Ausstellung Blick in fremde Wohnzimmer

Stuttgart / Dominique Leibbrand 22.08.2018

In Dänemark oder Holland haben Passanten oft freie Sicht in fremde Häuser. Der Deutsche hingegen mag’s intimer, pflanzt hohe Hecken um sein Grundstück, zieht die Gardinen zu. So bleibt beim verstellten Einblick in Nachbars Heiligtum so manche Neugier unbefriedigt. Das Ludwigsburg Museum MIK gewährt sie nun aber eben doch, die Schau ins Private. Noch bis Mitte September läuft dort zum 300. Geburtstag der Barockstadt eine Ausstellung zu Wohn- und Lebensräumen. Titel: „hin und weg“. Ein Teil davon sind Bilder des Ludwigsburger Fotografen Reiner Pfisterer, der mehr als 20 Wohnzimmer abgelichtet hat.

Pfisteres Ziel: eine Vielfalt der Wohnmöglichkeiten abzubilden. Arme, Reiche, Junge, Alte – bei allen war er zu Hause, hat Eiche Rustikal genauso wie durchdesignte Wohnzimmer oder spärlich eingerichtete Flüchtlingsbehausungen vor die Linse bekommen. Zum Start des Projekts fragte Pfisterer im Bekanntenkreis herum, ob er mal ins Wohnzimmer spiekeln dürfe, später ergaben sich immer neue Begegnungen.

Die Bewohner sind auf den Fotos nie zu sehen, so sei der Zugang leichter gewesen, erzählt der 51-Jährige. Und doch erfährt man einiges über sie. Nicht nur über ihre Einrichtung: Pfisterer fragte alle nach ihrer Lieblingsmusik, daraus entstand ein Soundtrack für die Ausstellung, mit dem die einzelnen Bilder nun unterlegt sind. Herausgekommen ist ein Mix so vielfältig wie die Wohnzimmer: von Led Zeppelin über Heinz Rühmann bis zu Iron Maiden.

Authentizität war Pfisterer bei dem Projekt wichtig: „Ich habe deshalb immer darum gebeten, dass die Leute vorher nicht aufräumen.“ In den meisten Fällen habe das auch geklappt. Ob ihm das eine oder andere Zimmer besonders gut gefallen habe, will Pfisterer nicht bewerten. „Es geht hier nicht um mich.“ Eine Erkenntnis, die er gewonnen hat, gibt er dann aber doch preis: Nur weil eine Einrichtung teurer sei, müsse man sich dort nicht wohler fühlen. Auch ein Flüchtlingscontainer könne Charakter ausstrahlen.

Infokasten
Besucher zahlen, was sie möchten

Die Ausstellung „hin und weg. Wohn- und Lebensräume in Ludwigsburg“ läuft noch bis 16. September. Besucherzahlen hat Leiterin Alke Hollwedel noch nicht parat, die Schau laufe aber gut, sagt sie.

Seit 2017 ist der Eintritt ins MIK frei. Besucher können aber spenden, wenn sie wollen. Im vergangenen Jahr warfen sie rund 6500 Euro in aufgestellte Geldwürfel. dl

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