baden-Württemberg ist mit jährlich knapp 53 Millionen Übernachtungen das zweitwichtigste deutsche Reiseland, dementsprechend ausgefallener werden die Angebote. Das bestätigt Daniel Ohl, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands „Der klassische Business-Hotelmarkt ist schon stark besetzt“, weiß er, Hoteliers versuchten daher, sich mit außergewöhnlichen Konzepten zu positionieren. Gleiches gelte für Gastronomen.

Einfachheit Beim Kunden kommt das an. „Auf jeden Fall ist der Kontrast zum Alltag wichtig“, weiß Daniel Ohl, und gerade Leuten, die Komfort gewohnt seinen, „macht es Spaß, in die Einfachheit abzutauchen“, so der Sprecher. car

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