Der Verein „Aufbruch“ hegt die Hoffnung, die Kommunalpolitiker in Stuttgart in Sachen Oper noch umstimmen zu können. Statt eines Umbaus der denkmalgeschützten Oper solle lieber ein neues Opernhaus als dritte Spielstätte in der Innenstadt entstehen. Unterstützung dafür bekommt der Verein, an dessen Spitze der ehemalige Fernsehmoderator Wieland Backes und der Stuttgarter Architekt Arno Lederer stehen, von fünf europäischen Architekturbüros. Die hatten sich bei einem von „Aufbruch“ organisierten Wochenend-Workshop zur Neugestaltung der Kulturmeile allesamt für einen Neubau ausgesprochen.

Die Ergebnisse des Workshops in schriftlicher Form überreichten Backes, Lederer und „Aufbruch“-Geschäftsführer Thomas Rossmann an Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne). Auch den Gemeinderatsfraktionen sei die Broschüre zugegangen, erklärte Backes. Denn Ende Januar kann „Aufbruch“ seine Position im Umwelt- und Technikausschuss des Gemeinderates vorstellen. „Sie sehen am 29. Januar einen vorbereiteten OB“, kündigte Kuhn an.

Backes und seine Mitstreiter gehen nach Gesprächen mit den im Stadtrat vertretenen Parteien davon aus, dass sich in Sachen Oper an den getroffenen Beschlüssen zur Sanierung noch etwas ändern lässt. Fachleute seien ohnehin der Meinung, dass der geplante Einbau einer Kreuzbühne in das bestehende Opernhaus ein Irrweg sei, sagte Lederer. Und diese Einsicht setze sich langsam auch in den Parteien durch.

Der Rathauschef hielt sich in dieser Frage allerdings sehr bedeckt. Kuhn ließ nicht durchblicken, ob er sich vorstellen könnte, die mit Land und Opernhaus getroffene Vereinbarung über den Umbau noch einmal aufzuschnüren. Da es aber bislang zwar Beschlüsse aber noch keine Planungen gebe, könne man doch bis zum Sommer oder Herbst eine alternative Lösung für die Stuttgarter Oper entwickeln, meinte Lederer.

Wenn es im Gemeinderat nicht zu einem Umdenken kommt, will man bei „Aufbruch“ auch ein Bürgerbegehren nicht ausschließen. Dann müsse man allerdings zunächst einmal in der Bevölkerung Interesse für das Thema wecken.

Der Verein befürchtet, dass beim geplanten Umbau des historischen Opernhaus der Denkmalschutz ausgehebelt wird, weil danach fast die Hälfte des Bauwerks quasi ein Neubau sei. Zudem seien die Kosten unkalkulierbar. Und bei einem Neubau eines Opernhauses könnte auf eine teure Übergangsspielstätte verzichtet werden.