Ausstellung „Faszination Schwert“ im Landesmuseum

Die Vorbereitungen zur Sonderausstellung laufen: Die Restauratorin Jenny Wölk richtet ein Schwert her.
Die Vorbereitungen zur Sonderausstellung laufen: Die Restauratorin Jenny Wölk richtet ein Schwert her. © Foto: Ferdinando Iannone
Stuttgart / Uwe Roth 18.08.2018

Das Knollenknaufschwert hat es Moritz Paysan angetan. Damit die Besuchergruppe den Nachbau aus keltischer Zeit besser betrachten kann, legt er die Klinge mit ihrem eigenartigen Griff zum Herumzeigen auf seinen Unterarm. Mit Sorgfalt berichtet der Mitarbeiter des Landesmuseums Württemberg über die komplizierte Schmiedetechnik, die die Wissenschaft den Kelten zuerst gar nicht zugetraut, sondern ins spätere Mittelalter verortet hat. So sei die Klinge bereits vor über 2000 Jahren aus bis zu 20 Schichten unterschiedlicher Stahlsorten gefertigt worden, weiß der Experte, der das Fundstück aus Sindelfingen nicht nur unter die Lupe genommen, sondern zur Tiefenbetrachtung unters Röntgengerät und ins CT gelegt hat.

Paysan beschäftigte sich schon während seines Studiums an der Stuttgarter Kunstakademie mit solchen Waffen. „Schwerter“ lautete der Titel seiner Abschlussarbeit. Heute ist er im Landesmuseum Restaurator für Archäologie und Kunsthandwerk. Seine Leidenschaft für die antike Waffe leistet nun ihren Beitrag zur neuen Sonderausstellung „Faszination Schwert“. Mit den rund 200 Objekten sind die Macher noch hinter den Kulissen beschäftigt. Mitte September soll der Aufbau starten.

Vorab hat die Leiterin der Restaurierungswerkstätten, Monika Harter, mit ihrem Team einige Exponate exklusiv vorgestellt. Eines lernen die Teilnehmer der Führung im ansonsten unzugänglichen vierten Obergeschoss schnell: Auch wenn es bis zum Tag der Eröffnung mit der Zeit eng werden sollte, dürfen die Restauratoren bei der Sorgfalt dennoch nicht schummeln. Außerhalb der Depots lauern viele Gefahren auf die antiken Stücke. Die Kuratoren müssen auf alles vorbereitet sein. Wer von den Besuchern hätte gedacht, dass Schauvitrinen auf ihre Emissionsfreiheit überprüft werden müssen?

Kuratorin Nina Willburger erläutert, dass es Schwerter seit der Zeit um das 16. Jahrhundert vor Christus gibt, also etwa 3500 Jahre. „Es war die erste Waffe, die zur Tötung anderer Menschen gedacht war“, sagt die Leiterin der Fachabteilung Archäologie. Davor seien Waffen immer auch ein Jagdwerkzeug gewesen. Schwerter, und das sei der eigentliche Anlass für eine Ausstellung, die es nach den Worten von Harter so in Europa noch nicht geben hat, sind zu einem mächtigen Statussymbol geworden. Noch über den Tod hinaus sollte die Waffe beispielsweise als Grabbeilage ihrem Besitzer im Jenseits Schutz geben.

Ein edles Schwert zu besitzen, zeichnete die Elite aus. Für den gemeinen Mann waren solche Waffen unerschwinglich. Schwerter spielen in der Religion, im Aberglauben eine Rolle, von ihnen gehe eine Heilkraft aus, so Willburger. In seiner Form erinnert ein Schwert an ein Kreuz, das mächtigste Zeichen der Kirche. Das Schwert hat seit dem 16. Jahrhundert nach Christus in einer Schlacht keine Schlagkraft mehr. Dass es dennoch weiterhin präsent ist, zeigt für Kuratorin Willburger die tiefe symbolische Bedeutung in der Bewertung von Gut und Böse. Als Beispiel nennt sie das Laserschwert in Star Wars.

Jenny Wölk ist an ihrem Arbeitsplatz damit beschäftigt, die Spuren der Zeit an einem klassischen Schwert zu beseitigen. Sorgfältig entfernt sie mit einem kleinen, in eine chemische Lösung getunkten Stück Stahlwolle die oberste Korrosionsschicht eines Katzbalgers, eines Kurzschwerts, mit dem Landsknechte gekämpft haben. Im 16. Jahrhundert sei es stark verbreitet gewesen. „Der Name kommt daher, dass die Kampfweise an die Balgerei zweier Katzen erinnerte.“

Einen halben bis einen Tag benötigt sie fürs Reinigen eines Schwerts. Dann ist es reif für die Ausstellung. Wie oft man die Klinge entrosten könne, ohne dass es zerbrösele, wird Wölk von einem Besucher gefragt. Das Verfahren sei sehr schonend. „Außerdem, wer weiß“, überlegt sie, „vielleicht liegt das Schwert nach der Ausstellung 200 Jahre im Depot, bevor es zum Reinigen wieder herausgeholt wird.“

Schwerter aus Hollywood-Produktionen

Dauer „Faszination Schwert“ wird am  13. Oktober im Alten Schloss eröffnet. Sie dauert bis zum 28. April.

Programm Gezeigt werden Hieb- und Stichwaffen von der Bronze- bis zur Neuzeit, ebenso Schwerter auf Gemälden und Medaillen, in mittelalterlichen Handschriften sowie aus Bestsellerromanen und Hollywood-Produktionen. Im Rahmen des Begleitprogramms soll es den Besuchern möglich sein, ein Schwert in die Hand zu nehmen. Mehr zum Thema findet man auf www.schwert-
stuttgart.de. uro

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