Verhalten „Trump wäre eine Herausforderung“

Schlechte Tischmanieren ärgern Silke Schneider-Flaig ganz besonders. Sie achtet auf korrekte Umgangsformen und interpretiert den Knigge zeitgemäß.
Schlechte Tischmanieren ärgern Silke Schneider-Flaig ganz besonders. Sie achtet auf korrekte Umgangsformen und interpretiert den Knigge zeitgemäß. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Von Nadja Otterbach 16.06.2018

Silke Schneider-Flaig ist Juristin, Journalistin und Buchautorin. Die 48-jährige Stuttgarterin gibt Knigge-Kurse und ist bundesweit als Ratgeberin gefragt.

Sie sagen: Gutes Benehmen und richtige Umgangsformen sind Voraussetzung für beruflichen und privaten Erfolg. Wie steht‘s um das Benehmen der Stuttgarter?

Silke Schneider-Flaig: Verallgemeinern will ich nichts, aber Stuttgarter sind halt eigen. Schwaben unterscheiden sich gravierend von Berlinern. Stuttgarter sind stolz, ordentlich und legen Wert auf die Kehrwoche. Das gefällt mir: ‚Wir können alles außer Hochdeutsch’ ist ein Slogan, der passt meines Erachtens perfekt. Stuttgarter sind etwas verschwiegen, legen aber Wert auf Respekt. Sie gelten als eigenbrötlerisch.

Generell: Was läuft schief in Sachen Manieren?

Derzeit herrscht ein Chaos in Deutschland, was Manieren anbelangt. Eine Mischung aus Desinteresse, vorsätzlicher Provokation, pedantischem Perfektionismus und dem Wunsch nach Anstand und gegenseitigem Respekt. Zusammengefasst sehe ich den Grund darin, dass viele Schulen und Behörden keine verbindlichen, klaren Regeln aufstellen, an denen sich Kinder, Erwachsene und Fremde orientieren können.

Für welchen Prominenten hätten Sie noch ein paar Tipps auf Lager?

Donald Trump wäre eine Herausforderung, der ich mich sofort stellen würde. Mein Tipp Nummer eins wäre, dass jemand seinen Twitter-Account pflegt und jeden Tweet gegenlesen kann, bevor die Welt untergeht. Die Faustformel lautet: ‚Think first, Twitter later‘. Trump stampft von einem Fettkübel in den nächsten. Ob er das aus Tollpatschigkeit, Dummheit oder Unfähigkeit tut, das kann ich nicht einschätzen.

Sie haben mehrere Bücher geschrieben zum Thema Knigge. Welche Regel ist die wichtigste?

Da gibt es ein Thema, das mich privat am meisten aufregt: Tischmanieren. Der Umgang mit Messer und Gabel und die Tatsache, dass man nicht mit vollem Mund spricht oder lauthals herumbrüllt. Die wichtigsten Regeln sind außerdem Grüßen und Begrüßen und sich so zu verhalten, dass man niemanden verletzt.

Wenn ich im Fettnäpfchen gelandet bin, wie komme ich wieder raus?

Möglichst eine diplomatisch nette Bemerkung machen und gegebenenfalls später beim Betroffenen entschuldigen, ohne dass es die anderen mitbekommen.

Ein Kapitel Ihres Buches geht ums Thema Kinder-Knigge. Wo sollten Eltern besonders vorbildlich sein?

Eltern sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Sie können dem Kind nicht sagen, was man nicht darf und es selber machen. Etwa aus der Flasche trinken und dann behaupten, das sei erlaubt, wenn man die Flasche selber leer trinke. Mann muss von Anfang an auch die Ausnahmen erklären.

Muss ich mich entschuldigen, wenn ich niese?

Bei Geschäftsessen in noblen Restaurants eher nicht, da man sonst auf sich selbst aufmerksam macht und dies von allen als peinlich empfunden wird. In der Kantine eher, aber nur einmal. Man kann ja nichts dafür. Und wenn immer alle Gesundheit sagen, dann ist es auch peinlich. Bei dieser Regel ändern sich die Ansichten immer wieder. Wirklich wichtig ist, dass man die linke Hand oder noch besser den linken Oberarm vor sich hält.

Viele Menschen starren in der Öffentlichkeit ständig auf ihr Smartphone. Ist das nicht furchtbar unhöflich?

Im Prinzip schon. Allerdings ertappe ich mich selbst oft dabei. Andererseits nutze ich die Zeit, wenn ich zum Beispiel Zug fahre, zum E-Mails-Beantworten. Andere nehmen es auch als Schutzschild, da es ihnen unangenehm ist, mit Fremden zu reden. Ein absolutes No-Go ist, wenn jemand ein Date hat und ständig via Mobil-Telefon mit einer anderen Person kommuniziert.

Stichwort Social Media. Wie präsentiere ich mich hier stilvoll?

Es gibt eine Faustformel: Denke stets daran, dass dein Chef (oder Schüler oder Kollege oder Nachbar) dich auf Facebook, Twitter und Co. sehen kann. Manche Firmen beauftragen bereits Personen, die unliebsame oder zweifelhafte Mitarbeiter überwachen, um gegebenenfalls Gründe für Abmahnungen oder Kündigungen parat zu haben.

Die Urlaubszeit naht. Fällt Ihnen ein Land ein, in dem man schnell als unhöflich gilt?

In Japan ist man sehr penibel. China gilt als grobschlächtig, da schmatzen, schlürfen, laut rülpsen oder auf die Straße spucken nichts Ungewöhnliches sind. Doch die Leute sind entsetzt, wenn jemand in der Öffentlichkeit die Nase putzt. Japan hingegen gilt als extrem perfektionistisch und Etikette ist selbst im Kampfsport wichtig. Gut ist, wenn man in der jeweiligen Landesprache Entschuldigung, Hallo, Danke und Bitte sagen kann und darauf verweist, dass man sich nicht auskennt. Das wird respektvoll empfunden.

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Tipps für Kleidung und Smalltalk

Person Silke Schneider-Flaig wurde in Albstadt (Zollernalbkreis) geboren. Die 48-Jährige lebt in Stuttgart. Die Juristin und Autorin ist bundesweit als Benimm-Expertin bekannt.

Arbeit Sie schrieb mehrere Bücher, zuletzt 2016 „Der neue große Knigge“ im Compact Verlag München, den sie regelmäßig überarbeitet. Darin sammelt sie die wichtigsten Regeln für ein stilsicheres Auftreten. Über fettnäpfchenfreien Smalltalk und Kleidung schreibt sie ebenso wie über die Digitalisierung. Ihr nächstes Buch soll noch 2018 erscheinen. nad

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