Musik „Du bisch mei Number One“

Ein charmanter Bruddler: Rapper Henrik Brislow.
Ein charmanter Bruddler: Rapper Henrik Brislow. © Foto: Tilman Baur
Stuttgart / Tilman Baur 08.09.2018

Stuttgart und sein Umland haben seit den Neunzigerjahren viele namhafte Hip-Hop-Bands hervorgebracht. Die „Fantastischen Vier“, „Freundeskreis“ oder „Massive Töne“ sind nur drei Beispiele. So konsequent wie „MC Bruddaal“ hat sich bislang aber kein Rapper mit seiner Heimat identifiziert, schon gar nicht mit dem schwäbischen Dialekt.

Über Themen wie Kehrwoche, Spätzle und Butterbrezel rappt der gebürtige Schorndorfer ganz authentisch im breitesten Schwäbisch. Seine bislang veröffentlichen Alben heißen „Schweppisch“ und „Bollahits“ und beinhalten Songs wie „Dahanna“, „Schwätz Du noh“, „Wer wird Bürgermeischter“ oder „Mauldasch Song“.

Hinter dem Künstlernamen MC Bruddaal steckt die Privatperson Henrik Brislow, ein 38-jähriger Grafikdesigner mit Festanstellung bei einem Zeitungsverlag und kaum hörbarem Dialekt. Als Kind schwedischer Eltern sei er in Schorndorf zweisprachig aufgewachsen, scherzt Brislow: „Ich kann Schwäbisch und Schwedisch.“

Musik macht er schon seit der Schulzeit. In eine frühere Rap-Band habe er viel Zeit und Arbeit investiert, doch der Erfolg hielt sich in Grenzen. „Es ist doch irgendwann frustrierend, wenn man viel reinsteckt und es kommt nichts zurück“, erinnert sich Brislow.

Als Spaß-Rapper „MC Bruddaal“ stellte sich der Erfolg schneller ein: seine 2013 veröffentlichte Liebeserklärung an Stuttgart in Rap-Form („Du bisch mei Number One“) entwickelte sich zum kleinen Internet-Hit.

Pudelmütze mit Schlappohren, Sonnenbrille, Goldkettchen in Brezelform und ein gebrauchtes Herrenrad – das sind die Markenzeichen des schwäbischen Rappers. Bei der Wahl des Künstlernamens ließ sich der charmante Bruddler von seinem ehemaligen Chef inspirieren. Der hatte vor alle möglichen Substantive das schwäbisch ausgesprochene Adjektiv „brutal“ gesetzt: brutal lang, brutal heiß, brutal schwer.

Das Rappen im Dialekt eröffne ihm ganz neue Reim-Möglichkeiten, sagt Brislow, das Schwäbische habe Wörter im Repertoire, die das Hochdeutsche nicht kennt. Sein Bekanntheitsgrad ist seit dem Hit weiter gestiegen. Ein Jahr lang rappte er für den Radiosender Antenne 1 einen Wochenrückblick ein, und bis heute arbeitet er sporadisch mit dem schwäbischen Sprachkünstler und Komiker Dodokay zusammen.

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