Von Paul Rothwein stammt die Idee. Im Urlaub in Südtirol hatte er Besinnungswege kennengelernt. Etwas Ähnliches wollte er auch in seiner Heimat einrichten, im Dorf Oeffingen, das zur Stadt Fellbach (Rems-Murr-Kreis) gehört. Rothwein fand Mitstreiter, mit denen er einen Förderverein gründete. Ihr Ziel: zwölf Besinnungs-Stationen, die zum Nachdenken anregen.

Sieben bestehen schon, die achte wird heute Abend eingeweiht: ein abgeknickter Strommast. Die Künstlergruppe „Inges Idee“ aus Berlin hat das Thema „Freizeit/Muße“ mit feiner Ironie umgesetzt. Die Künstler schufen ein sieben Meter hohes Werk aus Stahl. Zum „Abschalten“ wollen die vier Künstler die Betrachter  bringen, wenn sie vor dem „aus dem Verkehr gezogenen, abgeschalteten  Strommast stehen, der auf einem stilisierten Trafo-Häuschen sitzt und seine Beine baumeln lässt“.

An dem zum Skulpturenweg mutierten Besinnungsweg  steht in der Flur von Oeffingen Kunst international renommierter Künstler. Der Förderverein finanziert die Werke mit Spenden, mit Geldern aus Führungen, mit Lesungen und dem Verkauf von Wein. Zu jedem Kunstwerk bringen die Fellbacher Weingärtner eine Sonderabfüllung heraus.

Der Förderverein lädt die Künstler zum Mitmachen ein und gibt das Thema vor. Ansonsten haben die Künstler freie Hand, dürfen sich sogar den Standort unter den möglichen Plätzen, die meist auf Grundstücken der Stadt Fellbach liegen, aussuchen.  Die Stadtverwaltung unterstützt seit der Geburtsstunde des Skulpturenpfads das Projekt. Das erste Kunstwerk wurde im Jahr 2001 auf dem Besinnungsweg, der einmal rund fünf Kilometer lang sein wird, von Inge Mahn zum Thema „Zeit“ aufgestellt. Es ist eine überdimensionale Sonnenuhr mit einem steinernen Antoniuskreuz.

Das Spazieren oder Wandern über den Besinnungsweg ist kurzweilig, erbauend, macht nachdenklich und findet mitten in der Natur zwischen Mais- und Getreidefeldern, Bäumen und herrlichen Blicken in eine weite Landschaft auf befestigten Feldwegen statt.  Von Weitem sichtbar das Fabelwesen von Henk Visch zum Thema „Freiheit“. Timm Ulrichs hat zum Thema „Kind sein/Kreativität“ ein „rotes Haus“ aus Metall konstruiert und aus dessen Mitte einen Baum wachsen lassen. Micha Ullmann beschäftigt sich in einer Bodenskulptur mit dem Thema  „Schöpfung“, Jürgen Brodwolf fiel zu „Geborgenheit/Vertrauen“ ein Boot ein.  Im Oktober kommt ein weiteres Kunstwerk hinzu, vom 85-jährigen Bildhauer Dani Karavan aus Israel. Er entwirft eine Bodenskulptur zum Thema „Frieden“.

Jedes Kunstwerk wird von einem  Spruch aus der Bibel garniert, den der Förderverein aussucht,  und einem weltlichen Spruch, den die Künstler beisteuern. Beim abgeknickten Strommast ist der Bibelspruch „Ruhe aus: ein Feld, das geruht hat, trägt herrliche Ernte“ neben dem Satz von Robert Walser „Ich bin doch nichts ... und was aus mir werden soll, das weiß der Himmel besser als ich“ zu lesen.