Opern-Interim „Wir stehen jetzt wieder bei Null“

Stuttgart / Dominique Leibbrand 16.05.2018

Wegen seiner Absage an das alte Paketpostamt als Übergangsspielstätte für die Oper und der damit verbundenen Kostenexplosion steht OB Fritz Kuhn (Grüne) weiter in der Kritik. „Wo wir jetzt mit dem Interim stehen, ist für den OB hochnotpeinlich“, sagte Hannes Rockenbauch, Chef von SÖS-Linke-Plus, am Dienstag im Technikausschuss. Er warf der Rathausspitze Intransparenz und Arroganz vor, die ihn an Stuttgart 21 erinnere. Vergangene Woche hatte der OB die Fraktionschefs darüber informiert, dass der Umbau des Postamts zum Übergangsquartier statt 55 Millionen 116 Millionen oder noch mehr kosten könnte. Zu viel, beschied Kuhn. Und zwar, weil das Gebäude als Ergebnis der S-21-Schlichtung für eine Parkerweiterung nach der Zwischennutzung abgerissen werden solle.

Nachhaltige Zwischennutzung

Über die Kostensteigerung wollten die Stadträte eigentlich erst heute im Verwaltungsausschuss sprechen. Doch schon am Dienstag äußerten sich neben Rockenbauch auch andere Gremiumsmitglieder. „Wir stehen jetzt wieder bei Null“, sagte SPD-Fraktionschef Martin Körner, weil es offensichtlich durch Kuhns Absage im Alleingang einen Bruch zwischen Stadt und Land in der Frage gegeben habe. Wobei das nicht ganz klar ist: Während Wissenschaftsminiserin Theresia Bauer und Finanz-Staatssekretärin Gisela Splett (beide Grüne) als Reaktion auf Kuhns Vorstoß davor gewarnt hatten, das Postamt aus dem Spiel zu nehmen, stellte sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann gestern hinter Kuhn. Welche Kosten gerechtfertigt seien, hänge vor allem davon ab, ob und wie das Gebäude nach der Zeit als Interim genutzt werden könne. Für das Gros der Stadträte kommt ein Abriss jedenfalls nicht infrage.

Alexander Kotz (CDU) kommentierte die Misere vergangene Woche so: „Da hat sich der OB aber sauber blamiert.“ Die CDU habe stets darauf gedrungen, zwei Interimsstandorte vertieft zu untersuchen. Kuhn habe aber nur diesen Standort prüfen wollen.

Der Rathauschef steht nicht nur wegen seiner Kommunikation in Sachen Interim am Pranger. Auch im Umgang mit dem Verein „Aufbruch Stuttgart“, der sich für eine Verschönerung der Kulturmeile einsetzt, bescheinigen ihm Stadträte kein glückliches Händchen. Kuhn hatte die Bürgerinitiative um den ehemaligen TV-Moderator Wieland Backes jüngst als „Abriss“-Verein bezeichnet. Diese hatte vorgeschlagen, das denkmalgeschützte Katharina-Stift zugunsten eines Opern-Neubaus abzubrechen.

Die Stadträte lobten im Beisein von Backes und Architekt Arno Lederer das Engagement des Vereins als einen wichtigen Teil der politischen Kultur in der Stadt. Er habe sich von Kuhn einen positiveren Umgang mit derselben gewünscht, sagte Körner. Mit harten Bandagen zu kämpfen, sei in der Politik üblich, sagte Kotz. Jedoch nicht im Umgang mit einer Bürgerinitiative.

Einig sind sich Rathausspitze und Stadträte indes, dass am Fortbestand des Gymnasiums nicht zu rütteln ist. Auch „Aufbruch“ will die Diskussion um das Stift daher nicht fortsetzen, signalisierte Backes. Eine Debatte um alternative Standorte für einen Opern-Neubau will der Verein aber weiter forcieren.

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