Immer mehr Details zum Ku-Klux-Klan werden durch Dokumente von Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz bekannt. Brisant ist die neueste Enthüllung: Neben Thomas R., der als "Corelli" für das Bundesamt für Verfassungsschutz gespitzelt haben soll, gab es im Haller Klan noch einen weiteren: Achim S. Der damalige Klan-Chef soll für den baden-württembergischen Geheimdienst gegen Geld Informationen geliefert haben - das schreiben "Süddeutsche" (München) und die Berliner Tageszeitung "Taz".

Journalist Tanjev Schultz konnte nach eigenen Angaben als geheim eingestufte Dokumente vom Landesamt für Verfassungsschutz einsehen. "Wir sind absolut sicher, dass wir es mit authentischem Material zu tun hatten", sagt er auf Nachfrage des Haller Tagblatts.

Achim S., der sich Ryan Davis nannte und heute in Schleswig-Holstein lebt, sei 1994 von der Behörde angesprochen worden - er habe Informationen von einem NPD-Parteitag und von einer Skinhead-Gruppe liefern sollen, wo er sich als Musiker versucht hatte. Offenbar habe der Haller, so heißt es weiter, ohne Wissen des Geheimdienstes einen bundesweiten Ku-Klux-Klan-Ableger gegründet: "European White Knights of the Ku Klux Klan" . Dazu ließ er sich im US-Bundesstaat Mississippi zum "Grand Dragon" ernennen.

Erst im Zuge der Ermittlungen zum Mord an die Heilbronner Polizistin Michéle Kiesewetter wurde 2012 öffentlich, dass auch mindestens zwei Polizeibeamte im Klan aktiv waren - sie waren in der selben Böblinger Einheit, wie die von der Zwickauer NSU-Terrorzelle getötete 24-Jährige.

Vermutlich haben die Stuttgarter V-Mann-Führer von Achim S. erst durch die Kölner Kollegen erfahren, was ihr Informant in Hall aufbaute. Im November 2000 habe der Verfassungsschutz darauf die Zusammenarbeit mit dem Klan-Chef beendet. Er selbst wurde aber weiter von "Corelli" bespitzelt.

Bei diesem handelt es sich nach derzeitigem Stand um ein anderes Kaliber. Der Neo-Nazi aus Sachsen-Anhalt pflegte viele Kontakte in die rechte Szene und das "Blood & Honour"-Netzwerk. Er taucht auf der Adressliste von NSU-Terrorist Uwe Mundlos auf und rekrutierte für den Haller Klan Mitglieder im Osten. Laut "Spiegel"-Recherchen kassierte "Corelli" in 20 Jahren mehrere 10000 Euro steuerfrei vom Bund - für Infos aus der rechten Szene. Angeblich steckt Thomas R. heute in einem Zeugenschutzprogramm. Der NSU-Untersuchungsausschuss will zumindest seine V-Mann-Führer befragen. Aber noch weigert sich das Bundesinnenministerium.

Nachdem sich der Haller Klan 2003 aufgelöst hatte - Achim S. hatte Gelder veruntreut, Klansbrüder wendeten sich von ihm ab - habe sich der Ex-Anführer erneut an den Verfassungsschutz gewandt. In zwei sogenannten Abschöpfungsberichten habe er den Beamten weitere Details über seine alten Freunde verraten - gegen Geld. Die Behörde gibt dazu keine Auskunft. "Das Landesamt für Verfassungsschutz äußert sich öffentlich nicht zu operativen Angelegenheiten", so Sprecher Georg Spielberg. Dem Untersuchungsausschuss in Berlin seien aber umfängliche Akten zum KKK vorgelegt worden.