Die Zahl der Infizierten in Baden-Württemberg steigt. Mehrere Menschen haben sich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt. Betroffen sind unter anderem die Landkreise Esslingen mit fünf Fällen sowie Lörrach und der Ostalbkreis mit je einem Fall. Bereits am Dienstag gab es erste Fälle in Ulm.

Landesregierung bereitet sich finanziell auf den Notfall vor

Mittlerweile ist die Zahl der Infektionen – Stand Mittwoch – auf 44 Fälle gestiegen. Als Reaktion auf die Ausbreitung des Virus will Baden-Württembergs Landesregierung im Eilverfahren einen Nachtrag zum Landeshaushalt 2020/21 beschließen. Mit dem Gesetzentwurf könnte zur Bekämpfung des Coronavirus im Bedarfsfall eine dreistellige Millionensumme zur Verfügung stehen.

Weitere Fälle in Baden-Württemberg

Ein 68-Jähriger aus Mannheim habe Kontakt zu dem bestätigten Heidelberger Südtirol-Heimkehrer gehabt und befinde sich in häuslicher Isolation. Ein 24-Jähriger, der auch aus Mannheim gemeldet wurde, habe an Fastnachtsumzügen in Heinsberg (NRW) teilgenommen - und eine leichte Erkältung gehabt. Auch er befinde sich in häuslicher Isolation. Der dritte Mannheimer Infizierte ist ein 54-Jähriger Iran-Heimkehrer. Er habe Atemwegsprobleme und werde in eine Klinik eingewiesen, so das Ministerium.

In Heilbronn ist das Virus bei einem 20-jährigen Reiserückkehrer aus der Lombardei nachgewiesen worden. Er erkrankte am Tag der Rückkehr an einem grippalen Infekt, wie es hieß. Die Symptome seien am Folgetag bereits deutlich rückläufig gewesen. Er befindet sich in häuslicher Isolation.

Coronavirus-Fall im Kreis Emmendingen

Bereits am Freitagabend war der 14. Coronavirus-Fall im Land bekanntgeworden. Bei dem Mann handelt es sich laut Gesundheitsministerium um einen Bekannten des 25-Jährigen aus dem Kreis Göppingen, dessen Fall als erster bekanntgeworden war. Der neue Patient im Kreis Göppingen sei bereits am Dienstag als Kontaktperson der Kategorie 1 identifiziert und isoliert worden, hieß es. Er weise milde Symptome auf und werde stationär untergebracht. In Bayern gibt es derzeit 15 Fälle von Menschen, die mit Covid-19 infiziert sind.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte erneut, dass nach derzeitiger Erkenntnis vier von fünf Coronavirus-Infektionen milde oder sogar ganz symptomfrei verliefen. Je größer die Zahl der Ansteckungen, desto höher sei aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass es zu schweren Verläufen, zu Lungenentzündungen oder zu Todesfällen komme, sagte Spahn.

Wegen des Virus Sars-CoV-2 wurden auch erste Veranstaltungen in Baden-Württemberg abgesagt. Unter anderem verschiebt die Karlsruher Messe die Nahverkehrsmesse IT-Trans aus Sicherheitsgründen.

Behörden wollen Risiko einer Ansteckung senken

Zum Ende der Faschingsferien versuchen die Behörden in Baden-Württemberg weiter, das Risiko von Infektionen zu verringern. Nach Kindern, Schülern, Lehrern und vielen Beamten sollen nun auch Polizisten zunächst vorsorglich zu Hause bleiben, wenn sie in den vergangenen Tagen aus einem Risikogebiet für das neuartige Coronavirus zurückgekehrt sind.

Unklar ist, wie viele Menschen von diesen Einschränkungen betroffen sind. „Hier geht es sicherlich nur um Einzelfälle, eben um jene, die sich kürzlich in einem der Risikogebiete aufgehalten haben“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Samstag. Die Ferien enden in Baden-Württemberg an diesem Montag.

Manne Lucha: Corona-Fälle bisher unter Kontrolle

Lucha gibt sich dennoch zuversichtlich, die Lage im Südwesten zu kontrollieren. „Wir haben nach wie vor keinen kursierenden Erreger“, sagte er. „Denn wir haben einen Überblick über die meisten Kontaktketten und reden nach wie vor von einzelnen Fällen oder von Clustern.“ Ein Dutzend der bisherigen Fälle könnte eingegrenzt werden, bei zwei weiteren werde die Infektionskette abgeklärt. „Das ist der Unterschied zum Beispiel zu den nordrhein-westfälischen Fällen. In Baden-Württemberg haben wir außerdem relativ moderate Verläufe“, sagte Lucha.

Menschen haben noch keine Immunisierung wie bei Influenza

Allerdings sei er sich der Gefahr des Virus für einen infizierten Menschen bewusst, sagte er weiter: „Unsere Körper sind gegenüber dem Coronavirus naiv. Wir haben noch nichts.“ In der Bevölkerung habe sich noch keine Immunisierung gegen das Virus aufgebaut. „Damit sind wir natürlich anfälliger als zum Beispiel beim Influenzavirus.“

Um eine Ausbreitung in Deutschland und speziell in Baden-Württemberg zu verhindern, ist es laut Sozialministerium wichtig, Fälle frühzeitig zu erkennen, sie zu isolieren und Hygienemaßnahmen konsequent einzuhalten. Das Robert Koch-Institut (RKI) bleibt bislang bei seiner Einschätzung, dass das Risiko einer Ansteckung gering bis mäßig ist.

Coronavirus-Infektionen in Karlsruhe, Freiburg und Heilbronn

Das Gesundheitsministerium teilte am Freitagnachmittag mit, dass weitere Menschen im Land erkrankt sind. Ein Mann aus Nürnberg hat sich demnach während einer Geschäftsreise in Karlsruhe krank gemeldet und wird in der Fächerstadt isoliert betreut. Auch seine Familie in Nürnberg habe Symptome gezeigt, hieß es. Einen weiteren Fall meldeten die Behörden aus Freiburg. Dort sei ein Mann aus dem Kreis Breisgau-Hochschwarzwald nach einer Italien-Reise positiv getestet worden. Auch bei einem 32-jährigen Mann aus dem Landkreis Heilbronn war das Virus nachgewiesen worden. Er hatte sich vergangene Woche in Mailand aufgehalten.

Weitere Fälle aus dem Kreis Ludwigsburg und Heidelberg im Rhein-Neckar-Kreis

Ein Mann aus dem Landkreis Ludwigsburg fiel bei der „Influenza-Überwachung“ auf, berichtet das Sozialministerium in Stuttgart am Freitag. Das bedeutet, dass Labor-Proben im Landesgesundheitsamt, die auf Influenza getestet wurden, automatisch auch auf das Coronavirus geprüft werden. Dies, berichtet das Ministerium, sei der erste Fall, der auf diese Art entdeckt worden sei.

Ein weiterer Corona-Fall wurde in Heidelberg entdeckt. Ein Mann aus dem Rhein-Neckar-Kreis hatte sich am Mittwochabend nach seiner Rückkehr aus dem Ski-Urlaub in Südtirol mit leichten Symptomen in der Notfallambulanz der Heidelberger Universitätsklinik vorgestellt hatte. Der Test fiel am späten Donnerstagabend positiv aus.

Mit Coronavirus Infizierte werden angefeindet

Innenminister Thomas Strobl (CDU) kritisierte, dass infizierte Menschen angefeindet würden. Das Ministerium schaue sich die Reaktionen im Internet genau an. „Und es sind nicht alle Reaktionen richtig und auch nicht unbedingt mitfühlend.“ Man könne aber erst einschreiten, wenn gezielt Falschinformationen verbreitet würden.

Nach dem Bekanntwerden mehrerer Infektionen in Zusammenhang mit dem 25-Jährigen aus Eislingen (Kreis Göppingen) hatten viele Menschen den Mann und eine Bekannte teilweise wüst beschimpft. Die beiden hatten sich während einer Italienreise in Mailand angesteckt.

Auch in Bayern gab es am Donnerstag einen neuen Coronavirus-Fall. Es handele sich um einen Mann aus Mittelfranken, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München am Donnerstagabend mit. Auch in Hamburg und Hessen wurden Fälle der Viruskrankheit gemeldet.

Business-Meeting in München mit infizierter Kontaktperson

Bei drei der neu aufgetretenen Fälle in Baden-Württemberg handelt es sich um zwei Frauen und einen Mann aus dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald beziehungsweise aus der Stadt Freiburg. Die drei hatten an einem geschäftlichen Treffen in München teilgenommen und gehören laut Robert Koch-Institut in Berlin zu 13 Kontaktpersonen eines italienischen Teilnehmers, der in Italien positiv getestet worden war. Die drei Patienten sind isoliert zur Behandlung in einer Klinik.

Bestätigter Fall aus dem Landkreis Böblingen

Ein weiterer bestätigter Fall wurde aus dem Landkreis Böblingen gemeldet. Dieser steht im direkten Zusammenhang mit einem 25 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Göppingen, der sich in Italien angesteckt hatte und dessen Fall am Dienstagabend bekannt gegeben worden war.

Bei dem Mann aus dem Landkreis Böblingen handelt es sich um eine Kontaktperson der infizierten Reisebegleiterin des 25-Jährigen. aus Eislingen im Landkreis Göppingen. Infiziert ist zudem der 60 Jahre alte Vater der Reisebegleiterin. Vater und Tochter werden in Tübingen isoliert behandelt.

Fall in Rottweil: Mann beobachtet, Frau und Kind negativ getestet

Am Mittwochabend hatte das Ministerium zudem einen Fall in Rottweil mitgeteilt - dort wird ein infizierter 32-Jähriger beobachtet.

Er hatte sich nach seiner Rückkehr aus dem italienischen Codogno wegen der typischen grippeähnlichen Symptome beim örtlichen Gesundheitsamt gemeldet. Seine Ehefrau, die mit ihm gereist war, und sein Kind sind laut Ministerium negativ getestet worden.

Impfstoff gegen Coronavirus erst im Jahr 2021

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité geht davon aus, dass die Fallzahl in Deutschland noch stark steigen wird. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rechnet frühestens im Jahr 2021 mit einem Impfstoff - warnt aber vor Panik. An diesem Freitag berät der Krisenstab der Bundesregierung über weitere Vorkehrungen gegen das neue Virus Sars-CoV-2.