Porträt Beruf: Superheld

In seinem Deadpool-Kostüm fällt Benjamin Zimmer auf. Daran hat er sich aber inzwischen gewöhnt.
In seinem Deadpool-Kostüm fällt Benjamin Zimmer auf. Daran hat er sich aber inzwischen gewöhnt. © Foto:  
Von Melissa Seitz 24.01.2019

Mit großen Schritten läuft Benjamin Zimmer die Königstraße entlang, die Arme hat er lässig in die Hüfte gestützt. Immer wieder drehen sich die Leute nach ihm um und er winkt ihnen zu. Benjamin Zimmer fällt auf. Keine Frage. Von Kopf bis Fuß steckt er in einem rot-schwarzen Overall. Auf dem Rücken lugen zwei lange Schwerter hervor und um die Hüfte hat er einen brauen Gürtel mit einer rosa Spardose gebunden. Wenn der 30-Jährige in diesem Outfit durch die Straßen läuft, ist er nicht mehr der Stuttgarter Benjamin Zimmer, sondern die Comic-Figur Deadpool von Marvel. „Gib mir ein knackiges High Five“, sagt er in Deadpool-Manier zu einem Jungen, der ihn mit großen Augen anschaut.

Benjamin Zimmer weiß inzwischen, wie er Menschen eine Freude macht. Angefangen hat alles vor vier Jahren. Für eine Kostümparty hat er sich einen Spiderman-Overall besorgt. Ein Tag vor dem Fest hat Zimmer das Kostüm beim Weggehen Probe getragen. Das Feedback überraschte ihn: „Viele wollten ein Foto von mir machen. Also habe ich entschieden, das jetzt öfter zu machen“, erzählt der Stuttgarter.

Aus der Idee ist ein Geschäftskonzept entstanden: die Agentur „Rent a Superhero“. Benjamin Zimmers eigentlicher Arbeitsort ist die Stuttgarter City. Abends zieht er in der Innenstadt seine Runden, geht in Bars, lässt Fotos mit sich machen und wer will, kann in seine kleine „Hello Kitty“-Spardose etwas hineinwerfen. Durch die Homepage „Rent a Superhero“ kann der 30-Jährige aber auch für Geburtstagspartys, Firmenfeiern oder ähnliches gebucht werden. Mit im Boot sitzt noch ein Freund, mit dem er sich manche Kostüme teilt. Wenn mehr als ein Superheld erwünscht ist, macht sich Benjamin Zimmer auch auf die Suche nach anderen, die ihn bei seinen Terminen unterstützen.

„Look who’s there“, erklingt plötzlich hinter dem 30-Jährigen. Ein Tourist aus New York möchte mit dem Stuttgarter Deadpool ein Bild machen. „Sure, come over here“, sagt er. In Englisch beginnt Benjamin Zimmer mit ihm ein Gespräch. Der Mann erzählt, dass er, obwohl er in New York wohnt und regelmäßig auf dem Times Square ist, noch nie einen Deadpool gesehen hat. Benjamin Zimmer freut das. Man merkt, wie er in seiner Rolle aufgeht, Hemmungen, auf Menschen zuzugehen, hat er nicht. „Das war nicht immer so“, gibt er zu. Der 30-Jährige bezeichnet sich als ruhigen Menschen, musste deswegen erst lernen, sich in den Kostümen und den Rollen wohlzufühlen.

Inzwischen outet sich Benjamin Zimmer als „kleinen Nerd“. Daheim hat er einige Masken stehen und die Filme wie Deadpool und Batman schaut er gerne an. Ansonsten gibt der 30-Jährige aber nicht viel Persönliches von sich preis. Auch sein Gesicht will er nicht zeigen. Klingt logisch – Superhelden haben Geheimidentitäten. Der Stuttgarter erzählt, dass er mal studiert hat, aber schnell merkte, dass das nichts für ihn ist. Seit vier Jahren kann er von seinen Auftritten als Superheld und der Agentur leben. Nur im Winter ist der Job nicht ganz das Wahre, deswegen arbeitet er jetzt nebenher noch in einer Bar.

Familie war anfangs skeptisch

Und was sagt Mama zu der Berufswahl ihres Sohnes? „Die Familie war am Anfang nicht so begeistert“, erzählt er. Seine Mutter kommt inzwischen aber ab und zu nach Stuttgart und schaut ihrem Sohn bei der Arbeit zu. „Sie freut sich jetzt für mich.“

Während das Deadpool-Double mit einer Gruppe Jugendlicher ein Bild macht, fährt ein Streifenwagen an ihn heran. Die Polizistin lässt das Fenster herunter. „Uns wurde gesagt, hier läuft jemand mit Kostüm und Waffen rum“, sagt sie. „Wir wollten nur nachhaken, ob alles in Ordnung ist.“ Ja, klar, sagt Benjamin Zimmer. „Wir sind hier für die Zeitung unterwegs.“ Viel Spaß wünscht ihm die Polizistin, bevor der Streifenwagen sich wieder in Bewegung setzt. Spaß hat Benjamin Zimmer auf jeden Fall. Schließlich sieht er jeden Tag strahlende Gesichter: „Mein Ziel ist es, Menschen glücklich zu machen.“

Spiderman für die nächste Firmenparty

Während auf der Homepage der Agentur nur Spiderman und Batman und Robin zu sehen sind, hat sich die Superhelden-Truppe inzwischen sichtlich vergrößert. „Es gibt noch einen Joker, eine Harley Quinn, eine Catwoman. Einen Aquaman haben wir auch, der Film läuft ja gerade im Kino“, erzählt Benjamin Zimmer.

Buchen kann man einen der Superhelden auf der Homepage www.rent-a-superhero.de. Dort wählt man auch direkt einen Tag und eine Uhrzeit für den Besuch aus. sei

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