Glasfaser-Offensive Glasfaser-Offensive: 1,6 Milliarden für Netzausbau

Die Region Stuttgart soll für die digitale Zukunft gerüstet werden.
Die Region Stuttgart soll für die digitale Zukunft gerüstet werden. © Foto: Telekom
Stuttgart / Uwe Roth 02.07.2018
Die Telekom und die Region Stuttgart treiben die Versorgung mit schnellem Internet voran.

Ein Miteinander der 179 Städte und Gemeinden in der Region Stuttgart beim schnellen Internet war bislang kaum zu erkennen. Nun hat die Deutsche Telekom mit ihrer Ankündigung, 1,1 Milliarden Euro in das bruchstückhaft vorhandene Glasfasernetz investieren und zusätzlich die Region mit dem neuesten Mobilfunkstandard 5G ausrüsten zu wollen, neue Dynamik in die kommunale Zusammenarbeit gebracht. Am Montag haben dazu Telekom-Vorstand Dirk Wössner und Vertreter der Region in Stuttgart eine Absichtserklärung verabschiedet. In Ergänzung wollen sich die Kommunen verpflichten, eine halbe Milliarde Euro zum Ausbau beizutragen. Neben der Landeshauptstadt gehören dazu die Landkreise Ludwigsburg, Böblingen, Göppingen, Esslingen und Rems-Murr.

Anfang 2019 soll der erste Spatenstich für die Verlegung neuer Glasfaserstränge sein. Bis dahin, so stellte der Esslinger Landrat Heinz Einiger (CDU) fest, hätten die Verantwortlichen „noch einen ganzen Sack voll Arbeit vor sich“. Der eigentliche Vertrag wird erst am Jahresende unterschrieben, wenn bis dahin die Zustimmung sämtlicher kommunaler Gremien vorliegt. Für die Kommunen besteht die Möglichkeit, statt Bargeld Sachleistungen einzubringen oder vorhandene Glasfasernetze an die Telekom zu übertragen, um am Ende auf die vereinbarten 500 Millionen Euro zu kommen. Die 179 Bürgermeister werden noch in diesem Monat über Details informiert. Mit dem Vertrag gebe es in der Region erstmals einen verbindlichen Ausbauplan, lobten die Beteiligten.

Das ist mit den Investitionen geplant: Bis zum Jahr 2030 sollen 90 Prozent der 1,38 Millionen Haushalte in der Region mit schnellem Internet versorgt sein. Bis dahin sollen alle der rund 140.000 Unternehmensstandorte und Betriebe einen Gigabit-Anschluss auf ihrem Gelände haben. Schon bis 2025 soll gut die Hälfte aller Privathaushalte der Region Anschluss ans schnelle Internet haben. Es ist auch beabsichtigt, die Verkabelung der Schulen zu beschleunigen. Die Telekom verspricht dafür, aufs Tempo zu drücken: Die Leitungen sollen nach einer Methode verlegt werden, bei der nur kleine Teile der Gehwege und Straßen aufgefräst werden müssen. „Das reduziert Kosten und geht deutlich schneller“, so der Telekom-Manager Wössner. „Wir reden über Glasfaserausbau innerhalb von drei bis vier Tagen statt wie bisher drei Wochen.“

Parallel dazu will die Telekom das bestehende Mobilfunknetz verdichten und zusätzlich ein Netz mit dem neuesten Standard 5G aufbauen. 5G bedeutet eine nahtlose Verbindung von Festnetz und Mobilfunk. Die Technik wird für das autonome Fahren sowie für automatisierte Abläufe in der Industrie benötigt.

Katrin Schütz, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, betonte, die Einführung des neuen Mobilfunkstandards „ist elementar, damit die Digitalisierung unserer Wirtschaft gelingt“. Allein wegen der Anforderungen aus der Industrie „müssen wir darin führend sein“. Die Region bekäme damit das erste 5G-Netz in Deutschland. Wössner unterstrich: „In der Region Stuttgart entsteht der Kommunikationsstandard der nächsten Generation.“

Die Telekom verspricht sich nach seinen Worten von der Zusammenarbeit mit den Kommunen einen vereinfachten Planungsaufwand und Zugang zu den Endkunden. Auf regionaler Ebene bekommt das Unternehmen eine noch zu gründende Servicegesellschaft als Ansprechpartner. In den Landkreisen entstehen für das Gigabit-Projekt Zweckgemeinschaften, die der Region zuarbeiten. Dass der Glasfaserausbau für Stuttgart eine große Herausforderung bedeutet, untermauerte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne)  mit einer Zahl: 86 Prozent der Anschlüsse in der Stadt hingen noch am Kupferkabel. Lediglich drei Prozent hätten einen Glasfaserzugang. Schnelles Internet, so seine Schlussfolgerung, sei daher nicht nur ein Thema für den ländlichen Raum, sondern erst recht eines für die großen Städte.

„Kein Mittelmaß mehr“

In seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart betonte Fritz Kuhn, dass die jetzt unterzeichnete Vereinbarung ein Beweis dafür sei, „dass wir längst eine Region sind“. Böblingens Landrat Roland Bernhard (parteilos) pflichtete ihm bei und verband mit der Unterzeichnung die Hoffnung, dass die Zeit, in der die Region beim schnellen Internet „allenfalls Mittelmaß gewesen ist“, nunmehr der Vergangenheit angehöre.

In zwölf Jahren zur Vollabdeckung

Bis 2030 sollen in der Region 179 Städte und Gemeinden mit ihren etwa 2,7 Millionen Menschen mit schnellen Kommunikationsverbindungen versorgt werden. Bis Ende dieses Jahres sind 88 Prozent aller Haushalte und Unternehmensstadtorte mit Bandbreiten von 50 bis 100 Mbit pro Sekunde versorgt. Im Jahr 2020 haben 94 Prozent einen Anschluss mit einer Bandbreite von 100 bis 250 Mbit pro Sekunde. Bis 2022 beträgt die Anschlussquote in den Gewerbegebieten mit bis zu einem Gigabit 90 Prozent. Bis 2030 wird eine Vollabdeckung erreicht. Bei den Haushalten liegt sie dann bei 90 Prozent.

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