Die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart hat am Samstag die kritische Marke von mehr als 50 Infektionen auf 100.000 Einwohner knapp überschritten: Laut Landesgesundheitsamt liegt sie bei 50,5 (Stand: 10. Oktober, 16 Uhr). Einen Tag später ist der Wert auf 55,8 gestiegen.
Am Sonntag teilte die Stadt in einer Pressemitteilung verschiedene Einschränkungen mit, die ab Mittwoch gelten sollen. So soll das Tragen eine Mund-Nasen-Bedeckung auch im Freien innerhalb des Stuttgarter City-Rings verpflichtend sein. Private Feiern sind nur noch mit 10 Teilnehmern erlaubt, Feiern in öffentlichen und angemieteten Räumen mit 25. Auch der Verkauf und Konsum von Alkohol soll an bestimmten Plätzen eingeschränkt werden. Eine Sperrstunde sei aktuell aber nicht geplant.
Die Stadt ermuntert überdies zum Home-Office, will die Entflechtung des Unterrichtsbeginns an Schulen erreichen und das Maske tragen im Rathaus erweitern.

Maßnahmen sollen Corona-Lockdown verhindern

„Die Städte haben verstanden, wie dringend es ist, jetzt zu neuen und einschneidenden Maßnahmen zu kommen, wenn man einen Lockdown verhindern will“, warnte Kuhn. Er appellierte an die Stuttgarter Bevölkerung, sich mit Masken und Abstand zu schützen. „Wir müssen uns leider auf einen schwierigen Winter einstellen“, sagte Kuhn weiter. Die steigenden Infektionszahlen und das immer diffusere Ansteckungsgeschehen bereite ihm Sorge. „Deswegen handeln wir jetzt: zielgerichtet und angemessen.“ Er fühle sich an die Situation im März dieses Jahres erinnert. Es gehe darum, das öffentliche Leben möglichst aufrecht zu erhalten.

Stuttgart erbittet Hilfe der Bundeswehr

Die Stadt mobilisiert zur Verfolgung von Kontaktpersonen die ganze Stadtverwaltung. Zudem erbittet sie die Hilfe der Bundeswehr, wie Stefan Ehehalt, Leiter des Stuttgarter Gesundheitsamts, am Sonntag mitteilte. „Die Zahlen steigen auf besorgniserregende Weise an, und zwar so stark, dass das Gesundheitsamt die für die Kontrolle der Pandemie so wichtige Kontaktpersonennachverfolgung nicht mehr gewährleisten kann“, so Ehehalt.
Kuhn sagte nach einer Telefonkonferenz zur Lagebesprechung: „Wir müssen jetzt entschieden handeln, um die Zahl der Neuinfektionen sofort wieder runter zu bekommen. Nur so können wir Schulen, Kitas, Wirtschaft und Handel offen halten. Nur so kann es gelingen, dass wieder alle Fälle durch das Gesundheitsamt nachvollzogen werden können.“

Schärfere Regeln bundesweit

Mit der Verschärfung folgen Stuttgart und auch andere Kreise und Kommunen unter anderem der Empfehlung der Bund-Länder-Kommission von Ende September, die insbesondere der Verbreitung von Infektionen im Rahmen von Feierlichkeiten im Familien- und Freundeskreis vorbeugen soll.
Kuhn hatte am Freitag mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Bürgermeister der zehn weiteren größten Städte in Deutschland über Maßnahmen beraten, die den neuen Stuttgarter Entscheidungen ähneln. In zwei Wochen wollen die Stadtoberhäupter laut Kuhn erneut diskutieren.