Rosenstein „Kuhn muss die Bürger mitnehmen“

Wieland Backes: Nach Stuttgart 21 nicht den nächsten GAU erleben.
Wieland Backes: Nach Stuttgart 21 nicht den nächsten GAU erleben. © Foto: dpa
Stuttgart / Dominique Leibbrand 13.11.2017

Wieland Backes, Vorsitzender des Vereins „Aufbruch Stuttgart“ hat den Vorstoß von Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) für ein Kulturquartier im Rosensteinviertel kritisiert. „Kuhn muss die Bürger mitnehmen“, sagt der frühere SWR-Moderator. Der Rathauschef hatte verkündet, er könne sich in dem Viertel ein Kulturquartier mit einem neuen Konzerthaus, einem Kongresszentrum und dem Neubau des Lindenmuseums vorstellen und war im Gemeinderat mehrheitlich auf Zustimmung gestoßen. An diesem Dienstag diskutieren die Räte erneut darüber, am Donnerstag könnte Kuhns Rosenstein-Papier final abgesegnet werden.

Kritik ist indes von der Fraktion SÖS-Linke-Plus zu erwarten, unter anderem deshalb, weil die Idee nicht gemeinsam mit den Bürgern entwickelt worden sei. Backes schlägt in dieselbe Kerbe. Der Rathausspitze und dem Stadtparlament sei „dringend anzuraten, die Bürger von Anfang an und in möglichst großer Zahl einzubinden“, schreibt er in einer persönlichen Stellungnahme, die dieser Zeitung vorliegt. Bei den Entscheidungen über das Areal hinter dem Bahnhof gehe es nicht um „Petitessen, sondern um ein Jahrhundert-Vorhaben in der Innenstadt“. Wer Stuttgart liebe, „möchte nach dem aus dem Ruder gelaufenen Stuttgart 21, nach dem gesichtslosen Europaviertel nicht den nächsten GAU erleben“, so Backes. Den Vorstoß des OB empfindet er als „Durchmarsch“.

Zudem vermisst Backes ein Gesamtkonzept für die Kultureinrichtungen der gesamten Innenstadt. Hintergrund: Zentrales Anliegen von „Aufbruch Stuttgart“ ist die Umgestaltung von Stuttgarts Kulturmeile entlang der B 14 mit Oper, Staatsgalerie und Co. Sowohl für die B 14 als auch fürs Rosensteinquartier plant die Stadt internationale Wettbewerbe. Es müsse nun aber um mehr als „das Verteilen von Gebäuden auf verschiedene Standorte“ gehen, so Backes. Er fordert einen Masterplan, „der alle Aspekte urbaner Qualität im Blick hat“.

Untätigkeit und mangelnde Beteiligung will man sich im Rathaus hingegen nicht vorwerfen lassen. Der Gemeinderat als demokratisch gewähltes Entscheidungsgremium sei Herr der Planungen, heißt es sinngemäß.  Mit Blick auf die B 14 werde es bald eine öffentliche Veranstaltung geben, bei der die Eckdaten für den Wettbewerb diskutiert werden sollen.