Oper Stuttgart Alles nochmal auf Anfang

Die Stadt mache nicht genug aus sich, sagt Moderator Wieland Backes.
Die Stadt mache nicht genug aus sich, sagt Moderator Wieland Backes. © Foto: Franziska Kraufmann/dpa
Stuttgart / Bettina Wieselmann 17.05.2018

„Was wird aus Stuttgarts Kulturquartier?“ An diese am Dienstagabend im Hospitalhof vor weit über 400 Zuhörern auf Einladung des Vereins „Aufbruch Stuttgart“ diskutierte Frage wird man sich gewöhnen müssen. An einer Antwort fehlt es. Nicht zuletzt, weil wieder völlig offen ist, wo für die Oper während der allseits als notwendig erkannten großen Sanierung eine adäquate Ausweichspielstätte gefunden wird. OB Fritz Kuhn, Ungemach witternd, hatte letzte Woche die Reißleine gezogen und das schon von Stadt, Land und Staatstheater für gut befundene ehemalige Paketpostamt aus Kostengründen gekippt.

Die Podiumsdiskussion mit den Gemeinderats-Fraktionschefs von CDU, Grünen und SPD sowie den „Aufbruch“-Mitgliedern Architekt Arno Lederer, Ex-Staatsgalerie-Direktor Christian von Holst und dem Vereinsvorsitzenden  Wieland Backes machte klar, schnell wird wohl kein Ersatz gefunden. Zumal das Thema Nachnutzung in den Vordergrund rückt: Soll, kann – und wenn wo – ein Interimgebäude später den ebenfalls  dringend gewünschten neuen Konzertsaal aufnehmen?

Viel war auf der Bühne von „neuer Chance“ die Rede – Opernchef Jossi Wieler, Gründungsmitglied des „Aufbruchs“, saß eher skeptisch blickend im Publikum, als Alexander Kotz (CDU) von der „Kombi-Lösung“ mit einer „Philharmonie, die europaweit Ausrufezeichen setzt“ schwärmte. Auch wenn Kotz hinzufügte: „Ich will nicht sagen, dass ich den Ort genau kenne.“ Im Verwaltungsrat der Staatstheater will er am Freitag für ein „Kolloquium“ mit allen Beteiligten werben.

Lederer heimste den meisten Beifall ein, als er einen „Blick von außen“ auf die  Gesamtproblematik Kulturquartier entlang der trennenden Verkehrsschneise B 14 forderte. „Die Stadt hat bewiesen, dass sie ihre Probleme nicht lösen kann.“ Internationale Experten sollten deshalb erst einmal in einem Ideenwettbewerb den Stadtraum neu denken, und zwar ohne feste Vorgaben wie die vielbeschworene angebliche Unantastbarkeit des Königin-Katharina-Stifts neben dem Theater: „Da lernt die Verwaltung auch was!“ Backes sekundierte: „Die Stadt macht nicht genug aus sich.“ Andreas Winter (Grüne) reagierte etwas verschnupft. Es gebe Beschlüsse: „Wir sind schließlich gewählt.“ Unisono versicherte man sich, offen und mutig sein zu wollen.

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