Stuttgart 21 Käferkot: Bahn erstattet Anzeige wegen Betrugs

Bei Rodungen zu Stuttgart 21 wurde eine Flasche mit Käferkot gefunden.
Bei Rodungen zu Stuttgart 21 wurde eine Flasche mit Käferkot gefunden. © Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Stuttgart / Daniel Grupp 19.02.2018
Gutachter stellen an Bäumen Manipulation mit Käferkot fest. Projektgesellschaft will die Verursacher zur Verantwortung ziehen.

Die Bahn wird „wegen Betrugs und möglichen Verstößen gegen das Artenschutzgesetz Anzeige erstatten“, kündigte am Montagnachmittag Jörg Hamann, Pressesprecher der Bahntochter Projekt Stuttgart–Ulm GmbH, an. Die Anzeige richte sich gegen Unbekannt. Damit reagiert die Bahn auf den Fund von Kot und Chitinpanzer von Rosenkäfern an zwei Bäumen, die im Rosensteinpark gefällt wurden. An den Bäumen wurden zwar keine Käfer gefunden, jedoch in einem Hohlraum eine Flasche mit Kot und Käferüberresten. Dies brachte die Gutachterin Dr. Petra Strzelczyk vom Leipziger Büro Bioplan zu der Feststellung: „Die Vielzahl dieser Chitinreste und das Arteninventar lassen hier keine Zweifel an einer gezielten Manipulation.“ Ein Mitarbeiter von Strzelczyks Büro hat als vom Eisenbahnbundesamt (EBA) geforderter „unabhängige Gutachter“ die Baumfällarbeiten im Rosensteinpark begleitet und den Fund untersucht.

Während Strzelczyk im Gutachten bei der gefällten Robinie Nr. 35 von einer „gezielten Manipulation“ schreibt, schwächt sie diese Aussage bei der Robinie 36 etwas ab. Dort wurden „wenige Kotpillen von Rosenkäfern am Stammfuß gefunden“. „Auch hier ist davon auszugehen, dass es sich um eine Manipulation handelt und die Kotpillen nicht auf natürlichen Weg an den Stammfuß gelangt sind“, heißt es im Gutachten. Rosenkäfer sind wichtig, weil sie darauf hinweisen, dass auch der besonders geschützte Juchtenkäfer in dem jeweiligen Baum lebt.

Weil durch die Rücksicht auf die geschützten Käfer beim Bahnprojekt erhebliche Mehrkosten entstanden sind, könnten sich die Täter nach Ansicht der Bahnjuristen des Betrugs schuldig gemacht haben. Zudem müssten die im Rosensteinpark gefundenen Panzer der Käfer irgendwo eingesammelt worden sein, erläutert Projektsprecher Hamann. Das könnte dann ein Verstoß gegen das Artenschutzrecht sein. Falls Tatsächlich ein Verursacher der Manipulation gefunden wird, behält sich die Bahn vor, zivilrechtlich ihre Mehrkosten einzuklagen.

Zudem soll die Grundlage der Kartierung von sechs weiteren geschützen Bäumen im Rosensteinpark noch einmal unter die Lupe genommen werden, kündigt Hamann an. Es soll geprüft werden, ob die Annahme, dass dort geschützte Käfer leben, angesichts des Manipulationsverdachts tatsächlich stichhaltig ist. In dem Abschnitt sollten die Tunnel für Fernzüge und S-Bahnen in Richtung Bad Cannstatt ursprünglich in offener Bauweise hergestellt werden. Um die Bäume zu schützen, werden die Röhren jetzt aber bergmännisch, also unterirdisch, vorangetrieben. Hamann spricht von Mehrkosten von 20 Millionen Euro.  

Der Bahnsprecher regt zudem an, „die Manipulation des Nachweises geschützter Arten“ unter Strafe zu stellen.

Die Gegner Projekts Stuttgart 21 weisen den Vorwurf zurück, sie könnten den Käferkot im Park deponiert haben, um das Bauprojekt zu behindern. Auf der 405. Montagsdemo am Abend wollen sie die „Fake-Fäkalien-Legende der Bahn“ als eine „kurzfristige Ablenkung von ihren gigantischen Problemen“ brandmarken.

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