Kunst Zwischen Fantasy und Karikatur

Thorsten Wienrich neben seiner „Kriegerin“.
Thorsten Wienrich neben seiner „Kriegerin“. © Foto: Ralf Snurawa
Gerabronn / Ralf Snurawa 16.06.2018

Dabei ist es weniger der flächige Umgang mit Farbe, der seine Bilder bestimmt, als vielmehr das feine und detailhafte In-die-Tiefe-Gehen. Da kann es vorkommen, dass ein Werk wie „Odin & Alien“, auf dem die beiden einen Joint rauchen und zwischen einem altem VW-Bus und einem Raumschiff sitzen, nur aus zwei Farben – Blau und Weiß – und unglaublich vielen Schattierungen entsteht.

Unter den etwa 200 Bildern, die der 1971 in Crailsheim geborene und in Morstein aufgewachsene Thorsten Wienrich seither geschaffen hat, spielt die Fantasy-Thematik eine dominierende Rolle. Man merkt ihnen an, dass dahinter auch ein begeisterter Rockmusik-Fan steht. Tusche und Aquarellfarben gehören dabei zu seinen bevorzugten Materialien, aber auch die Airbrush-Pistole.

Mit ihr hatte alles im Alter von 13 Jahren begonnen. Thorsten Wienrich ließ sich zum Maler und Lackierer ausbilden und war danach als Autolackierer tätig. Dabei bemalte er anfangs für Freunde und Bekannte Motorradhelme und -tanks oder Motorhauben. Tätowiervorlagen entwarf er ebenso. In der Schule hatte er für eine befreundete Gruppe T-Shirts mit Textilfarbe bemalt.

Später reichte sein Wirken auch in den Designbereich hinein, etwa als eine Autowerkstatt ein Werbeschild für den Fußballplatz von ihm wollte. Farbe brachte er auch auf eine 14 Meter lange und fünf Meter hohe Wand in der Cafeteria des Waldfreibads Bergertshofen.

Kontakte zur Bühnenszene

In seiner späteren Tätigkeit im Bereich Deko- und Messebau konnte er sich ebenfalls im Designbereich betätigen. Durch Kontakte zur Musik- und Bühnenszene entstand etwa seine feurig leuchtend rote „Aida-Stella“ vor Mondfinsternis, dunkel schimmerndem Nil und Pyramidenschatten.

Engelsfiguren finden sich immer wieder einmal auf seinen Bildern, oft in Kombination mit Drachen: auf einem CD-Cover für eine Metal-Band genauso wie auf seinem in Blau getauchten „Morgenengel“, dessen Füße auf dem einer Kirchenfassade entspringenden Drachenkopf ruhen.

Einem Drachen steht auch die „Drachenjägerin“ gegenüber, ein Bild, an dem Wienrich über ein Jahr hinweg 200 Stunden lang gemalt hat. „Superrealistische Fantasy-Malerei“ nennt er das Ergebnis dieser und anderer Bilder mit „komischen Kreaturen in seltsamen Umgebungen“, wie er augenzwinkernd anmerkt.

Postkarte für Iron Maiden

Inspirationen erhielt Thorsten Wienrich nicht nur aus dem Rock-Bereich. Da hatten ihn LP-Covers von Iron Maiden oder Judas Priest begeistert. Für Iron Maiden hatte er sogar einmal an einem Wettbewerb für eine Weihnachtskarte teilgenommen und kam dabei auf den zweiten Platz.

Das Gespann Stanley Mouse und Alton Kelly, die etwa für Grateful Dead LP-Covers entwarfen, ist ihm auch zum Vorbild geworden, ebenso wie die Fantasy-Maler Luis Royo und Boris Vallejo. Für klassische Maler wie Leonardo da Vinci oder den durch seine optischen Täuschungen faszinierenden Maurits Cornelis Escher kann sich Wienrich genauso begeistern, überhaupt für „alle, die Wert auf Details gelegt haben“.

Weitere Inspirationen holt sich Wienrich aus der Literatur, etwa bei Tolkiens „Der Herr der Ringe“ oder „Der Hobbit“. Weitere Ideen lieferten die sogenannten „Heavy Metal“-Comics oder französische und italienische Comics der 70er- und 80er-Jahre.

„Schweinhorn“ und „Schmatze“

Der Comic-Bereich hat bei ihm wohl auch ein wenig Richtung Karikatur gewirkt. Da kann man etwa den seufzenden Torturm oder den ins Tal blickenden Kirchturm von Kirchberg finden. Das strahlende „Schweinhorn“ blinzelt einen von einem anderen Bild an, während die „Schmatze“ – eine Kombination aus Katze und Schnecke – streng aus ihren gelb-­grünen Augen blickt.

Der „Alternative Kirchberger Parkausweis“ gehört genauso zu Wienrichs Karikaturen wie der Federn lassende Greifvogel, der auf „Wehret dem Windrad-Wahnsinn“ zwischen Mühlenflügel und -mast geraten ist. Viele dieser Bilder hat Wienrich für sich selbst gemalt. 2015, 2016 und 2017 waren einige von ihnen in Ausstellungen in Schrozberg, Kirchberg und Wallhausen zu sehen.

Hohe Ansprüche an sich selbst

Für ihn sollen seine Bilder Geschichten erzählen und Stimmungen vermitteln. Dabei erschafft der hohe Ansprüche an sich selbst stellende Künstler Unikate und hat nichts für Bilderserien übrig: „Ich will etwas nicht ausschlachten, bis es keiner mehr sehen will.“ Was er schade findet, ist der Umstand, dass manche Menschen es nicht so richtig zu schätzen wüssten, welche Arbeit hinter seiner Kunst stecke.

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