Sonderpostzeichen 452 Räume im Schloss für 70 Cent

Das Ludwigsburger Schloss im Mini-Format.
Das Ludwigsburger Schloss im Mini-Format. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Hans Georg Frank 16.02.2017

Geht ein Wunsch von Gisela Splett, Staatsekretärin im Finanzministerium, in Erfüllung, wird das Schloss in Ludwigsburg demnächst überrannt. Bei der Vorstellung des Sonderpostwertzeichens mit dem barocken Prachtbau sagte Splett ge­stern, sie hoffe, jede Marke möge einen neuen begeisterten Besucher nach Ludwigsburg locken. Die Post lässt von dem gezackten Motiv im Wert von 70 Cent 65 Millionen Exemplare drucken.

Die größte unverändert erhaltene Barockanlage in Deutschland mit ihren 452 Räumen ist für die 2013 gestartete Serie „Schlösser und Burgen“ ausgewählt worden. Dieses Jahr gehört, wegen des Luther-Jubiläums, auch die Wartburg in Eisenach zu dieser Reihe. Der Programm- und der Kunstbeirat beim Bundesfinanzministerium, das für die Postwertzeichen verantwortlich ist, haben die Residenz in Ludwigsburg damit innerhalb weniger Jahre zum zweiten Mal ausgesucht. Bereits 2004 erschien zum 300. Jahrestag der Schlossgründung eine Skizze des Palastes samt Park. Diese Briefmarke für 144 Cent wurde 33 Millionen Mal verkauft. Üblicherweise liegen zwischen zwei Marken desselben Motivs 25 Jahre.

„Das ist kostenlose Werbung“, freute sich Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten. Jede einzelne Briefmarke sorge für mehr Beachtung. 2016 kamen 330 000 Besucher ins Ludwigsburger Schloss. Von dauerhafter Bedeutung der Briefmarke ist Dieter Schaile vom Landesverband der südwestdeutschen Sammlervereine mit 6000 Mitgliedern überzeugt. Er glaubt an eine Renaissance der herkömmlichen Briefe in spätestens 15 Jahren.

Bei der Post gehen jährlich um die 400 Vorschläge für neue Briefmarken ein. In besseren Zeiten waren es mehr als 1000. „Die meisten Persönlichkeiten und Sehenswürdigkeiten sind schon abgearbeitet“, meinte Werner Gatzer, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Zu Lebzeiten werde nur Bundespräsidenten diese Ehre zuteil. Allerdings habe es eine Ausnahme gegeben – für Helmut Kohl. 2012 wurden seine Verdienste als „Kanzler der Einheit – Ehrenbürger Europas“ mit einer Briefmarke für 55 Cent gewürdigt.