Kultur „Stadt am Meer“ war ein Erfolg

Mit dem Skateboard die historische Treppen hinuntergleiten – das war bei „Stadt am Meer“ möglich.
Mit dem Skateboard die historische Treppen hinuntergleiten – das war bei „Stadt am Meer“ möglich. © Foto: Mit dem Skateboard die Treppen des Stadtpalais hinunterfahren – das war bei „Stadt am Meer“ möglich. Foto: Sabrina Volkmann
Stuttgart / Von Caroline Holowiecki 12.09.2018

Skater, die auf historischen Treppen Tricks zeigen, DJs, die die Bässe aufdrehen, junge Leute, die auf dem Rasen Bier trinken und vor der Tür aufblasbare Flamingos treiben lassen. Ob das jedem Museumsdirektor gefallen würde? Torben Giese, der Chef des Stadtpalais, jedenfalls findet es wundervoll. Und die Stuttgarter ebenso. „Stuttgart am Meer“, das urbane Sommerfestival, war ein Erfolg.

Die kompletten Ferien über hat das Museumsteam den sonst ungenutzten Außenbereich bespielt. Im tatsächlichen Wortsinn. Die Besucher konnten sich in einen Pool an der B 14 abkühlen, Tischtennis und Basketball spielen, skaten oder einfach nur in einer Hängematte Musik hören.

Die Welle ist der Renner

Die Resonanz habe Gieses kühnste Erwartungen übertroffen. In der ersten und stärksten Woche habe man 16 000 Besucher gezählt, insgesamt etwa 52 000. Die begleitende Skateboard-Ausstellung sei die bisher stärkste im Salon gewesen. Der Renner war die künstliche Welle. Für den Ritt auf der Woge konnte man sich im Internet anmelden, „wir haben alle Rekorde des Veranstalters gebrochen“, sagt Torben Giese – selbst passionierter Surfer. Er stellt klar: „Es gab in diesem Sommer keinen Ort, der mehr gehypt, der mehr besucht und über den mehr gesprochen wurde.“ Zwar habe es zum Schluss noch wetterbedingte Durchhänger gegeben, aber: „Wir haben ein Statement gesetzt.“

Giese versteht sich als Akteur in der aktuellen Diskussion um mehr Aufenthaltsqualität in der Landeshauptstadt. So mobilisiert der Verein „Aufbruch Stuttgart“ die Massen, indem er die B 14 am liebsten in einen Tunnel unter eine Flaniermeile verlegen würde. Radfahrer-Gruppen machen mobil und erobern einmal im Monat zu Tausenden als „Critical Mass“ die Straßen.

Der Stadtpalais-Chef betont, dass er die Debatte befeuern wollte, indem er eine „städtebauliche Vision ausstellt“. Den großen Publikumszuspruch wertet er als Zeichen, „dass die Geste verstanden wurde“. So sei eine der am besten besuchten Veranstaltungen eine Podiumsdiskussion zum Radfahren gewesen. „Der Saal war mit 250 bis 300 Besuchern gerappelt voll. Da ist so viel Leidenschaft“, sagt der 40-Jährige.

 „Gegenteil von Sommerloch“ nennt Giese seinen Versuch rückblickend. Normalerweise flüchteten die Stuttgarter vor der Hitze aus der Stadt, Kultur finde kaum Zuspruch. Dieses Mal war es anders. Wobei Giese bekennt: Es gab Vorbilder. Zum einen nennt er den jährlichen Pariser Stadtstrand an der Seine, zum anderen die Veranstaltung „Offenbach am Meer“, für die vor Jahren ein Gastronom einen Leuchtturm, einen Flaschenverkauf und Liegestühle an den Main gestellt hatte. „Das hat mir unheimlich gut gefallen damals“, erinnert er sich.

Die Schlagzahl bleibt hoch im Stadtpalais. Im Winter steht der erste Wechsel auf der Sonderausstellungsfläche an. Wo Besucher sich jetzt noch am „Sound of Stuttgart“ satthören können, wird Mitte Dezember eine Manfred-Rommel-Schau eröffnet. Der Alt-OB wäre am 24. Dezember 90 Jahre alt geworden. Die Ausstellung wird zwar sicher gediegener als Skateboard, Surfen und Co. daherkommen, könnte aber wieder ein Coup werden. Zum einen, weil Rommel „der Stuttgarter schlechthin“ war, wie Giese es formuliert, zum anderen, weil zuletzt in der Stadt eine hitzige Diskussion gebrodelt hatte, wie der beliebte Politiker angemessen zu ehren ist. Nach langen Diskussionen wird im Dezember der Straßburger Platz nach ihm umbenannt.

Kein Hipster-Event also, sondern etwas Historisches. Dass die Rommel-Schau dennoch viele anlocken wird, ist anzunehmen. Zumal: Der Rummel ums Stadtpalais ist noch nicht abgeebbt.

Seit der Eröffnung Mitte April wurden 148 000 Menschen an den Türen gezählt. Giese spricht von einer „gigantischen“ Zahl, gleichwohl sagt er: „Wir wissen, dass wir sie nächstes Jahr nicht mehr erreichen werden.“ Erfolg verpflichtet, doch Druck von außen will Giese an sich und sein Team nicht ranlassen. Den machten sie sich schon selbst. „Wir sind absolute Museumswahnsinnige.“

Neue Salonausstellung „90 Jahre Speick“

Am 14. September eröffnet im Salon die Ausstellung „Natürlich! 90 Jahre Speick“. Bis zum 21. Oktober wird die Geschichte des Naturkosmetik-Unternehmens beleuchtet. Anhand von Exponaten aus 90 Jahren werden der Werdegang des einstigen Möhringer Feinseifenwerks und die Produktion erklärt. Gezeigt wird auch die Duftorgel eines Parfümeurs. Zudem erfährt man, warum nur diese Firma, die heute in Leinfelden-Echterdingen sitzt, die Speik-Pflanze exklusiv verarbeiten darf. 

Am 15. September und 6. Oktober sind jeweils von 12 bis 16 Uhr Familienaktionstage, an denen unter anderem Seifen hergestellt werden können. car

90

Jahre alt würde Manfred Rommel am 24. Dezember werden. Das Stadtpalais widmet dem im November 2013 gestorbenen früheren Oberbürgermeister von Stuttgart eine Ausstellung, die Mitte Dezember eröffnet wird.

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