Jörg Steegmüller aus Stuttgart-Heumaden ist keine Berühmtheit, aber seine Schöpfungen kennt fast jeder: Das Sandmännchen, das VfB-Fritzle und den Wasen-Hasi. Berühmte Figuren und Maskottchen, die dieser Jörg Steegmüller mit eigenen Händen erschaffen hat. Seine Jobbezeichnung ist lang und sperrig: Bildhauer und Modelleur für animatronisch-technische Figuren und Schaustücke. Selbst nennt er sich Skulpteur. Man könnte auch sagen: der Herr der Puppen.

Wer die Werkstatt im kargen Gewerbegebiet in Ostfildern (Kreis Esslingen) betritt, fühlt sich wie Alice im Wunderland. Die Freunde aus der Sesamstraße sind da, Hotzenplotz, Trolle, Robbie Williams und Dieter Bohlen, eine barbusige Mona Lisa, der Terminator, Pumuckl, das Herrenduo aus Loriots Badewanne. Die Fantasie ist Steegmüllers Geschäft, „von niedlich bis gruselig, von Comic bis Realismus“.

Der 44-Jährige stattet Freizeitparks mit statischen und beweglichen Figuren aus. Für den Europapark hat er jüngst die „Jim-Knopf-Gruppe“ komplettiert und arbeitet nun an neuen Dinos für die Attraktion „Madame Freudenreich“. In Tripsdrill „gibt es keine Figur, über die ich nicht drübergegangen bin“. Auch im Traumland bei der Bärenhöhle oder im Blühenden Barock leben seine Wesen. Kaufhäuser beauftragen ihn ebenso wie Regisseure von Filmen und Serien.

Roland Emmerichs „Der Patriot“, die Kultserie „Celebrity Deathmatch“ oder „SOKO Stuttgart“ kommen nicht ohne seine Figuren, Requisiten oder Kulissen aus. „Ich bin Dienstleister, wenn ich nach einer Vorlage arbeite. Wenn man mich etwas erfinden lässt, verstehe ich mich als Künstler“, erzählt der gelernte Grafikdesigner.

Bereits als Kind zeichnete er Comics und bastelte Marionetten. Als Teenager drehte er seinen ersten Film mit 300 selbstgebauten Figürchen. Woher er das hat? Vom Vater, einem Schauwerbegestalter, und der Mutter, die immer gestrickt und gezeichnet habe, erklärt er. Heute haucht mit zwei Angestellten und rund 25 Freiberuflern Gips, Wachs, Silikon, Bronze und Kunststoff Leben ein.

Jörg Steegmüller ist pingelig, bis zur Synchronstimme muss alles perfekt sein. Alte Schule. Die Fassbinder-, Disney- oder Murnau-Filme von früher faszinieren ihn, „wo noch richtig geschafft wurde“. Echte Musik, echte Zeichnungen, echte Figuren, „ich will keine generierten Sachen sehen“. Wie zum Beweis läuft im Atelier ein Hörspiel aus den 50ern, während nebenan nostalgisch anmutende Katzen- und Hasenfiguren in der Dauerschleife tanzen. Seinem Söhnchen zeigt der Papa die Biene Maja oder Puppenspiele. „Seelenlos“ findet er Computeranimiertes. „Ich möchte inspirieren“, einmal im Jahr arbeitet er daher mit Schulkindern.

Vor allem ist Steegmüller eines: Fan. Dustin Hofmans Original-Kostüm aus „Hook“ steht im Büro neben der echten Robocop-Hand. Riesig werden die Augen in der Star-Wars-Ecke. Neben Original-Stücken stehen dort Darth Vader, Sturmtruppen oder Yoda, alle selbst nachgebaut. Dem Fellhünen Chewbacca hat er jedes Yak-Haar einzeln auf den Anzug geknüpft. „Fingerübungen“ nennt er Arbeit wie an Chewie.

Mit seinem Dienstleistungen aus dem Kuriositätenkabinett besetzt Steegmüller eine Nische. Konkurrenz gibt‘s kaum. Jetzt hat er eine neue Idee. Ein Museum in Nebenräumen seines Ateliers. Erste Objekte hat er schon zusammengesucht, den Hubschrauber Fliewatüüt aus der Kinderserie  und Paddington-Bären, „es hat sich so viel angesammelt“. Dazu will er die einzelnen Arbeitsschritte für Laien verständlich machen. „Magie der Objekte“ soll im Frühjahr 2019 eröffnen. Steegmüller schaut entschlossen. „Ich habe mich mein Leben lang versteckt, um in Ruhe zu arbeiten“, sagt er. Jetzt ist es an der Zeit, den Menschen zu zeigen, wer dieser Steegmüller aus Heumaden ist und was er so kann.

Infokasten


Mit der VHS in die Werkstatt


Führung Die Volkshochschule Stuttgart plant für den Mai 2019 einen Werkstattbesuch bei Jörg Steegmüller. Anmelden können sich Interessierte ab dem 25. Januar, wenn das neue VHS-Programm erscheint.

Schau Einige Exponate – Pumuckl und Otfried-Preußler-Figuren – sind aktuell im historischen Museum der Pfalz in Speyer zu sehen. Noch bis 6. Januar wird die Ausstellung „Das Sams und die Helden der Kinderbücher“ anlässlich des 80. Geburtstags des Autors Paul Maar gezeigt.  car