Stuttgart Daimler baut Bürokomplex in Vaihingen

Parkartige Flächen: Das geplante Büro-Viertel in Stuttgart-Vaihingen von Daimler in der Computer-Simulation.
Parkartige Flächen: Das geplante Büro-Viertel in Stuttgart-Vaihingen von Daimler in der Computer-Simulation. © Foto:  
Stuttgart / JÜRGEN SCHMIDT 18.05.2016
Für 4000 Mitarbeiter: Ende dieses Jahres will der Autobauer Daimler mit dem Bau eines neuen Büroviertels in Stuttgart-Vaihingen beginnen. 

Der Stuttgarter Synergiepark zwischen Vaihingen und Möhringen ist nicht nur das größte Gewerbegebiet der Landeshauptstadt, sondern für große Konzerne offenbar auch besonders attraktiv. Nachdem die Allianz-Lebensversicherung im März angekündigt hatte, ihre Hauptverwaltung von der Innenstadt nach Vaihingen verlegen zu wollen, zieht es nun auch den Autobauer Daimler dorthin. Der will in Vaihingen in den kommenden drei Jahren ein Büroareal für 4000 Mitarbeiter bauen.

„Urban, offen und flexibel.“ Mit diesen Worten beschreibt Finanzvorstand Bodo Uebber die neue Daimler-City. Das gilt sowohl für das Innenleben der Gebäude wie auch den städtebaulichen Ansatz. Denn das gesamte Areal soll offen zugänglich sein, eine „öffentliche Mitte“ und parkartige Flächen zwischen den vier geplanten Gebäuden bekommen. Und auch das Erdgeschoss der Neubauten soll teilweise für Normalbürger zugänglich sein. Neben Konferenzräumen und einer Kantine sind auch öffentliche Cafeterien geplant. Der Bauherr denkt auch daran, Einzelhandelsflächen zu vermieten.

Damit unterscheidet sich der neue Daimler-Standort grundlegend vom zweiten großen Bürostandort in Möhringen, wo derzeit etwa 3000 Menschen arbeiten. Der vom früheren Daimler-Vorstandschef Jürgen Schrempp einst als „Bullshit Castle“ titulierte Gebäudekompex ist von der Umgebung völlig abgeriegelt.

Am neuen Standort soll sich die Offenheit auch architektonisch widerspiegeln. Der Entwurf des Berliner Architekturbüros Ortner & Ortner, die den neuen Campus von Wüstenrot & Württembergische in Ludwigsburg geplant haben, setzt auf viel Glas und flexible Raumaufteilungen. So sollen in den Büroetagen in den oberen Stockwerken veränderbare Projekträume für Arbeitsgruppen zur Verfügung stehen.

Konzern-Personalchef Wilfried Porth drückt es so aus: „In seiner Struktur wird der neue Bürokomplex eine offene Plattform für die unterschiedlichste Gestaltung der zukünftigen Arbeitswelt bieten, die vernetztes, digitalisiertes Arbeiten, Kommunikation und Innovation fördert.“ In Vaihingen soll also in wenigen Jahren zumindest ein Hauch von Silicon Valley zu spüren sein.

Für den Standort auf dem ehemaligen Gelände des Buchgroßhändlers Koch, Neff & Volckmar (KNV) zwischen Schockenried- und Industriestraße hat sich der Autokonzern aus zwei Gründen entschieden. Zum einen liege er etwa in der Mitte zwischen den größten Standorten in der Region, Sindelfingen, Untertürkheim und Möhringen, zum anderen sei das 4,1-Hektar-Areal groß genug für die geplanten 90 000 Quadratmeter Nutzfläche.

Starten will der Autobauer mit dem Bau noch Ende dieses Jahres. 2019 soll der Gebäudekomplex voraussichtlich bezugsfertig sein. Welche Daimler-Beschäftigte dann einziehen, ist allerdings derzeit noch offen. Nutzbar seien die Büros sowohl für Verwaltungs- wie auch Entwicklungstätigkeiten, sagte ein Sprecher. Auf dem neuen Campus will der Autobauer seine Mitarbeiter zusammenführen und möglicherweise einige kleinere Bürostandorte in Stuttgart und Umgebung aufgeben.

Über die Kosten machte der Konzern keine Angaben. Geht man von anderen ähnlichen Bauvorhaben in und um die Landeshauptstadt aus, dürfte es um einen dreistelligen Millionenbetrag gehen. Der Rüstungs- und Signaltechnik-Konzern Thales hatte seine neue Deutschland-Zentrale in Ditzingen für rund 150 Millionen Euro bauen lassen. Die bietet allerdings nur 67000 Quadratmeter Nutzfläche und ist für 1500 Mitarbeiter ausgelegt.

In der Lokalpolitik stößt das Daimler-Vorhaben des Autokonzerns grundsätzlich auf Wohlwollen. Allerdings wird in Vaihingen befürchtet, dass sich die Verkehrsprobleme im Synergiepark noch vergrößern könnten.

Auf dieses Problem will der Autokonzern reagieren. Er setzt dabei nicht auf sein Hauptprodukt, sondern auf den öffentlichen Nahverkehr. Zudem will Daimler Rent-a-bike- und car2go-Stationen sowie einige Hundert Fahrradstellplätze auf dem Campus anbieten.

Größter Standort des Autobauers ist Sindelfingen

Stammwerk Mit rund 4000 Arbeitsplätzen wird sich der Campus Vaihingen auf Platz drei der Daimler-Standorte in und um Stuttgart schieben. Unangefochten an der Spitze liegt das Werk Sindelfingen mit aktuell über 26 000 Beschäftigten vor Untertürkheim mit 18 000 Mitarbeitern. Zum Stammwerk gehören sieben Werkteile von Bad Cannstatt über Hedelfingen bis nach Esslingen.

Pragsattel Unter den reinen Bürostandorten liegt derzeit noch die einstige Konzernzentrale in Möhringen mit rund 3000 Arbeitsplätzen an der Spitze. Bei der Daimler Financial Services und ihrer Tochter der Mercedes-Benz-Bank am Pragsattel sind es derzeit rund 1700. Und bei der Sportwagentochter AMG in Affalterbach sind über  1200 Mitarbeiter tätig. jüs

Größter Standort des Autobauers ist Sindelfingen

Stammwerk Mit rund 4000 Arbeitsplätzen wird sich der Campus Vaihingen auf Platz drei der Daimler-Standorte in und um Stuttgart schieben. Unangefochten an der Spitze liegt das Werk Sindelfingen mit aktuell über 26 000 Beschäftigten vor Untertürkheim mit 18 000 Mitarbeitern. Zum Stammwerk gehören sieben Werkteile von Bad Cannstatt über Hedelfingen bis nach Esslingen.

Pragsattel Unter den reinen Bürostandorten liegt derzeit noch die einstige Konzernzentrale in Möhringen mit rund 3000 Arbeitsplätzen an der Spitze. Bei der Daimler Financial Services und ihrer Tochter der Mercedes-Benz-Bank am Pragsattel sind es derzeit rund 1700. Und bei der Sportwagentochter AMG in Affalterbach sind über  1200 Mitarbeiter tätig. jüs

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