Remstal-Gartenschau Auf der Zielgeraden platzen Träume

Die Arbeiten am Spielfeld beim Talaue-See in Waiblingen sind schon ziemlich weit vorangeschritten. 
Die Arbeiten am Spielfeld beim Talaue-See in Waiblingen sind schon ziemlich weit vorangeschritten.  © Foto:   Ingrid Sachsenmaier
Waiblingen / Von Ingrid Sachsenmaier 26.10.2018

Rund 200 Tage bleiben noch Zeit bis ein interkommunales Großprojekt eröffnet wird. 16 Kommunen an der Rems und im Remstal bereiten eine Gartenschau vor. Sie haben sich auf einer Strecke von etwa 80 Kilometern viel vorgenommen – gemeinsam und jede für sich. Jetzt, auf der Zielgeraden, müssen sie erkennen, dass manche Träume platzen: Nicht alle Ideen sind realisierbar, einige Projekte werden wesentlich teurer. 60 Millionen Euro wurden vor einem Jahr als Gesamtkosten hochgerechnet, am Ende könnten es 65 Millionen werden, kalkuliert Pressesprecherin Claudia Ingelmann von der Remstal Gartenschau GmbH.

Dennoch überwiegen Optimismus und Vorfreude. In Kernen-Stetten profitiert die neue Boulder-Wand vom herrlichen Wetter. Es ist die erste im Remstal, im Juli wurde sie in der Nähe der Glockenkelter eingeweiht. In Waiblingen sind rund 200 Silberweiden auf der Kunstlichtung im vorigen Jahr gepflanzt worden und mittlerweile angewachsen. Unweit davon nimmt das Spielfeld am Talaue-See Gestalt an. Die Holzpfähle stehen, arrondierende Erdarbeiten sind im Gang. Ebenfalls in der Talaue, unweit des Bürgerzentrums, sind die Rems-Terrassen seit Monaten fertig und werden gerne genutzt – von Sonnenanbetern, Kindern und zur Rast in der Mittagspause. Der Seeplatz in Korb wurde im September eingeweiht.

Zunächst war vorgesehen, die Remstal Gartenschau Anfang April 2019 zu starten. Zu früh, um blühende Pflanzenbeete zeigen zu können, hat man voriges Jahr erkannt und die Eröffnung um 41 Tage nach hinten, auf den 10. Mai verschoben. Dennoch steigt der Druck, alles rechtzeitig fertig zu bekommen. Das liegt auch daran, dass manche Projekte wegen Baukostensteigerungen nochmal einer Beratung im Gemeinderat bedürfen. Zudem sind viele Handwerker stark nachgefragt und häufig ausgebucht. „Die haben quasi überhaupt keine Kapazitäten frei“, erklärt Thorsten Englert, in Personalunion Geschäftsführer der GmbH und Finanzbürgermeister in Schorndorf.

Vor wenigen Tagen musste Englert dem Gemeinderat in der Daimlerstadt vorschlagen, bei der sogenannten Stuttgarter Brücke abzuspecken. Der Steg, eine Holzkonstruktion, war gedacht, um den Radweg entlang der Rems ohne Unterbrechung anbieten, vom ADFC zertifizieren und als 4-Sterne-Radweg ausweisen zu können. „Das kriegen wir hin“, zeigt sich Englert optimistisch, allerdings mit der billigeren Variante, einem Steg aus Metall.

Die Gartenschau wird mit 20 Millionen Euro vom Land und zwei Millionen Euro von der Region bezuschusst. Diese Gelder fließen beispielsweise in die Gewässer-Struktur, den Wanderwege-Ausbau und die Kanuroute. Hier ließ sich letztendlich nur die verkürzte Variante von Weinstadt nach Waiblingen durchsetzen, angedacht war die Strecke von Winterbach bis Waiblingen für Kanus anzulegen.

Aus dem Fördergelder-Topf werden auch die 16 Stationen bezuschusst. Das ist ein Architekturprojekt, an dem sich renommierte Architekten beteiligt haben. Jeder Kommune – von Essingen bis Fellbach – wurde per Los ein Objekt zugesprochen. In Fellbach ist im Wiflinger das Gelände  in den Weinbergen für die Pagode aus Metall mittlerweile gerodet, bald sollen die Fundamente in die Erde kommen.

Insgesamt 100 Daueranlagen soll es bei der Gartenschau geben, „der Zeitdruck wächst“ beobachtet Pressesprecherin Ingelmann. Die Rems-Kuben in Waiblingen werden daher erst im Jahr 2020 fertig sein, auch die Grafenbergkapelle in Schorndorf wird erst nach der Gartenschau saniert. Das sei kein Beinbruch, sagt Ingelmann. Schließlich solle die Remstal Gartenschau das Tal insgesamt touristisch aufwerten und auch über das 164 Tage lange Event hinaus attraktiv machen. Etwa 70 neue, zusätzliche Wohnmobilstellplätze zielen in diese Richtung.

Start in Schorndorf – Ende in Waiblingen

Eröffnet wird die Remstal Gartenschau zentral am 10. Mai in Schorndorf, der Abschluss ist am 19. Oktober in Waiblingen. Ereignisse, an denen sich alle 16 Kommunen beteiligen, sind zum Beispiel am 18. Mai die „Nacht der Museen“ und am 21. Juli „Baden-Württemberg spielt“.

Die Remstal Card gibt es in den 16 Gartenschau-Kommunen bis 15. Februar 2019 im Vorverkauf für Erwachsene zum Preis von 40 und ermäßigt für 20 Euro. Es besteht die Möglichkeit, die Karte online zu bestellen. Mit der Card kann man beispielsweise vergünstigt kostenpflichtige Events während der Gartenschau  besuchen.

Das Thema Genuss spielt 2019 eine bedeutende Rolle. Die GmbH arbeitet derzeit an einem Konzept für „Genuss-Busse“. 40 Weingüter werden mitmachen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel