Fellbach 60 Millionen für Mega-Turm

Wo jetzt noch eine Baugrube ist, soll Ende 2016 das höchste Wohnhaus Baden-Württembergs stehen. Investor Mark Warbanoff (Bild) realisiert das Projekt gemeinsam mit seinem Vater.
Wo jetzt noch eine Baugrube ist, soll Ende 2016 das höchste Wohnhaus Baden-Württembergs stehen. Investor Mark Warbanoff (Bild) realisiert das Projekt gemeinsam mit seinem Vater. © Foto: Ferdinando Iannone
Fellbach / OLIVER SCHMALE 19.02.2015
Ende 2016 soll der Gewa-Tower in Fellbach in den Himmel ragen. Er wird dann das dritthöchste Wohnhaus in Deutschland sein. Die kritischen Stimmen gegen das Projekt sind mittlerweile verstummt.

Das Hochhaus soll einmal 34 Etagen haben und 107 Meter hoch in den Himmel ragen - und das ausgerechnet in Fellbach im Rems-Murr-Kreis, einer eher kleinbürgerlich geprägten Stadt mit etwa 44 000 Einwohnern. In der Kappelbergmetropole baut Investor Mark Warbanoff zusammen mit seinem Vater das dritthöchste Wohngebäude in Deutschland: den Gewa-Tower. Mit dem Colonia-Haus (155 Meter) und dem Uni-Center (133 Meter), die beide in Köln stehen, gibt es in Deutschland nur zwei noch höhere Wohnhäuser.

Noch ist von dem Turm nicht viel zu sehen. In einer riesigen Baugrube arbeiten drei dutzend Bauarbeiter. Die 2,5 Meter dicke Bodenplatte sei schon fertig, sagt der 35 Jahre alte Warbanoff. In ihr wurden alleine 400 Tonnen Stahl verbaut. Im Gesamtgebäude werden es einmal 4000 Tonnen sein. Im Sommer sollen die ersten Obergeschosse Gestalt annehmen, sagt der Investor, der 60 Millionen Euro besorgt hat, um den lange Zeit umstrittenen Turm zu verwirklichen. Dieser soll durch große Glasflächen und Balkone trotz seiner Dimensionen schlank wirken.

Bevor klar war, dass das Projekt realisiert werden kann, hatte es immer wieder Schwierigkeiten gegeben. Weil das Gelände lange Zeit von einer Bauruine blockiert wurde, war die Stadt einst auf die Warbanoffs zugegangen, in der Hoffnung, diese würden dort tätig werden. Der Gemeinderat gab dazu auch 2007 seine Zustimmung, doch die Finanzkrise und ein anderes Projekt des privaten Investors, der den markanten gläsernen Wohnturm samt angrenzendem Hotel mit 110 Zimmern baut, durchkreuzten die Pläne zunächst. Außerdem gab es eine Bürgerinitiative dagegen mit dem Namen "Fellbach ist nicht Manhattan", unterstützt von Kommunalpolitikern der SPD. Sie scheiterte aber vor Gericht mit einem Antrag auf ein Bürgerbegehren. Wenn man nun durch die angrenzenden Wohnblocks geht, ist nichts mehr von Widerstand gegen das Großprojekt zu spüren. Zufällig angesprochenen Passanten scheinen die Bauarbeiten in der Nähe eines Fast-Food-Restaurants zumindest egal.

Von den geplanten 65 Wohnungen in dem künftigen Hochhaus seien 40 verkauft, berichtet Warbanoff. Sein Vater ist für die Vermarktung zuständig. Ihm sei dabei Folgendes aufgefallen: Viele Leute, die in Stuttgart bei der Wohnungssuche nicht fündig würden, spielten auch mit dem Gedanken, sich eine Eigentumswohnung in dem Turm zuzulegen. Bei Interesse müssen sie zwischen 350 000 und einer Million Euro berappen. Normalerweise haben die Wohnungen eine Größe zwischen 60 bis 130 Quadratmetern. Die oberen Wohnungen haben 250 Quadratmeter Wohnfläche. Die Käufer stammten aus dem Rems-Murr-Kreis und inzwischen auch aus Stuttgart. Sie werden einen schönen Ausblick genießen können. Er reicht bis Ludwigsburg, bis weit ins Remstal und über den Stuttgarter Talkessel hinweg.

Rund um den Turm mit seinen 34 Etagen, der Ende 2016 fertig sein soll, baut ein anderer Investor zeitgleich 140 Mietwohnungen. Das gesamte ehemalige Frommareal ist inzwischen eine große Baustelle. Im Januar hat der Aushub auf dem Nachbargrundstück begonnen. Der Gewa-Tower wird künftig das höchste Hochhaus Baden-Württembergs sein und löst das 102 Meter hohe Collin-Center in Mannheim ab. Auch soll der Gebäudekomplex am östlichen Rand von Fellbach nach dem Fernmeldeturm auf der Hohen Brach das zweithöchste Bauwerk des Rems-Murr-Kreises werden. Rund zehn Tage Bauzeit pro Stockwerk haben die Planer veranschlagt. Ab kommenden Herbst soll es Baustellenführungen geben, berichtet Warbanoff.

Das erste Hochhaus Stuttgarts

Wahrzeichen Das erste Hochhaus in Stuttgart war der Tagblatt-Turm in der Innenstadt. Das 1928 im Stil der neuen Sachlichkeit errichtete Gebäude war damals das höchste Hochhaus in Süddeutschland und das erste in Deutschland, das in Sichtbeton errichtet wurde. Architekt Ernst Otto Oßwald nannte das Gebäude "Zweckbau - ein Haus, das die Benutzung der Räume wirtschaftlich, gesund und behaglich macht". So sehr viele Stuttgarter damals über den nüchternen Koloss in der doch eher schwäbisch bieder geprägten mittelalterlichen Innenstadt schimpften - heute ist der 61 Meter hohe Turm ein Wahrzeichen der Stadt. Der Turm wurde für das Stuttgarter Neue Tagblatt erbaut.

 

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel