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Stuttgart 21
Stuttgart / Daniel Grupp Stadt und Region drängen auf einen Interimshalt am Flughafen, wenn keine S-Bahnen mehr zur Station Terminal fahren.

Kann die Stadtbahn das erwartete Fahrgastaufkommen stemmen oder muss beim Flughafen ein Interimshalt für die S-Bahn angelegt werden, wenn sie ein Jahr lang nicht zur Station Terminal fahren kann? Die Stadt und der Verband Region Stuttgart (VRS) sind der Ansicht, dass der Airport auch während der Bauzeit eine leistungsfähige S-Bahn-Anbindung benötigt. Sie fordern daher in Stellungnahmen zur weiteren Planung einen Interimshalt vor der Einfahrt des Flughafentunnels. Die provisorische Station läge westlich des Parkplatzes P 0.

Die S-Bahn am Flughafen erhält ein drittes Gleis, damit die Gäubahn über den Flughafenbahnhof und den Fildertunnel zum neuen Tiefbahnhof im Zentrum geführt werden kann. Wegen Stuttgart 21 entfällt die bisherige Anbindung der Gäubahn. Um schneller das Gleis bauen zu können, verliert der Flughafen etwa ein Jahr lang den S-Bahn-Anschluss. Eine Alternative wäre, bei laufendem Betrieb zu bauen. Das ist aber unter „rollendem Rad“ nach Angabe der Deutschen Bahn zeitraubend. Zudem würde der S-Bahn-Verkehr häufig unterbrochen, so dass Fahrgäste oft unsicher wären, ob gerade eine S-Bahn verkehrt. Eine weitere Folge der Unterbrechung ist, dass Filderstadt-Bernhausen, die Endstation der S 2, nicht angefahren wird. „Ein Jahr ohne S-Bahn ist für die Fahrgäste und alle Beteiligte die bessere Bauweise“, sagt Gerhard Rotermund, der im Tiefbauamt der Landeshauptstadt das Bahnprojekt begleitet.

Leistungsfähiger Ersatz

„In dieser Zeit müssen leistungsfähige Ersatzverkehre zur Verfügung stehen“, fordert der Verkehrsausschuss des VRS – sowohl der Flughafen als auch Bernhausen müsse „fahrgastfreundlich“ angebunden werden.

Eine tragende Rolle sollen die Stuttgarter Straßenbahnen übernehmen. Die SSB erweitert gerade die Linie U 6 bis zur Endstation Flughafen/Messe. „Die U-6-Verlängerung ist realistisch bis zum Baubeginn der S-Bahn“, sagte Gerhard Rotermund jüngst im Verkehrsausschuss des Gemeinderats. Dies bestätigt Volker Christiani, Chefplaner der SSB. Ende 2021 werde die U 6 den Betrieb aufnehmen.

Zudem könnte eine weitere Stadtbahn, sie wird oft als U 17 bezeichnet, S-Bahn-Passagiere zwischen Vaihinger Bahnhof und Flughafen befördern. Dazu müsste beim SSB-Zentrum in Möhringen ein relativ kurzes Gleis gelegt werden, dass die Trassen aus Vaihingen mit der U 6 verbindet.  „Diese Gleise wollen wir sowieso bauen“, bestätigt Christiani. Die Schienen sollen die Ein- und Ausfahrt in den Betriebshof flexibler machen, zudem sind sie für die geplante Linie von Dürrlewang zum Flughafen erforderlich, die einmal U 17 heißen soll. Der städtische Betrieb sieht ein Potenzial für die Tangentialstrecke zwischen Vaihingen, Möhringen und Flughafen samt den angrenzenden Gewerbegebieten.

Die Linie Vaihingen – Flughafen wäre aus Sicht von Christiani ein „reiner Ersatzverkehr. Das muss dann jemand bezahlen“. Denn diese Verbindung hält der Planer zwar für rechtzeitig machbar, aber nicht für rentabel. Daher dürften die Kosten nicht der SSB aufgebürdet werden.

Ein Kilometer zum Terminal

Ein Gutachten kommt zum Ergebnis, dass die Stadtbahnen, ergänzt um Busse, zwar den Regelverkehr zum Flughafen meistern können, aber nicht bei großen Messen: „Das Konzept ist nicht tragbar, wenn Messeverkehr hinzukommt“, sagt Rotermund. Daher fordern die Stadt und die Region den Interimshalt am Landesflughafen. Die Fahrgästen müssten dann etwa einen Kilometer zum Terminal zurücklegen.

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Der Airport setzt auf Wachstum

Mehr Passagiere als derzeit erwartet der Stuttgarter Flughafen in den nächsten Jahren. Daher werden auch mehr Besucher den ÖPNV nutzen, sagt ein Sprecher der Flughafen GmbH. Desto wichtiger sei es, dass die Stadtbahnen den Airport erschließen. Der Flughafen habe sich aber noch nicht festgelegt, ob ein Interimshalt für die S-Bahn gefordert wird.

Den langen Weg vom provisorischen S-Bahn-Halt zu den Terminals könnte ein Laufband erleichtern. Bei den Parkhäusern P 2 und P 4 gibt es bereits einen solchen „People Mover“. Da die Parkhäuser ohnehin erweitert werden sollen, könnte auch die Verlängerung des „Fahrsteigs“ erwogen werden. dgr