Städtebau Bürokomplex wird Garden-Campus

Die Visualisierung zeigt, wie sich die Planer die Nutzung des denkmalgeschützten Eiermann-Campus vorstellen.
Die Visualisierung zeigt, wie sich die Planer die Nutzung des denkmalgeschützten Eiermann-Campus vorstellen. © Foto: Grafik: Steidle Architekten
Stuttgart / Von Uwe Roth 07.07.2018

Die Bedeutung des Stararchitekten Egon Eiermann (1904 bis 1970) hat den vierstöckigen Bürokomplex vor dem Abriss bewahrt. Das nach ihm benannte Kulturdenkmal am Vaihinger Autobahnkreuz lag fast zehn Jahre brach. Im Jahr 2009 hatte die Computerfirma IBM das 20 Hektar große Gelände im Stuttgarter Süden verlassen. Es wechselte mehrmals den Eigentümer. Doch ein Nachnutzer fand sich bis heute nicht. Jetzt tut sich was: Vom Jahr 2020 an entsteht dort ein neuer Stadtteil für 4000 Menschen. Der Schweizer Investor SSN-Group hat den Stadträten die nach seinen Angaben 900 Millionen Euro teure Investition vorgestellt.

Das Lob der Gemeinderäte quer durch alle Fraktionen hat Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) gut getan. Denn seine Wohnungsbaupolitik stand zuletzt stark in der Kritik. Es entstünden viel zu wenige Wohnungen. Das Vorzeigeprojekt Rosenstein-Quartier nördlich des Hauptbahnhofs war als Beitrag zur Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA) gedacht. Doch die Verzögerung bei Stuttgart 21 blockiert auch diese Entwicklung.

Vielfältige Nutzung

Nun bietet sich dem OB auf der anderen Seite des Stuttgarter Kessels eine Chance, sich städtebaulich zu profilieren. Die vom Investor beauftragten Architekten des Münchner Büro Steidle haben in ihrem Entwurf viele Nutzungsarten berücksichtigt, die benötigt werden: Neben Wohnungen, zwei Kitas, eine Grundschule, ein Pflegeheim, ein Studentenwohnheim, Läden, Büros, ein Hotel sowie ein Park mit kleinem See. Das  hat die Investoren bewogen, das Eiermann-Areal in „Garden Campus Vaihingen“ umzubenennen.

Zu den städtebaulichen Herausforderungen müssen die Regeln des Denkmalschutzes für die drei zwischen 1968 und 1972 gebauten Bürohäuser beachtet werden. Insgesamt hat das Ensemble eine Nutzfläche von 55 000 Quadratmeter. Wegen des langen Leerstands ist der bauliche Zustand mangelhaft. Das betrachten die Planer als Herausforderung: „Das Eiermann-Ensemble als Beweis nachhaltiger Architektur ist ein zentraler Baustein unseres Konzepts“, versichern sie.

Auf zwei Dritteln des Areals entstehen Wohnungen, auf einem Drittel Gewerbeflächen. 20 Prozent werden öffentlich geförderte Wohnungen sein. Bereits im Jahr 2022 sollen die ersten Bewohner einziehen können. Auffallend ist ein bogenförmiges Gebäude, in das die 400 Studentenapartments untergebracht werden. Das „Schleifenhaus“ entsteht parallel zur Autobahnverbindung von der A 8 zur A 831. Die bewohnbare Schallschutzmauer soll das Quartier vor dem Verkehrslärm schützen.

Vaihingen ist geplagt vom Verkehrslärm. Der Bezirksbeirat und Anwohner sind besorgt, dass der Lärm mit den neuen Nachbarn zunehmen wird. Deswegen soll der Anteil privater Autos im Quartiert gering gehalten werden. Dazu wird ein neuartiges Verkehrskonzept erarbeitet. Bei dem stehen dann Car-Sharing oder Ruftaxen im Mittelpunkt. Das Mobilitätsmanagement, so kündigte Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) an, werde in jedem Fall den Anforderungen einer IBA entsprechen.

Neues Transportmittel

Ein Antrag von Grünen und SPD hat zudem eine Seilbahn als zusätzliches innerstädtisches Transportmittel ins Gespräch gebracht.  Demnach könnte eine erste Seilbahn vom Garden Campus zum Bahnhof Vaihingen führen. Dieser soll zu einem Kreuzungsknoten ausgebaut werden und zahlreiche Anschlüsse bieten. Von dort, so die Überlegung, könnte das nächste Ziel der Gondeln Stuttgart-Möhringen und der Flughafen sein.

Am Montag wird im Stuttgarter Rathaus eine Machbarkeitsstudie zu möglichen Seilbahntrassen vorgestellt (siehe Infokasten).

Machbarkeitsstudie zu Seilbahntrassen

Die Seilbahnverbindung Garden Campus, Vaihingen-Bahnhof und Flughafen soll in Stuttgart nicht die einzige bleiben. Erwogen wird eine Trasse über Degerloch zur Uni Hohenheim bis Plieningen. Ein Vorschlag sieht Verbindungen vom Pragsattel zum Ostendplatz oder vom Wasen ins Zentrum vor.  

Eine Machbarkeitsstudie untersucht Trassenverläufe. Die Studie „Hoch hinaus in Baden-Württemberg – Machbarkeit, Chancen und Hemmnisse urbaner Luftseilbahnen“ wird am Montag, 9. Juli, von Baubürgermeister Peter Pätzold und Verkehrsminister Winfried Hermann ab 14 Uhr im Rathaus (Kleiner Sitzungssaal, 3. OG) vorgestellt.

Auch in der Region wird über eine Seilbahn nachgedacht. In Leonberg (Kreis Böblingen) veröffentlichte die Stadtverwaltung den Vorschlag, den Bahnhof mit dem Leo-Center, der Altstadt und Höfingen zu verbinden. uro

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