„Das Engagement von Unternehmen hier ist groß, Menschen mit Fluchthintergrund einzustellen“, sagt Eva Marbach, Standortleiterin des „Social Bee“-Büros in Stuttgart. Sie kümmert sich mit sieben Mitarbeitern darum, Flüchtlinge in Arbeitsverhältnisse zu vermitteln. „Wir setzen da an, wo Unterstützung gebraucht wird. Als zwischengeschalteter Arbeitgeber räumen wir potentielle Hindernisse aus dem Weg und bieten gleichzeitig den Geflüchteten rundum Unterstützung an.“

Das gemeinnützige Münchner Start-Up-Unternehmen – 2016 von zwei Mannheimer Studenten gegründet – hat vor sechs Monaten seine erste Zweigstelle in Stuttgart eröffnet. „Wir senken die Hürden für Unternehmen, Geflüchtete einzustellen und nutzen dafür ein Zeitarbeitsmodell, um Flüchtlinge in Arbeit zu bringen“, erklärt Marbach.

Das funktioniert so, dass „Social Bee“ Flüchtlinge selbst anstellt und an Betriebe vermittelt. Dabei werden die Geflüchteten von einem „Integrationsmanager“ eng begleitet und gefördert. Neben Deutschkursen gehören auch die soziale Betreuung oder nötige fachliche Weiterbildungen dazu. Betriebe, die dringend Mitarbeiter suchen und bereit wären, Flüchtlinge einzustellen, aber den zusätzlichen Betreuungsaufwand und aufwendige Bürokratie scheuen, können sich dadurch komplett auf ihre rein betrieblichen Aufgaben wie die Einarbeitung und Schulung des neuen Mitarbeiters konzentrieren.

Über 30 Unternehmen haben bisher schon Geflüchtete ausgebildet und beschäftigt, darunter Supermärkte und Elektronikhersteller, Logistikanbieter und Gastronomiebetriebe. In Stuttgart sind es aktuell 18 Partnerunternehmen, unter anderem ein großer Automobilhersteller, die Firmen Kärcher oder Zeppelin Rental, eine Tochter der Zeppelin Gruppe in Friedrichshafen.

Neben Unterstützern aus der Wirtschaft wie der Werbeagentur Jung von Matt oder dem Werbevermarkter Stroer finanziert sich das Unternehmen durch die Beträge der Unternehmen, die für ihre Zeitarbeiter zahlen. Die Flüchtlinge wiederum werden von „Social Bee“ bezahlt. Sie erhalten nach Angaben der Firma den Tariflohn für Zeitarbeiter. In der untersten Lohngruppe beträgt der Stundenlohn derzeit 9,49 Euro, einige würden auch mehr verdienen.

Ziel ist, dass die Betriebe auf den eingearbeiteten Kollegen nach der auf ein Jahr angelegten Mitarbeit nicht mehr verzichten wollen und ihn in den eigenen Betrieb übernehmen. Rund 140 Flüchtlinge hat „Social Bee“ bisher vermittelt, 48 davon sind von ihrem Arbeitgeber fest angestellt worden. Weil die Arbeit so erfolgreich läuft, beschäftigt das Start-Up mittlerweile selbst 100 Mitarbeiter und will in diesem Jahr weitere Büros in Berlin und Hamburg eröffnen.