Böblingen Bei Böblingen und Sindelfingen entsteht Klinikum für 350 Millionen Euro

Pläne, das Sindelfinger Krankenhaus zu erhalten und zu erweitern und dafür die Böblinger Klinik zu schließen, kommen nicht zum Tragen. Stattdessen entschied sich der Verbund für einen Neubau zwischen den Städten.
Pläne, das Sindelfinger Krankenhaus zu erhalten und zu erweitern und dafür die Böblinger Klinik zu schließen, kommen nicht zum Tragen. Stattdessen entschied sich der Verbund für einen Neubau zwischen den Städten. © Foto: Klinikverbund Südwest
Böblingen / RAIMUND WEIBLE 30.01.2015
Der Klinikverbund Südwest in Böblingen steht vor seiner bisher größten Herausforderung: Dem Bau eines neuen Klinikums für 350 Millionen Euro. Es soll zentral auf dem Areal "Flugfeld" an der A 81 entstehen.

Noch fehlt die Freigabe der Planungskostenrate durch das Landeskabinett. Doch dass das Plazet des Ministerrats bald erfolgt, davon ist der Böblinger Landrat Roland Bernhard (parteilos) überzeugt. Schließlich haben bereits der Landeskrankenhaus-Ausschuss und das Sozialministerium empfohlen, das Projekt umzusetzen. "Damit haben wir die erste Hürde genommen", sagt Bernhard. Das Projekt ist eines der größten, das je von der öffentlichen Hand im Landkreis Böblingen in Angriff genommen wurde: Der Bau eines zentralen Klinikums genau zwischen den Städten Böblingen und Sindelfingen.

Bauherr wird der kommunale Klinikverbund Südwest sein, der die Krankenhäuser in Böblingen, Sindelfingen, Herrenberg, Leonberg, Nagold und Calw betreibt. Ziel ist es, Ersatz zu schaffen für die beiden Krankenhäuser von Böblingen und Sindelfingen. Von der Zusammenlegung verspricht sich der Klinikverbund medizinische und wirtschaftliche Vorteile. Würden die beiden nur drei Kilometer Luftlinie von einander entfernten Krankenhäuser weitergeführt, entstünde nach einem Gutachten in den kommenden 50 Jahren ein Defizit von einer halben Milliarde Euro.

Das Sindelfinger Krankenhaus, das der Stadt gehörte, und das früher vom Landkreis getragene Böblinger Haus kooperieren schon seit 2006 miteinander. Einige Doppelstrukturen hat der Klinikverbund zwar inzwischen beseitigt. Beispielsweise gibt es jetzt nur noch eine Unfallchirurgie und eine Geburtsklinik. Doch die Synergieeffekte konnten nicht verhindern, dass die Häuser rote Zahlen schreiben. Insgesamt verbuchte der Klinikverbund im vergangenen Jahr ein Defizit in Höhe von 17 Millionen Euro. Ausgegangen war die Geschäftsleitung sogar von einem Minus in Höhe von 23 Millionen Euro. Dies konnte der Klinikverbund um sechs Millionen reduzieren. Dieses Ergebnis wird die Landkreise Böblingen und Calw entlasten, denn sie müssen die Defizite ausgleichen.

Nach jetzigem Stand rechnet der Klinikverbund damit, dass der Bau des Mega-Projekts mit rund 700 Betten sieben Jahre dauern wird. Als Eröffnungstermin wurde das Jahr 2022 genannt. Landrat Bernhard, der auch dem Aufsichtsrat der Klinik-Holding vorsitzt, will auf absolute Kostendisziplin achten. Er möchte kein Desaster wie bei der Elbphilharmonie in Hamburg, dem Flughafen in Berlin oder beim Bahnhofsprojekt von Stuttgart erleben.

Alle anderen Häuser des Klinikverbunds sollen bestehen bleiben. Dort wird ebenfalls kräftig investiert werden müssen, um die Kliniken auf einem guten Stand zu halten. In Leonberg ist vorgesehen, 38 Millionen Euro zu investieren, in Herrenberg 24 Millionen Euro. Der Baugrund auf dem Flugfeld, einst Standort des Landesflughafens, ist für den Klinikneubau bereits reserviert. Offen blieb bisher, welchen Preis die Stadt Böblingen als Eigentümerin dafür verlangt. Der Böblinger OB Wolfgang Lützner strebt eine "vernünftige Lösung" an.

Verbund will alle sechs Kliniken erhalten

Sechs Standorte Der Klinikverbund Südwest hält in seinen sechs Standorten in Böblingen, Calw, Herrenberg, Leonberg, Nagold und Sindelfingen 1525 Betten vor. 2016 nahmen die Kliniken 74.660 Patienten stationär auf, etwa 300.000 Patienten wurden ambulant behandelt. Zum Vergleich: 2006 lag die Zahl der stationären Patienten bei 67.764. In diesem Jahr wurde der Klinikverbund gegründet. Der Verbund beschäftigt 4300 Mitarbeiter.

Kein Ausbau Ziel des Verbunds ist, alle sechs Standorte zu erhalten. Größte Einheit ist das Krankenhaus in Sindelfingen. Die Idee, diesen Standort zu erweitern und das Krankenhaus Böblingen zu schließen, wurde verworfen, weil der Neubau bei laufendem Klinikbetrieb hätte erfolgen müssen.

 

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