Es ist keine Volksfestzeit. Dennoch war am Samstagabend in Stuttgart Tracht angesagt. Eltern hatten selbst ihre Kinder mit Dirndl und Lederhosen ausgestattet. Schließlich erwarteten sie eine Riesengaudi. Andreas Gabalier machte auf seiner Stadion-Tour 2019 Station in der Mercedes-Benz-Arena. Diese war mit 50.000 Fans ausverkauft. Alle wollten den Mann sehen, der immer in seiner enganliegenden kurzen Lederhose auftritt und Lieder wie „Hodo odi ohh di ho“ intoniert, die jeder mitsingen kann.

Auch Simone Stoll aus Filderstadt hatte sich mit einem Dirndl auf den Weg gemacht. „Uns gefällt das“, meinte ihr Mann Rainer. Das Konzert vor der eigenen Haustür wollte sich das ältere Ehepaar nicht entgehen lassen. Auch ihre Freunde Elisabeth und Günter Kurz finden Gabalier toll. Er sei eben ein „lockerer Typ“.

Der selbst ernannte „Volks-Rock‘n‘Roller“ hat in den vergangenen zehn Jahren mit seiner Mischung aus Schlager und Popmusik Millionen zu seinen Fans gemacht. Seine Musik ist geradlinig und eingängig – zum Mittanzen und Mitklatschen. Die Lieder handeln von Heimat, Liebe, Freundschaft und tiefen Gefühlen. „Des is dahoam“, sagt er und singt von „heiler Welt“ und „Lebensfreude“ in der Steiermark. Mit ihrer Begeisterung für Gabalier hat Rosi Merk auch ihre Freundinnen infiziert. Zu sechst sind die Frauen aus Oberbayern angereist. Das Menschliche und Traditionelle schätze sie an dem Musiker, besonders die Heimatverbundenheit gefällt der 42-Jährigen. Ihrer Freundin Anita Schmid imponiert, dass er mit seinen Liedern die Massen begeistern kann.

Mehr als Heimatkitsch?

Schon zu Beginn der Show hält es das Publikum auf den Rängen nicht mehr auf den Sitzen, als Gabalier seinen Hit „I sing a Lied für di“ anstimmt. Mit einem kleinen Feuerwerk auf der Bühne startet der Musiker mit seiner hervorragend eingespielten Band in eine knapp dreistündige eindrucksvolle Show. Immer wieder bedankt er sich bei den Stuttgarter Fans für ihre Treue und den „Wahnsinnszuspruch“.

Er singt davon, wie es sich mit 16 Jahren angefühlt hat und vom Steirerland, wo man nur im Dirndl tanzen geht und Freundschaft ein Leben lang hält. Die Tracht gehört bei ihm selbstverständlich dazu. Inzwischen hat er sogar eine eigene Modekollektion. Auf der Bühne leistet er bei mehr als 30 Grad Schwerstarbeit. Er lässt das Publikum mitsingen. Und er macht allen klar, dass es einer, „der für Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit steht, es nicht so ganz einfach hat in heutiger Zeit und in der Medienwelt“.

Kritik an Liedtexten

Gabalier spielt auf die Kritiker an, die ihm eine Nähe zu völkischem Gedankengut unterstellen. So heißt es im Lied „Bergkamerad“, dass Kameraden zusammenhalten, „wie ein eisernes Kreuz, das am höchsten Gipfel steht“. Und Gabalier sagt, dass „man es nicht leicht hat auf dieser Welt, wenn man als Manderl noch auf ein Weiberl steht“. Die österreichische Bundeshymne singt er nur in der alten Version mit der Zeile „Heimat bist du großer Söhne“, unterschlägt die Töchter und beklagt sich über den Gender-Wahn. Das gehe über Heimatkitsch, religiöse Gefühle und überholte Rollenbilder hinaus, meint ein Kritiker.

Fragt man die Fans im Stadion, ob in Gabaliers Texten auch rechte Gesinnung stecke, dann schütteln sie entschieden den Kopf. Das findet Katrin aus Albstadt „völlig aus der Luft gegriffen“. Gabalier mache durch seine Musik die Menschen glücklich. Schon ihr fünfjähriger Sohn sei Gabalier-Fan, sagt die 33-Jährige. Ihr gefällt auch, dass er in seinen Songs dazu auffordert, eine eigene Meinung zu haben und die Welt mit eigenen Augen zu sehen.

Gabalier bedankt sich beim Publikum, „dass ihr über die eine oder andere Schlagzeile hinweggelesen habt“, und sagt „schön, dass ihr mich so nehmt wie ich bin“. Mit Kanten und Ecken sei es immer noch besser. „Ein grundeinfacher steirischer Bauernbub steht vor euch“, erklärt er. Und schafft es, dass es mucksmäuschenstill ist im Stadion – etwa bei dem Lied, das er seiner früh verstorbenen Schwester gewidmet hat. Ihm ist bewusst, dass er im Musikolymp angelangt ist und er sagt auch, dass er dies den Fans zu verdanken hat.

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Kooperation mit Arnold Schwarzenegger


Der am 21. November 1984 geborene Andreas Gabalier ist mit volkstümlicher Musik gepaart mit Pop bekannt geworden. Nach der Handelsakademie studierte er Rechtswissenschaften in Graz. Er textet und komponiert seine Lieder selbst. Im Dezember 2008 spielte Gabalier seine ersten öffentlichen Konzerte. In Deutschland wurde der Österreicher vor allem durch seinen Auftritt bei Carmen Nebel im April 2011 bekannt.  Er hat bislang sechs Alben eingespielt. In diesem Jahr veröffentlichte er mit dem ebenfalls aus Österreich stammenden US-Politiker und Schauspieler Arnold Schwarzenegger den Song „Pump it up“. Seine Tournee 2019 führt durch 14 Stadien. lan