Die Proben für Stuttgarts neues Musical „Mary Poppins“ laufen seit Wochen auf Hochtouren. Hauptdarstellerin Elisabeth Hübert weiß deshalb manchmal nicht mehr, welcher Tag gerade ist. Für die Premiere am Sonntag will die 29-Jährige alle Kräfte mobilisieren. Vorbereitet jedenfalls ist sie: Das bekannte „Supercalifragilisticexpialigetisch“ kommt wie aus der Pistole geschossen.

Frau Hübert, der Film „Mary Poppins“ gehörte in meiner Kindheit zu meinen Lieblingsfilmen. Ging’s Ihnen auch so?

Elisabeth Hübert: Die Filme meiner Kindheit waren eher „Arielle“ und „Aladdin“. Mein prägendes Erlebnis mit „Mary Poppins“ kam später: Zum 16. Geburtstag meiner jüngeren Schwester sind wir mit meiner Mutter nach New York geflogen und haben uns das Musical angeschaut. Ich fand die Show ganz toll! Da habe ich zu meiner Mutter gesagt, die Rolle würde ich gern einmal spielen. Als das Stück dann nach Wien kam, habe ich mich beworben, bin aber nicht mal eingeladen worden. Da war für mich klar, dass ich auf die Rolle wohl nicht passe. Für Stuttgart habe ich mich deshalb erst gar nicht beworben.

Und jetzt sind Sie trotzdem „Mary Poppins“...

Lustigerweise wurde ich für Stuttgart dann angefragt, ob ich zur Audition kommen möchte. Darüber habe ich mich sehr gefreut, und das macht es für mich besonders, weil ich es schon abgehakt hatte.

Viele der Zuschauer werden im Theater den Film vor Augen haben, der fünf Oscars gewonnen hat– ist die Bühnenversion daran angelehnt?

Die Geschichte ist dieselbe, die Bühnenversion hat aber dunklere Farben. Es geht ernsthafter zu. Der Film ist an vielen Stellen sehr freundlich, auf der Bühne ist Mary Poppins hingegen nicht nur eine lustige Frau, die mit den Kindern Spaß hat, sondern es geht auch darum zu zeigen, dass diese Familie ein Problem hat. Und das kann nicht jedes Kindermädchen in London lösen.  Für mich war dabei interessant zu lernen, dass Mary Poppins streng sein muss – mit den Kindern und den Eltern. Anders hilft sie ihnen nicht.

Was ist die Botschaft des Stücks?

Das Schöne ist, dass es in jeder Szene eine kleine Lektion gibt. Es geht um Güte und darum, Leute nicht nach ihrem Äußeren zu beurteilen, um Familienzusammenhalt, darum, dass man auch als Kind eine Unterstützung für seine Eltern sein kann. Und auch darum, dass es immer Leute gibt, die einem helfen, auch wenn man denkt, dass man ganz alleine auf der Welt ist.

Was ist für Sie die Herausforderung an der Rolle?

Das Stück heißt zwar „Mary Poppins“, aber es geht im Grunde nicht um sie, nicht darum, wo sie herkommt, wo sie hingeht oder wie sie sich gerade fühlt. Es geht um die Familie. Ich bin ja fast in jeder Szene auf der Bühne, beobachte aber oft nur. Gleichzeitig muss ich die Kontrolle behalten, damit alles so wird, wie ich es geplant habe. Das ist für mich die Herausforderung.

Haben Sie sich mal gefragt, wo Mary Poppins eigentlich herkommt?

Ja, das habe ich. Am Anfang habe ich recherchiert und versucht, so viel wie möglich über sie herauszufinden, habe mir die Bücher nochmal angeschaut. Mir ist dann aber ziemlich schnell klar geworfen, dass es nicht so wichtig ist, wo sie herkommt oder wo sie hingeht. Jeder fragt sich das zwar, aber im Stück wird es nie thematisiert, ich hätte das also auch nicht unterbringen können. Es ist für die Geschichte auch nicht relevant. Ich habe mich also entschieden, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Für mich ist Mary Poppins wie ein Element, das immer da ist. Sie manifestiert sich dann, wenn sie gebraucht wird.

„Mary Poppins“ löst nun „Tarzan“ ab, ein Musical, in dem sie auch schon mitgewirkt haben. Kann das Publikum mit ähnlich spektakulären Effekten rechnen?

Auf jeden Fall, auch wenn der Stil natürlich anders ist. Wir haben bei „Mary Poppins“ ein Haus, das auf die Bühne fährt und das mit viel Liebe zum Detail eingerichtet wurde – vom Sessel bis zu handgeschriebenen Rechnungen, die auf dem Schreibtisch liegen. Es gibt viele verschiedene Stimmungen, in zwei Sekunden verwandelt sich ein grauer Park in einen bunten Ort mit Blumen in Pink und Gelb und hellem Licht.

Sie sind in Hamburg und Lübeck aufgewachsen, für die Rolle mussten Sie jetzt nach Stuttgart ziehen – haben Sie sich mit der Stadt schon angefreundet?

Ich war zumindest schon in der Innenstadt, am Schlossplatz, da, wo man eben als erstes hinkommt. Ich bin auch schon sehr gespannt auf die Umgebung, ich habe gehört, dass die Natur rund um Stuttgart so schön sein soll. Da ich sowieso jemand bin, der in seiner Freizeit Wert auf Ruhe legt, plane ich Wandertouren. Der Reiseführer ist schon gekauft. Sobald ich ein bisschen mehr Zeit habe, geht’s los.

Leidenschaftliche Köchin


Nach der Vorstellung ist vor der Vorstellung – zwischendurch geht „Mary Poppins“-Darstellerin Elisabeth Hübert ihrer zweiten großen Leidenschaft nach, dem Kochen. So oft wie möglich wird geschnippelt und gebruzzelt. Das entspanne sie, sagt die 29-Jährige. Großer Profiteur ist Hüberts Ehemann, der als sogenannter Dance Captain ebenfalls an der neuen Stuttgarter Produktion mitwirkt.

Geboren wurde Hübert in Tadschikistan, aufgewachsen ist sie in Hamburg und Lübeck. 2004 begann sie an der Stage School Hamburg ihre Ausbildung, 2008 setzte sie sich in der Sat.1-Show „Ich Tarzan, Du Jane“ durch und ergatterte ihre Traumrolle: die der Jane.

Zur Premiere am Sonntag haben sich viele Promis auf dem roten Teppich vor dem Apollo-Theater angekündigt, darunter TV-Moderatorin Ruth Moschner, die Schauspielerinnen Natalia Wörner und Sila Sahin, Model Giulia Siegel und Ex-Fußballer Guido Buchwald. dl