Stuttgart / RAIMUND WEIBLE  Uhr
Der Wille ist da, doch das Vorhaben kommt nur schrittweise voran: der barrierefreie Ausbau der S-Bahn-Stationen in der Region Stuttgart. 32 von 83 Haltepunkten sind für Behinderte ohne Hilfe ungeeignet.

"Unser Eindruck ist: Man bemüht sich, was zu tun. Aber es dauert." Stefan Pfeil vom Sozialverband VdK gehört zu den Leuten, die die Bahn stetig ermahnen, für barrierefreien Zugang zu den Bahnstationen zu sorgen. Der Referent für sozialpolitische Grundsatzfragen sagt: "Wir erheben da ständig unsere Stimme."

Für Behinderte ist es nach wie vor ein Problem, selbstständig den öffentlichen Nahverkehr zu benutzen. Denn längst sind nicht alle Stationen stufenfrei ausgebaut. 32 von 83 S-Bahn-Stationen im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) haben keinen ebenerdigen Zugang zu den Bahnsteigen und die Bahnsteige sind zu niedrig. Es fehlt auch an tastbaren Leitstreifen in den Böden, die Blinden und Sehbehinderten die Orientierung ermöglichen.

Der Verband Region Stuttgart (VRS) als Verkehrsträger verweist darauf, dass sich einiges getan hat in letzter Zeit. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden an 22 Stationen 36 Aufzüge, ein People-Mover und zwei Rampen gebaut. Marbach, Backnang (Gleis 1), Böblingen, Renningen, Benningen im Kreis Ludwigsburg (Gleis 2) und Malmsheim (Kreis Böblingen) wurden barrierefrei. Nach einer Berechnung des VRS sind derzeit 72 Prozent der rund 400 000 täglichen Einstiege von Fahrgästen ohne großen Höhenunterschied möglich.

Bleiben aber noch die 32 Stationen ohne Barrierefreiheit. Alles gleichzeitig in Angriff zu nehmen, halten Bahn und Verband Region Stuttgart für finanziell nicht leistbar. Daher hat der Verband Region Stuttgart zusammen mit der DB-Abteilung Station & Service eine Prioritätenliste aufgestellt. Auf diese Liste gelangten die Stationen mit den höchsten Fahrgastzahlen: Ludwigsburg, Rommelshausen, Esslingen-Mettingen und Maubach.

Bereits auf dem Weg ist der barrierefreie Ausbau der Station Feuerbach. In Kürze sind nach VRS-Angaben die Planungen abgeschlossen. Mit den Genehmigungen sei auch bald zu rechnen. Bis Herbst 2018 könnte das Vorhaben realisiert werden, sagte VRS-Sprecherin Dorothee Lang. Der VRS übernimmt, um die Sache zu beschleunigen, die Planungskosten.

Die Baukosten selbst hat in der Hauptsache die Deutsche Bahn zu tragen. Sie tut sich schwer damit, die Millionen für den Umbau so vieler Stationen aufzutreiben. Aber es liegt nicht nur am Geld, dass die Projekte nur langsam vorankommen und der Tag fern ist, an dem alle S-Bahn-Stationen behindertengerecht ausgestattet sind. Es tun sich technische Probleme auf, gerade an den Stationen mit Mischverkehr. Auch am Bahnhof Ludwigsburg. Dorothee Lang: "Da gibt es noch Gespräche mit allen Beteiligten."

Fehlende Einrichtungen für Behinderte sind ein Ärgernis. Noch ärgerlicher aber ist laut Stefan Pfeil, wenn Rolltreppen und Aufzüge an eigentlich barrierefreien Stationen ausfallen. Aktuelles Beispiel: An der S-Bahn-Station Feuersee funktionierten dieser Tage morgens die Rolltreppen nicht. Nach Pfeils Beobachtungen dauert es viel zu lange, bis solche Defekte repariert sind. Auf Stationen ohne Barrierefreiheit könnten sich Behinderte einrichten und statt ihnen andere benutzen. Doch bei Ausfällen wie am Feuersee stünden sie vor dem Problem, auf unvorhergesehene Hindernisse zu stoßen. Pfeil vermutet, dass es bei der Bahn am mangelnden Personal liegt, dass Reparaturen nur mit Verzug ausgeführt werden.

Drei Aufzüge für den Bahnhof Bietigheim-Bissingen

Bahnsteige Die Deutsche Bahn baut den Bahnhof Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) in den kommenden eineinhalb Jahren barrierefrei aus. Die Station erhält drei Aufzüge von der Bahnsteigunterführung zu den Bahnsteigen Gleis 3/4, 7/8 und 9/10. Darüber hinaus lässt die DB Station & Service AG die Bahnsteige an den Gleisen 3/4 und 9/10 mit einer Höhe von 76 Zentimetern neu bauen.

Kosten An den Kosten für die Modernisierung des Bahnhofs von sechs Millionen Euro beteiligen sich der Bund, die Bahn, das Land und die Stadt Bietigheim-Bissingen. Die Aufzüge und die verbesserten Bahnsteige erleichtern Reisenden mit eingeschränkter Mobilität, aber auch Eltern mit Kinderwagen und Fahrgästen mit Gepäck das Ein- und Aussteigen.

EB