Feinstaub-Alarm Feinstaub-Alarm: Das sollten Sie jetzt wissen

Feinstaub-Messgeräte in Stuttgart vor Wand zur Staubreduktion: Fragen und Antworten zum Thema.
Feinstaub-Messgeräte in Stuttgart vor Wand zur Staubreduktion: Fragen und Antworten zum Thema. © Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Stuttgart / Dominique Leibbrand 13.10.2017
Wann wird Feinstaub-Alarm ausgelöst? Warum gilt der Appell nur im Winter? Und: Kommen bald Fahrverbote? Fakten zum Feinstaub-Alarm im Überblick.

Die Schadstoff-Grenzwerte in Stuttgart werden nach wie vor gerissen, weshalb die Stadt zwischen 15. Oktober und 15. April erneut an Autofahrer appelliert, auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umzusteigen. Antworten auf wichtige Fragen.

Wann könnte der erste Alarm ausgelöst werden? Stabiles Hochdruckwetter ohne Wind und Regen könnte Stuttgart bereits am Montag den ersten Feinstaub-Alarm bescheren, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilt. Sollte sich die Lage nicht mehr ändern, wird der Alarm, wie üblich zwei Tage vorher, also am Samstag, ausgelöst. Komfortkamine dürfen dann bereits am Sonntagabend nicht mehr angeheizt werden.

Auf welcher Grundlage wird der Alarm ausgelöst? Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes entscheiden auf der Grundlage von sechs Kriterien. Zu diesen gehören unter anderem eine Feinstaub-Konzentration von mehr als 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an der Messstelle Neckartor, fehlender Regen, Wind aus ungünstiger Richtung oder zu geringe Windgeschwindigkeiten.

Warum gilt der Appell nur zwischen Oktober und April? Besonders in den Wintermonaten kann es zu Wetterlagen kommen, die einen ausreichenden Luftaustausch im Stuttgarter Talkessel verhindern. Warmluft legt sich dann wie ein Deckel auf den Kessel und verhindert das Aufsteigen der Luftschichten darunter.

Wie haben sich die Messwerte entwickelt? Die Luft in Stuttgart wird seit Jahren besser, die EU-Grenzwerte werden dennoch noch deutlich gerissen. 2016 wurde der Feinstaub-Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an 63 Tagen gerissen. Erlaubt sind 35. In diesem Jahr wurden bereits 39 Überschreitungstage gezählt. Bei Stickstoffdioxid bleibt vor allem der Jahresmittelwert, der die kontinuierliche Belastung der Anwohner beschreibt, problematisch: Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, 2016 wurden 82 Mikrogramm registriert. Der bisherige Jahresmittelwert in diesem Jahr liegt nach Angaben der Stadt bei 76 Mikrogramm.

Kommen bald Fahrverbote? Jedenfalls nicht, wie zunächst immer wieder angedroht, zum 1. Januar 2018. In zwei Verfahren ist das Land zwar sozusagen zu Fahrverboten verdonnert worden, will diese aber zunächst nicht umsetzen. Im Juli 2017 hatte das Stuttgarter Verwaltungsgericht gerurteilt, dass Fahrverbote mit Blick auf die Gesundheit der Bürger sofort geboten seien. Dieses Urteil hat die grün-schwarze Koalition an das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig weitergereicht, das entscheiden soll, ob das Land eigenständig Fahrverbote verhängen kann. Viel lieber wäre der Landesregierung allerdings, wenn der Bund ab 2020 die Blaue Plakette einführen würde, die ältere Diesel aus einer blauen Umweltzone ausschließen würde. Auch dem Vergleich, den das Land 2016 mit Anwohnern des Neckartors schloss, will das Land nicht nachkommen. Es hatte sich seinerzeit darauf verpflichtet, den Verkehr rund um die Messstelle um 20 Prozent zu reduzieren, sollten die Luftwerte anhaltend schlecht bleiben. Ein lokales Fahrverbot verstoße wegen Ausweichverkehren jedoch gegen das Verschlechterungsverbot und könnte deshalb nicht umgesetzt werden.