Verkehr Aktivisten packen Autos in Plastikfolie

Daniel Grupp 19.12.2017
In Stuttgart haben Radfahrer mit einer weihnachtlichen Protestaktion auf falsch geparkte Autos aufmerksam gemacht.

Schön verpackt haben am Montagmorgen im Stuttgarter Süden einige Fahrer ihre Autos vorgefunden. Es war aber nicht der Weihnachtsmann, der mit Plastikfolie und Absperrbändern Päckchen geschnürt hat. Der hätte vermutlich mit seinem Schlitten ohnehin keinen Stellplatz gefunden.

Darum ging es nämlich: Einige Aktivisten haben im Heusteig- und Lehenviertel gegen das Parkverhalten mancher Zeitgenossen protestiert. Sie haben Autos verpackt, die besonders rücksichtslos abgestellt waren, und die Päckchen mit einer Botschaft wie „Kannst so parken, ist dann halt scheiße“, verziert. Die Aktion hat in den sozialen Medien bundesweite Aufmerksamkeit erregt. Auch Sven Matis, Sprecher der Stadt Stuttgart, hat reagiert und gepostet, dass Falschparken ein großes Ärgernis in Stuttgart sei. Matis kündigt an, dass die Stadt im kommenden Jahr energischer vorgehen werde, da zusätzliches Personal eingestellt werde.

In Stuttgart ist es generell schwierig, eine freie Fläche fürs Fahrzeug zu finden. Da wird vor allem abends die Blechkiste auf jede scheinbar geeignete Fläche abgestellt. Das können dann auch Geh- oder Radwege sein. Oft stehen die Autos so dicht beieinander, dass Fußgänger kaum noch zwischen den Wagen durchkommen, geschweige denn Menschen mit Rollstühlen, Kinderwagen oder Rollatoren.

Für Kinder eine große Gefahr

In ihrem Blog „Radfahren in Stuttgart“ weist die Grüne Stadträtin Christine Lehmann auf die Aktion hin. „Kinder geraten in Gefahr, weil sie nicht erkennen können, ob ein Auto kommt, wenn sie die Straße überqueren wollen, denn sie können nicht über die Autodächer hinweg sehen wie wir Erwachsenen“, schreibt Lehmann. Nach ihrer Einschätzung sind die Falschparker Bewohner des Viertels. Es gebe dort kaum Garagen. Wegen der dichten Bebauung sei es extrem schwierig, Parkplätze zu finden. Weil die Aktivisten womöglich auch das Vehikel eines Nachbarn eingetütet haben, wollten sie lieber anonym bleiben. Aber auch die Falschparker machten offenbar keine große Geschichte aus der Packaktion. Bei der Polizei habe sich niemand gemeldet, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums.