Freizeit Cocktail und Surfen an der Bundesstraße

Auch im Planschbecken sind auf dem Brett Könner gefragt.
Auch im Planschbecken sind auf dem Brett Könner gefragt. © Foto: Uwe Roth
Stuttgart / Uwe Roth 30.07.2018

Mit Phantasie und geschlossenen Augen könnte man den Verkehrslärm auf der Konrad-Adenauer-Straße in Meeresrauschen umdeuten – wenn nicht in dem Moment ein Motorrad dröhnend oder ein Rettungswagen heulend vorbeifährt. „Stuttgart am Meer“ heißt das „urbane Sommerfestival im Stadtpalais“, das bis Sonntag, 9. September, die Bürger zu einem „Urlaub an der B 14“ einlädt. So hat es am Freitag Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU) bei der Vorstellung formuliert. Ein Augenzwinkern sei auch dabei, fügt er hinzu. Denn allenfalls Großstadtmenschen sind ausreichend hartgesotten, in einem der zahlreichen Liegestühle vor und neben dem vor drei Monaten eröffneten Stadtmuseum „die Seele baumeln zu lassen“, wie es sich die Veranstalter wünschen.

Es gibt neben Sitzgelegenheiten eine Cocktailbar, eine Skateboard-Rampe und aufblasbare Surf-Station. Das ist ein schräg gestelltes Planschbecken, in dem ein Elektromotor das Wasser in Bewegung bringt. Gegen eine Gebühr von 15 Euro können Anfänger und Geübte eine halbe Stunde auf dem Brett einer Kunstwelle trotzen. Die sieht harmlos aus, hat es aber in sich. Auch Profis haut es schnell mal runter, wie erste Vorführungen zeigen. Als Beobachter mit einem Getränk die Surfer scheitern oder souverän das Brett meistern zu sehen, dürfte in den kommenden Wochen eine der Attraktionen sein.

Museumsdirektor Torben Giese erklärt seine Idee so: „Die Stadt braucht Wasser. Deshalb holen wir es an den Charlottenplatz und machen den Außenbereich des Stadtpalais zum urbanen Erlebnisort.“ Gleichzeitig betrachtet er das Sommerfestival als moderne Museumsarbeit. Die Kosten werden nach seinen Angaben aus dem normalen Budget finanziert. Wer zum Chillen kommt, ist Museumsbesucher. Zum Musealen gehören Installationen wie die beiden stilisierten, knöcheltiefen Pools vor der Fassade an der Bundesstraße. Im Museum setzt sich „Skateboarding“ in einer Sonderausstellung fort. „Stuttgart ist ein Hotspot der Skateboarder“, sagt Filmemacher Torsten Frank. Er hat die Geschichte des Straßensports seit den 1980er Jahren miterlebt.

Das Sommerfestival ist in Themenwochen geteilt. Bis 12. August ist es das Surfen, bis zum 19. August das Skateboarden, bis zum 29. August das Fahrradfahren sowie bis zum 9. September Basketball. Festivalbesucher, so erhofft es sich Museumsdirektor Giese, werden bei der Gelegenheit ins Stadtpalais reinkommen, um etwas von der Stadtgeschichte kennenzulernen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel