Hitze Cool bleiben im Kessel

Stuttgart / Von Nadja Otterbach 02.08.2018

Sie sind begehrter denn je dieser Tage: Die Old-Bridge-Gelaterien in der Bolz- und Eberhardstraße. Bevor das Eis auf der Zunge zergehen kann, ist jedoch Geduld gefragt. „Wir sind an der Kapazitätsgrenze angelangt, mehr geht nicht“, sagt Geschäftsführer Marc Westlein. „Wir haben jeden Tag zwölf Stunden geöffnet, zehn Stunden stehen die Leute Schlange.“ Vor allem nach fruchtigen Sorbets lechzen die Kunden bei den aktuellen Rekordtemperaturen.

Der Regen am Mittwochmorgen sorgte nur für eine kurze Abkühlung. Ein Ende der Hitzewelle ist nicht in Sicht. Laut Metereologen bleibt es hochsommerlich heiß. Da wird das Einkaufen im Talkessel schnell zur schweißtreibenden Angelegenheit. Wer trotzdem nicht aufs Bummeln verzichten möchte, immerhin winken im Schlussverkauf bis zu 70 Prozent Rabatt, freut sich vielleicht über ein paar kühlere Plätze für eine Verschnaufpause. Eine Möglichkeit: Ab in die großen Einkaufszentren. Die sind in der Regel gut klimatisiert – etwa  Breuninger. Viele nutzen jetzt verstärkt das gastronomische Angebot, um bei einem kühlen Getränk eine Shoppingpause einzulegen, heißt es aus dem Center. Ähnlich erlebt man die Hitzewelle in den  Königsbaupassagen, im Gerber und Milaneo. Die Klimaanlagen laufen auf Hochtouren, die Gastrostationen sind gefragt. „Wir bemerken, dass bei großer Hitze die Kunden bewusst eine kühle Umgebung wie unser Stadtkaufhaus bevorzugen“, sagt Felix Mattis vom Gerber.

Gedanklich in der Eiszeit

Verlässlich kühl sind auch die Kirchen hinter ihren dicken Mauern – etwa die Stiftskirche oder der Dom St. Eberhard. Ruhig ist‘s in den Gotteshäusern obendrein, was nach der Schnäppchenjagd Wunder wirken kann.

Die Shoppingpause mit Kultur verbinden können Hitzegeplagte in den Museen der Stadt. Im Alten Schloss etwa ist der Eintritt zur Dauerausstellung frei. Arktische Temperaturen herrschen im Landesmuseum zwar nicht, aber immerhin entführen einige Objekte die Besucher gedanklich in die Eiszeit.

Wem das nicht reicht, der sollte die zahlreichen städtischen Brunnen und Wasserspiele im Auge behalten. Ein Tipp der Tourist-Information: Im Springbrunnen am Schlossplatz gibt’s besonders klares Wasser – perfekt, um die Füße zu erfrischen. Auf dem Rand des Pflasterbrunnens in der Kronprinzstraße kann man bequem sitzen, und der Pusteblumenbrunnen in der Königstraße sorgt auch für Abkühlung. Kinder lieben die Wasserspiele am Milaneo und auf dem Marienplatz. Auf einem Liegestuhl entspannen, die Zehen in den Sand stecken und dabei den Ausblick auf die Stadt genießen – auch das ist möglich, mitten auf der Königstraße. Fehlt nur noch ein Pool auf dem obersten Deck des Galeria-Kaufhof-Parkhauses, wo der „Sky Beach“ längst kein Geheimtipp mehr ist.

Urlaub an der B 14

Wer in Richtung Charlottenplatz bummelt, sollte unbedingt Rast machen am Stadtpalais. „Stuttgart am Meer“ heißt das Sommerfestival, das bis 9. September die Besucher erfrischt. Höhepunkte sind hier nicht die Cocktailbar und Liegestühle, sondern die knöchelhohen Pools vor der Fassade, die Groß und Klein begeistert nutzen. Urlaub an der B 14 hat auch was.

Infokasten
Wärme dringt allmählich durch dicke Mauern

In der Stiftskirche können Besucher zur Besinnung kommen, aber auch etwas abkühlen. Drinnen ist es deutlich angenehmer. Aber die Dauerhitze dringt allmählich auch durch die dicken Mauern, stellt Pfarrer Matthias Vosseler fest. Er schätzt, dass es im Kirchenschiff auch etwa 25 Grad hat.

In der Domkirche St. Eberhard fühlt es sich wärmer an. Mesner Ulrich Singer hat 26 Grad gemessen. Aber kühler als auf der  Königstraße, man passe sich rasch an. „Wenn Sie dann  fünf Minuten hier sind, ist es auch nicht mehr so angenehm“, stellt er fest.

Die Temparatur im Breuninger liegt nach eigenen Angaben je nach Außentemperatur zwischen 24 und 26 Grad. Im Gerber liege die Temparatur bei 22 Grad. dgr

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