Tiere „Sie können auch kräftig zubeißen“

Das Atlético-Bein schreckt beim Testspiel in Stuttgart die Fledermaus nicht ab.
Das Atlético-Bein schreckt beim Testspiel in Stuttgart die Fledermaus nicht ab. © Foto: Eibner, Sascha Walther
Stuttgart / Daniel Grupp 07.08.2018

Fledermäuse scheinen sich gerade im Osten von Stuttgart besonders heimisch zu fühlen. Bei der Saisoneröffnungsfeier des VfB Stuttgart am Sonntag verirrte sich ein Fledertier beim Kick gegen Atlético Madrid sogar aufs Spielfeld und schien sich in der Nähe eines Atléticospielers ganz wohl zu fühlen.

Auch in manchen Wohnungen im Stadtgebiet scheint es den fliegenden Säugern zu gefallen. Weil sie in Häuser eingedrungen sind, wussten sich manche Bewohner nicht anders zu helfen, als die Polizei zu rufen. Zwei Mal binnen Wochenfrist rückten Beamte des Reviers Ost aus, um die Flattertiere aus Wohnungen zu holen.

Damit haben die Polizisten offenbar schon eine gewisse Routine entwickelt. Sie bringen eine Gardine ihres Reviers mit. Sind ihnen dann Fledermäuse ins Netz gegangen, werden sie nach draußen gebracht und  bei Dämmerung wieder frei gelassen. Die große Hitze mit vielen offenen Fenstern macht es den flotten Fliegern gerade einfach, sich in Wohnungen niederzulassen.

Christian Stotzem vom Umweltamt der Stadt Stuttgart vermutet, dass sich vorwiegend Jungtiere, die im Mai oder Juni geboren sind, in die Wohnungen verfliegen. Die Eigentümer müssten nicht befürchten, dass sich die Tiere dort dauerhaft niederlassen. „Sie suchen ein Tagesquartier“, erläutert Stotzem. Die Fledermäuse würden dort schlafen, bevor sie am Abend wieder auf die Jagd gehen. Er rät, die Tiere in Ruhe zu lassen. „Bloß nicht anfassen. Sie können auch mal kräftig zubeißen.“ Die Bewohner sollten ihre Fenster weit offen lassen und das Licht ausschalten, „sodass die Fledermaus wieder ausfliegen kann“. Danach sollte das Fenster geschlossen werden.

Der Umweltexperte vermutet, dass es sich um Zwergfledermäuse handelt, die recht häufig in Stuttgart anzutreffen seien. Sie seien Kulturfolger und suchten in Siedlungsgebieten nach Nahrung. Stotzem weist darauf hin, dass die fliegenden Säuger nach Europarecht streng geschützt sind. Sie stehen auf der Liste der gefährdeten Arten. Wie den Vögeln macht auch den Fledermäusen das Insektensterben schwer zu schaffen. Sie verlieren ihre Nahrungsquelle.

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