Schwäbisch Hall Katholiken feiern Allerheiligen auf den Waldfriedhof

Unterm Kreuz auf dem Waldfriedhof beten Pfarrer Thomas Hertlein und Pfarrvikar Sebastian Tanneberg mit den Gläubigen.
Unterm Kreuz auf dem Waldfriedhof beten Pfarrer Thomas Hertlein und Pfarrvikar Sebastian Tanneberg mit den Gläubigen. © Foto: Bettina Lober
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 02.11.2018
Zu Allerheiligen kommen auf dem Haller Waldfriedhof Menschen zusammen, besuchen die Gräber und erinnern sich.

„Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit, nach seinem Worte handeln und leben allezeit“, singen die beiden katholischen Kirchenchöre St. Joseph sowie Peter und Paul in der Feierhalle des Haller Waldfriedhofs. Fast 200 Katholiken sind dort am Donnerstagmorgen zusammengekommen.

Die Luft im Raum duftet nach Weihrauch, und gemeinsam mit Pfarrer Thomas Hertlein und Pfarrvikar Sebastian Tanneberg wird Gottesdienst gefeiert. An Allerheiligen gedenken die katholischen Gläubigen der Heiligen und ihrer Taten. Denn ihr Leben und Wirken soll ein Vorbild für alle Christen sein und ihnen Hoffnung geben.

Kerzen für die Verstorbenen

An Allerheiligen gedenken die Menschen auch der eigenen verstorbenen Angehörigen. Bei der Eucharistiefeier auf dem Waldfriedhof werden Namen von 33 Menschen aus der katholischen Gesamtkirchengemeinde Hall vorgelesen, die in den vergangenen zwölf Monaten gestorben sind. Und für jeden wird eine Kerze entzündet.

„Beim Besuch der Gräber auf dem Friedhof wird uns die eigene Sterblichkeit und die Hinfälligkeit des Menschen bewusst“, erklärt Pfarrer Hertlein. In seiner Predigt zitiert er den Tübinger Theologen Fridolin Stier (1902-1981), der den Tod auch als eine Art Lebensbegleiter begriff, den man mit der Stunde der Geburt bereits ins Marschgepäck des Lebens bekomme. Freilich, das Wissen um die eigene Vergänglichkeit sei für die Menschen im Alltagsleben erschütternd. Aber zugleich helfe es, die richtigen Schwerpunkte im Leben zu setzen, das Leben bewusst zu gestalten und dankbar dafür zu sein. Der „Blickkontakt mit dem Tod“ sei auch ein Anlass, sich über das Leben zu freuen, so Hertlein. So wird Allerheiligen auch als ein Fest der Hoffnung gefeiert.

Viele Gräber auf dem Haller Waldfriedhof sind winterfest gemacht und frisch geschmückt – als lebendige Erinnerung an die Verstorbenen. An diesem Tag sind viele Menschen auf dem Friedhof unterwegs. Sie bringen Gestecke und Kerzen zu den Gräbern.

Auch für Reinhard Kühne ist der Friedhofsbesuch an Allerheiligen wichtig. „Meine Frau ist dort drüben“, sagt er lächelnd und deutet in Richtung Urnenfeld. „Am 13. Oktober waren es zehn Jahre, dass sie gestorben ist“, erzählt er. Es sei ihr Wunsch gewesen, in einem anonymen Urnenfeld beigesetzt zu werden, damit ihr Mann sich nicht um die Grabpflege kümmern müsse. Der eingravierte Name auf einer Stele erinnert an sie. Ob er ein „richtiges“ Grab vermisst? „Nein“, winkt Reinhard Kühne lächelnd ab, „ich habe sie doch immer bei mir – in meiner Erinnerung.“

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