Stuttgart "An Likörellen kannst du dich nach vorne lutschen"

Ein schöner Kontrast: Der Porsche 911 aus den 70-er-Jahren steht im Werksmuseum vor den "Likörellen" Udo Lindenbergs.
Ein schöner Kontrast: Der Porsche 911 aus den 70-er-Jahren steht im Werksmuseum vor den "Likörellen" Udo Lindenbergs. © Foto: Ferdinando Iannone
NADINE WINTER 09.02.2015
Seine Stasi-Akten, sein Schulzeugnis, alte Fotos - das Porsche-Museum beschreibt den deutschen Kultrocker Udo Lindenberg. Und zeigt auch "Likörellen", Aquarellbilder aus Udos Künstlerhand.

"Zeichnen konnte er ja gut, aber sportlich war er nicht", sagt Susanne Rottmann aus Stuttgart lachend, als sie das Realschulzeugnis des mittlerweile 68-jährigen Udo Lindenberg betrachtet. Eigentlich ist die Stuttgarterin mit ihrer Familie in das Porsche-Museum gekommen, um sich Autos anzuschauen. Mit einer Kunstausstellung hatte sie nicht gerechnet. "Begeistert sind wir trotzdem von der Kombination", erklärt ihr Mann.

In der Sonderausstellung "Porsche. Panik. Power." zeigt das Porsche-Museum in Stuttgart bis zum 12. April neben Udos besten Werken alte Fotos und Briefe aus Lindenbergs Privatsammlung. Eines der Exponate ist die Lederjacke, die er einst Erick Honecker schenkte, und ein Zigarettenetui von Marlene Dietrich.

Porsche und der Panik-Rocker: Eine lange Beziehung. Schon von seiner ersten Gage kaufte sich Lindenberg einen 911-er. Seit 2010 fährt der 68-Jährige einen Porsche Panamera Turbo. Den so genannten "Black Panik Panther" ließ er mit "No Panic" Einstiegsleisten ausstatten. Sein "Panikmobil" hat ihn zu manchem Song inspiriert. Ein echtes "Lindenwerk" heißt "Panik. Porsche. Power." und ist das namensgebende Bild der Ausstellung - ein Original-Aquarell auf Büttenpapier gemalt.

"Die Ausstellung ist total informativ. Er ist einer von denen, die an was glauben und dann auch etwas auf die Beine stellen - wie Ferry Porsche", meint Elfi Töltsch aus Esslingen. Anderer Meinung ist Andreas Peter aus Österreich. Peter: "Irgendwie haben sie Udo Lindenberg zu den Autos dazugemogelt, das passt nicht so richtig."

Udo-Fan Carmen Haber aus Stuttgart dagegen kam allein wegen Lindenberg. "Ich interessiere mich für Udo als Mensch. Irgendwie passen Udo und Porsche zusammen, beide sind außergewöhnlich." Auch als Nicht-Autoliebhaberin gibt es viel für sie zu entdecken. Etwa die Stasi-Akte über Panik-Udo. Der Verfasser der Akte beschreibt Lindenberg als Mensch, der "geprägt durch eine typische, fast standardisierte Kleidung und durch eine bewusst fläzige und lässige Gestik" sei.

Udos malerisches Werk ist mit etwa 100 Arbeiten vertreten. Darunter die "Likörellen" - Aquarelle, die er mit Likör malt, eine von ihm erfundene Maltechnik. Das "Geile" an ihnen sei, erläutert Udo, "du kannst sie überall machen, 'ne Kneipe ist immer griffbereit". Sollte ein Wirt sich einmal Sorgen machen, dass ihm der Schnaps ausgeht, hilft das Lindenwerk, denn man kann sich an "Likörellen ganz schnell und locker wieder nach vorne lutschen".